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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1910,
Kleinere Mitteilungen.
1. Der Orkan in der Florida-Straße am 11. Oktober 1909. Ein ver-
heerender Wirbelsturm zog am 11. Oktober vorigen Jahres über den westlichen Teil
der Insel Kuba, über Key-West und Südflorida. Nach Zeitungsberichten wurden
auf Westkuba viele Gebäude von seiner Gewalt niedergerissen, darunter das neue
Tuberkulose-Hospital in Arroyo Naranjo; zahlreiche kleinere Fahrzeuge fanden
im Hafen von Habana ihren Untergang oder strandeten. Noch größere Verwüstungen
richtete der Orkan in Key-West an, wo ganze Häuserblöcke und auch große
steinerne Bauten dem Erdboden gleich gemacht wurden; vier Kirchen stürzten
ein und die großen Tabakfabriken erlitten erhebliche Beschädigungen, Auf See
kamen nach den Schiffsnachrichten verschiedene Segler in ernste Lagen, in denen
sie Takelage oder Decksladung verloren. Der Passagierdampfer »Antilles« geriet
bei Kap Florida auf Strand u. a. m,
Schiffsbeobachtungen, die bei der Deutschen Seewarte eingegangen sind,
geben wertvolle Anhaltspunkte über die mutmaßliche Entwicklung dieses Orkans
und die Richtung seiner Bahn nach dem Passieren von Key-West.
/ Wetterkarte
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D. »Breslau«, Kapt. H. Prager, hatte am 8. Oktober Baltimore mit der
Bestimmung nach Galveston verlassen, Am folgenden Tage herrschten bei hohem
Luftdruck schönes Wetter und umlaufende Winde, Am 10. Oktober begann das
Barometer langsam zu fallen, der Wind erlangte Stetigkeit aus OSO, Stärke 4,
und einzelne Regenschauer zogen vorüber, des Nachmittags blieb die tägliche
Barometerschwankung aus, der Barometerstand war um 4% N 762.0 mm. Bei
regnerischem Wetter und bedecktem Himmel wurde die Florida-Straße ange-
steuert (siehe Figur) und am 11. Oktober 1b 50%" V Jupiter Inlet Fr. und um
5b 27min V Hillsboro Inlet Fr. quer ab gepeilt, Der Wind nahm jetzt bei rasch
fallendem Barometer an Stärke aus derselben Richtung zu. Mittags um 12% be-
fand man sich in 25.0° N-Br. und 80.,3° W-Lg., Barometerstand 751.3 mm, als harte
Böen aus SSO mit Stärke 9 und 10 einsetzten, die von wolkenbruchartigen Regen-
züssen begleitet waren. Jetzt begann ein jäher Barometersturz, bis um 3% N der
tiefste Stand von 717.8 mm erreicht wurde. Orkanartige Regenböen brachen
aus, von 2b bis 34 N hatte der Sturm seine größte Geschwindigkeit erlangt; das
Zentrum des Orkans ging in der Nähe des Schiffes vorbei, indem der Wind
von 3h bis 53 N rasch von Süd nach West drehte. Von 4%® bis 83 N holte der
Wind bei steigendem Barometer über NW nach Nord und flaute bis Stärke 9 ab.