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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1910.
Einige Bemerkungen über die Niederländische Küstenbefeuerung.”
Bis vor kurzer Zeit hatten beinahe alle Niederländischen Leuchtfeuer festes
Licht; nur die Leuchtfeuer von Ameland, Eierland, Scheveningen und West-
Schouwen waren mit Drehlichtern versehen. Als Lichtquelle dienten Petroleum-
lampen mit 3, 4 und 6 Dochten. Diese Befeuerung konnte den höheren Anfor-
derungen der Schiffahrt jedoch nicht mehr genügen, die festen Lichter mußten
verschwinden und Lichtern mit abwechselnd hellen und dunklen Perioden weichen.
Die alten Drehlichter hatten den Nachteil, daß die dunklen Perioden infolge der
geringen Umdrehungsgeschwindigkeit des Apparats zu groß waren, Durch Ver-
größerung der Anzahl Linsen kann dieser Nachteil zwar beseitigt werden, doch
verringert sich die Lichtstärke dadurch, indem die Oberfläche jeder Linse kleiner
wird und die Lichtstärke einer Linse proportional ihrer Oberfläche ist. Erst
durch die Erfindung von Bourdelles gelangten die Lichter mit abwechselnd hellen
und dunklen Perioden zu ihrer jetzigen Vollendung. Die nach dieser Erfindung
erbauten Apparate haben bei sehr großer Umdrehungsgeschwindigkeit eine ge-
ringe Anzahl Linsen und somit große Lichtstärke (Blitzlichter). Bourdelles hat
das große Verdienst, auf die Tatsache hingewiesen zu haben, daß die Lichtstärke
einer Linse proportional der Lichtstärke per quadratische Einheit der Lichtquelle
ist und nicht proportional der Gesamtlichtstärke der Lichtquelle, wie man früher
glaubte,
Die Vorschläge der im Jahre 19038 eingesetzten Kommission zur. Herbei-
führung von Verbesserungen in der Befeuerung sind nunmehr nahezu ganz
durchgeführt.
Um von den raschen Fortschritten in der Befeuerungstechnik möglichst
großen Nutzen zu ziehen, ist es für notwendig befunden, in Scheveningen eine
Versuchsstation zu errichten, die im November 1909 in Dienst gestellt wurde.
Mit dieser Station ist eine Werkstätte für die Unterhaltung von Instrumenten,
Lampen, Brennern usw. und zur Herstellung kleinerer Gegenstände verbunden.
Es sollen daselbst Untersuchungen und Versuche für den Dienst des Lotsen-
wesens, der Befeuerung, Betonnung und Bebakung angestellt werden, also u, a.
Vergleiche der verschiedenen Lichtquellen, wie elektrisches Licht, Petroleum-
gylühlicht, Azetylen, Fettgas, Petroleum u. a. hinsichtlich Lichtstärke und Betriebs-
kosten; Untersuchungen von Linsen; Versuche mit akustischen Signalen für Über-
and Unterwassergebrauch.
Zu ebener Erde befindet sich der Photometerraum mit verschiedenen
photometrischen Apparaten, in dem ersten Stockwerk ist Gelegenheit zur Unter-
suchung großer Lichtapparate, sowohl im Hause selbst wie auch am Strande.
In letzterem Falle ist der Beobachter durch ein Feldtelephon mit der Versuchs-
station verbunden. In dem Maschinenraum befinden sich zwei Diesel-Motoren
ä 25 PS, die die verschiedenen Dynamos treiben. Die Gleichstromdynamos dienen
außer zur Anstellung von Versuchen auch für das Leuchtfeuer in Scheveningen,
das in diesem Jahre in ein elektrisches Licht umgeändert worden ist. Außerdem
anthält das Gebäude einen Motorkompressor für Versuche mit Nebelhörnern,
pneumatischen und Unterwasserglocken,
Es sind an der Niederländischen Küste zur Zeit drei elektrische Leucht-
feuer mit Wechselstrom-Bogenlampen in Betrieb, nämlich auf Terschelling, in
Ymuiden und auf West-Kapelle. Sie sind einander gleich mit dem einzigen Unter-
schied, daß das Leuchtfeuer in Ymuiden bei Nebel mit der doppelten Lichtstärke
brennen kann’). Das Leuchtfeuer in Scheveningen hat dagegen ein elektrisches
Licht mit Gleichstrom-Bogenlampe%. Was die Petroleumglühlichter anbelangt,
so steht noch zur Entscheidung, welches von den drei ins Auge gefaßten Systemen
!y Nach »de ingenieur« Nr, 14/1910.
?) In dem Verzeichnis der Leuchtfeuer aller Meere usw. Heft 1I 1910, hersg. v. Reichs-
Marine-Amt, ist bei West-Kapelle ebenso wie bei Ymuiden die Lichtstärke von 15 000 000 bis 30 000 000
angegeben. (D. Red.) .
3) Das angeführte Leuchtfeuerverzeichnis gibt für Scheveningen Petroleumglühlicht an. (D. Red.)