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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1910. 
Der Azimutstab von R. Nelting.” 
In fast allen technischen Berufen hat sich der Gebrauch des Rechenstabes 
eingebürgert. Der Baumeister, der Ingenieur, der Landmesser, der Schiffbauer 
und viele andere möchten dieses einfache Rechenhilfsmittel nicht mehr missen, 
da es bequem zu handhaben ist, sich leicht in der Rocktasche unterbringen läßt 
und vor allem viel Zeit und geistige Anspannung erspart. Allein die Seeleute 
3acheinen sich mit dem Rechenstab noch nicht recht befreundet zu haben, obwohl 
sich in ihrem Beruf viele Aufgaben darbieten, bei deren Lösung ein Stab sich 
mit Vorteil verwenden läßt. Eine solche Aufgabe ist die Bestimmung des Azimuts, 
die sich bei jeder Kontrolle der Deviation der Kompasse durch Gestirnspeilungen 
und bei jeder Ermittlung der Standlinie aus Höhenbeobachtungen - wiederholt 
und daher, wie kaum eine andere, zum täglichen Brot des Seemanns gehört. Zur 
schnellen und bequemen Lösung dieser Aufgabe dient der von R. Nelting 
konstruierte Azimutstab, 
Dieser Stab, der sich vom gewöhnlichen Rechenstab äußerlich dadurch 
unterscheidet, daß er zwei Zungen oder Schieber hat, trägt mehrere Tangenten- 
“eilungen in verschiedenen Maßstäben und Bezifferungen. Auf seine Theorie kanr 
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ALLE RECHTE VORBEHALTEN 
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nier jedoch nicht eingegangen werden, und daher soll nur die Art des Gebrauches 
kurz angegeben werden. Um das Azimut zu finden wird der Pfeilstrich des 
oberen Schiebers auf den in Stunden, Minuten und Zehntelminuten ausge- 
drückten Stundenwinkel, der Pfeilstrich des unteren Schiebers auf die in Graden 
und Zehntelgraden angegebene Ortsbreite eingestellt. Beide Schieber werden 
danach nicht wieder bewegt. Unter dem Werte der Abweichung des Gestirns in 
der linken Deklinationsteilung des unteren Schiebers liest man dann eine Hilfs- 
größe z ab, die man auf dem oberen Schieber wieder aufsucht und unter der man 
eine Größe a findet. Ebenso führt die Abweichung des Gestirns mittels der 
rechten Deklinationsteilung zu einer Hilfsgröße y, die auf dem oberen Schieber 
aufgesucht, die Größe b abzulesen gestattet. Das Azimut ist dann gleich der 
Summe oder der Differenz von a und b, je nachdem, ob die Breite oder die 
Abweichung größer ist. 
Diese kurze Beschreibung zeigt die Einfachheit der vorzunehmenden 
Manipulationen, die sich dank der zweckmäßigen Bezeichnung der einzelnen 
Teilungen nach sehr kurzer Übung fest einprägen. Die zu beachtenden Regeln 
sind überdies auf der Rückseite des Stabes kurz angegeben. Auch in dem Falle, 
daß bei gleichbleibender Breite eine Reihe von Peilungen desselben Gestirns 
ıintereinander genommen sind (Deviationsbestimmung durch Kreislaufen) dürfte 
der Gebrauch des Stabes zweckmäßig sein, da dann die Hilfsgrößen z und y nur 
einmal bestimmt und auf dem oberen Schieber markiert zu werden brauchen. 
„ 2) Zu beziehen durch R. Nelting, Hamburg 19. Emilienstraße 67. Preis 14 ‚4 mit Gebrauchs- 
AN WEISPHNES 
Kohlschütter, E.: Der Azimutstab von R. Nelting. 561 
Die mit dem Stab zu erreichende Genauigkeit beträgt 0.1° bis 0.2° Da in 
der nautischen Praxis im allgemeinen eine Genauigkeit von 0.5° genügt, so geht 
daraus hervor, daß bei der Einstellung und Ablesung für gewöhnlich nicht mit 
der äußersten Sorgfalt verfahren zu werden braucht, so daß keine besondere An- 
spannung der Aufmerksamkeit erforderlich ist. 
Bei einiger Fertigkeit, die sich bei ständigem Gebrauch des Stabes in 
wenigen Tagen einstellt, geht die Bestimmung des Azimuts mittels des Stabes 
wenigstens ebenso schnell wie mit den a, b, c-Tafeln, den Ebsenschen, oder 
sonstigen‘ Azimuttafeln. Dabei ist der kurze Stab leicht und handlich. Seine 
Vorteile gegenüber den Tafelwerken bestehen darin, daß er für alle Breiten und 
Abweichungen von Pol zu Pol und alle Stundenwinkel ausreicht, daß er leicht in 
der Tasche getragen und überallhin mitgenommen werden kann, daß er die 
lästigen und Aufmerksamkeit erfordernden Einschaltungsrechnungen erspart und 
schließlich in seiner größeren Haltbarkeit. Während die gedruckten Tabellen 
sich bei häufigem Gebrauch schnell abnutzen und von Zeit zu Zeit ersetzt werden 
müssen, hält ein guter Rechenstab bei ordnungsmäßigem Gebrauch ein Menschen- 
alter hindurch aus, so daß er sich auf die Dauer bezahlt macht. 
Nach Angabe der rühmlichst bekannten Firma Dennert und Pape in 
Altona, die den Neltingschen Stab herstellt. ist ein Schlottern oder Festklemmen 
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der Schieber, wie es bei einfachen Holzstäben infolge der Einwirkung der feuchten 
Seeluft vorkommt, bei diesem Stabe nicht zu befürchten, da die Auseinander- 
stellung der Schieberbacken durch eingelegte Stahlblätter gesichert ist. Sollte 
dennoch der Gang der Schieber zu leicht oder zu schwer werden, so kann man 
dem selbst durch entsprechendes Biegen der Stahlblätter abhelfen. Der vom 
Referenten benutzte Stab hat in der Tat nach vierwöchigem Liegen in feuchter 
Seeluft die leichte Beweglichkeit der Zungen behalten, während ein anderer 
Rechenstab ohne Stahlblatt-Einlage ein merklich schwereres Gleiten des Schiehers 
aufwies als vorher. 
Nach dem allen dürfte der Azimutstab von Nelting ein brauchbares und 
praktisches Hilfsmittel für den Seemann bilden, das nicht verfehlen wird, sich 
bald an Bord einzubürgern., 
Admiralitätsrat Dr. E. Kohlschütter.
	        
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