Meldau, H.: Zur Kompensation des Krängungsfehlers,
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Aufhängung des Kompaßkessels und der Aufhängung des Nadelsystems am
Rosenkörper ist diese Voraussetzung oft nicht hinreichend erfüllt. Besonders
bei Thomson-Kompassen pflegt man den Kompaßkessel an Federn und kurzen
Kettenstroppen aufzuhängen, Ein so aufgehängter Kompaßkessel wandert aber
bei der Krängung des Schiffes aus der Achse des Kompaßhauses nach Lee
heraus. Hierzu kommt noch, daß bei den Thomsonrosen das Nadelsystem oft
erheblich tiefer liegt, als der Aufhängepunkt der Rose,. wodurch das Aus-
wandern des Nadelsystems nach Lee noch vergrößert wird.
Die Folge dieses Auswanderns ist, daß der Krängungsfehler über-
kompensiert ist, wenn man den Krängungsmagnet nach den angeführten Vor-
schriften einstellt. Auf diese Überkompensation wird schon in den letzten Auf-
lagen des »Admiralty Manual« aufmerksam gemacht. In der 6, Auflage wird
empfohlen, den Krängungsmagnet nach seiner Einstellung mit dem Vertikalkraft-
instrument um 1!/, Zoll (3.8 cm) zu senken. In der 7, Auflage wird für Krängungs-
magnete von 9 Zoll eine Senkung von 2 Zoll (5.1 cm), für Krängungsmagnete
von 14 Zoll eine solche von 2!/, Zoll (5.7 cm) angegeben, Diese Angaben hat
Herr Rottok in sein bekanntes Werk »Die Deviationstheorie und ihre Anwendung
in der Praxis« übernommen, indem er als mittleren Betrag der vorzunehmenden
Senkung 5 cm vorschlägt. .
Es erschien mir wünschenswert, die bei diesem Auswandern des
Kompaßkessels vorliegenden Verhältnisse einmal theoretisch und
experimentell auf Grund der bei uns gebräuchlichen Aufhänge-
vorrichtungen des Kompaßkessels und der Anbringung des Nadel-
systems zu untersuchen. Die folgenden Mitteilungen beziehen sich
auf die angestellten Untersuchungen,
Pendellänge des Nadelsystems,
Das Pendeln des Kompaßkessels und damit der Pinne um einen Punkt der
Achse des Kompaßhauses und das Pendeln des Nadelsystems unı die Pinne kann
man sich zu einer Bewegung vereinigt denken, indem man sich den. Mittelpunkt
des Nadelsystems als den Pendelkörper eines kleinen mathematischen Pendels
vorstellt, dessen Aufhängepunkt in der Achse des Kompaßhauses liegt und dessen
Länge als »Pendellänge (l) des Nadelsystems« ‚bezeichnet werden soll. In der
Fig. 1 ist dieses Pendel mit (A)(P) in der aufrechten und mit AP in der ge-
neigten Lage der Achse des Kompaßhauses bezeichnet,
Theoretische Betrachtung.
Die Fig. 1 erläutert die Wirksamkeit der vom Krängungsmagnet M auf das
Nadelsystem ausgeübten Kraft. Die Mitte des Nadelsystems liegt vor der Krängung
Fig. 1. - im Punkt (P). Wanderte es bei der Krängung lediglich nach P”,
bliebe es also in der Achse des Kompaßhauses, so würde die vom
Krängungsmagnet ausgeübte Kraft P’B’ vermöge ihrer horizon-
talen Komponente P’ C’ gerade den Krängungsfehler kompensieren,
Nun wandert aber der Mittelpunkt des Rosensystems bei der
Krängung von P’ nach P. Die in P vom Krängungsmagnet aus-
geübte Kraft PB ist zwar ihrer Größe nach nur unmerklich von
P’B’ verschieden, sie ist aber unter Fie. 2
einem größeren Winkel gegen die Ver- BG
tikale geneigt als P’B’ und ergibt
somit eine größere horizontale Kom-
ponente PC. ;
Bezeichnet i die Krängung, so ist
PC =FBF-sini . A
Die Neigung von PB gegen die
Achse des Kompaßhauses MB’ ergibt sich aus einer bekannten Konstruktion der
Kraftrichtung in der Umgebung eines Magnets, Diese Konstruktion ist in der
Fig. 2 dargestellt. MN ist die Achse eines Magnets. Um die Kraftrichtung in P
zu finden, verbinde man P mit der Mitte M des Magnets und teile MP in drei
N
DL