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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Meldau, H.: Zur Kompensation des Krängungsfehlers, 
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Aufhängung des Kompaßkessels und der Aufhängung des Nadelsystems am 
Rosenkörper ist diese Voraussetzung oft nicht hinreichend erfüllt. Besonders 
bei Thomson-Kompassen pflegt man den Kompaßkessel an Federn und kurzen 
Kettenstroppen aufzuhängen, Ein so aufgehängter Kompaßkessel wandert aber 
bei der Krängung des Schiffes aus der Achse des Kompaßhauses nach Lee 
heraus. Hierzu kommt noch, daß bei den Thomsonrosen das Nadelsystem oft 
erheblich tiefer liegt, als der Aufhängepunkt der Rose,. wodurch das Aus- 
wandern des Nadelsystems nach Lee noch vergrößert wird. 
Die Folge dieses Auswanderns ist, daß der Krängungsfehler über- 
kompensiert ist, wenn man den Krängungsmagnet nach den angeführten Vor- 
schriften einstellt. Auf diese Überkompensation wird schon in den letzten Auf- 
lagen des »Admiralty Manual« aufmerksam gemacht. In der 6, Auflage wird 
empfohlen, den Krängungsmagnet nach seiner Einstellung mit dem Vertikalkraft- 
instrument um 1!/, Zoll (3.8 cm) zu senken. In der 7, Auflage wird für Krängungs- 
magnete von 9 Zoll eine Senkung von 2 Zoll (5.1 cm), für Krängungsmagnete 
von 14 Zoll eine solche von 2!/, Zoll (5.7 cm) angegeben, Diese Angaben hat 
Herr Rottok in sein bekanntes Werk »Die Deviationstheorie und ihre Anwendung 
in der Praxis« übernommen, indem er als mittleren Betrag der vorzunehmenden 
Senkung 5 cm vorschlägt. . 
Es erschien mir wünschenswert, die bei diesem Auswandern des 
Kompaßkessels vorliegenden Verhältnisse einmal theoretisch und 
experimentell auf Grund der bei uns gebräuchlichen Aufhänge- 
vorrichtungen des Kompaßkessels und der Anbringung des Nadel- 
systems zu untersuchen. Die folgenden Mitteilungen beziehen sich 
auf die angestellten Untersuchungen, 
Pendellänge des Nadelsystems, 
Das Pendeln des Kompaßkessels und damit der Pinne um einen Punkt der 
Achse des Kompaßhauses und das Pendeln des Nadelsystems unı die Pinne kann 
man sich zu einer Bewegung vereinigt denken, indem man sich den. Mittelpunkt 
des Nadelsystems als den Pendelkörper eines kleinen mathematischen Pendels 
vorstellt, dessen Aufhängepunkt in der Achse des Kompaßhauses liegt und dessen 
Länge als »Pendellänge (l) des Nadelsystems« ‚bezeichnet werden soll. In der 
Fig. 1 ist dieses Pendel mit (A)(P) in der aufrechten und mit AP in der ge- 
neigten Lage der Achse des Kompaßhauses bezeichnet, 
Theoretische Betrachtung. 
Die Fig. 1 erläutert die Wirksamkeit der vom Krängungsmagnet M auf das 
Nadelsystem ausgeübten Kraft. Die Mitte des Nadelsystems liegt vor der Krängung 
Fig. 1. - im Punkt (P). Wanderte es bei der Krängung lediglich nach P”, 
bliebe es also in der Achse des Kompaßhauses, so würde die vom 
Krängungsmagnet ausgeübte Kraft P’B’ vermöge ihrer horizon- 
talen Komponente P’ C’ gerade den Krängungsfehler kompensieren, 
Nun wandert aber der Mittelpunkt des Rosensystems bei der 
Krängung von P’ nach P. Die in P vom Krängungsmagnet aus- 
geübte Kraft PB ist zwar ihrer Größe nach nur unmerklich von 
P’B’ verschieden, sie ist aber unter Fie. 2 
einem größeren Winkel gegen die Ver- BG 
tikale geneigt als P’B’ und ergibt 
somit eine größere horizontale Kom- 
ponente PC. ; 
Bezeichnet i die Krängung, so ist 
PC =FBF-sini . A 
Die Neigung von PB gegen die 
Achse des Kompaßhauses MB’ ergibt sich aus einer bekannten Konstruktion der 
Kraftrichtung in der Umgebung eines Magnets, Diese Konstruktion ist in der 
Fig. 2 dargestellt. MN ist die Achse eines Magnets. Um die Kraftrichtung in P 
zu finden, verbinde man P mit der Mitte M des Magnets und teile MP in drei 
N 
DL
	        
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