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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 537 
tiven Anomalie Platz macht. Letztere bleibt mit einer Unterbrechung im dritten 
Quartal des Jahres bis zum Schluß bestehen. 
1894. Die positive Anomalie von 1893 dauert an, erfährt aber ebenso 
wie im Vorjahre im südlichen Winter eine Unterbrechung. 
1895. Während des ersten Teiles des Jahres ist das Wasser entschieden 
zu warm. Es macht sich dann aber ein Eindringen kalter Wassermassen im 
Laufe des Jahres bemerkbar, die oft ein Nebeneinander von warmen und kalten 
Anomalien zur Folge haben; es ringen offenbar kalte Wassermassen mit den 
noch immer die Route beherrschenden warmen um die Herrschaft. 
1896. Die im Vorjahre aufgetretenen Kälteanomalien erhalten das Über- 
gewicht. Sie bleiben mit einer geringen Unterbrechung im August und September 
bestehen, 
1897. Das Jahr zeigt sehr schwankende Verhältnisse. Der Schiffsweg 
ist wieder der Schauplatz von abwechselnd erscheinenden negativen und positiven 
Anomalien. Es scheint, als ob die kalten Wassermassen, die im Jahre 1898 die 
Route belagern, schon ihren temperaturerniedrigenden Einfluß bemerkbar machen, 
Die regelrechte Ausbildung einer positiven Anomalie wird durch das Auftreten 
von kalten Wassermassen immer wieder unterbrochen. 
1898. In diesem Jahre ist die Route durch negative Anomalien ein- 
genommen, wie sie im Verlauf der acht Jahre in dieser Ausdehnung und Inten- 
sität noch nicht dagewesen sind. Der Kern dieser Anomalien liegt immer 
im Bereich der Benguela-Strömung, der sich mit schwindender Intensität nach 
beiden Seiten oft über den ganzen Schiffsweg ausbreitet, Die kalten Wasser- 
massen halten bis zum Ende des Jahres die Route besetzt, scheinen aber dann 
zu verschwinden, da der Dezember wieder normale Verhältnisse aufweist. 
Was nun bei der Betrachtung dieses wechselnden Spiels positiver und ne- 
gativer Anomalien auf dem Schiffsweg auffällt, ist, daß diese Anomalien meist 
in dem Streifen der Route vor sich gehen, den wir als von der Ben- 
guela-Strömung eingenommen bezeichnet hatten. Das Gebiet westlich 
dieses Streifens wird fast immer von der 0° Isanomale umschlossen und durch- 
quert, nur gelegentlich erlangen die anormalen Wassermassen eine solche Aus- 
dehnung, daß sie sich über die ganze Route verbreiten, Es scheint demnach, 
daß die Benguela-Strömung vorzugsweise solchen Schwankungen unterworfen ist, 
die sich nur hin und wieder, wenn die anormalen Wassermassen eine große In- 
tensität erreichen, über die Umgebung erstrecken. Fast jedesmal, wenn eine 
ausgedehnte Temperaturdepression den Schiffsweg belagert, befindet sich ihr 
Kern im Bereich der Strömung und breitet sich von dort mit schwindender In- 
tensität über die Schiffsroute aus, 
Die nähere Betrachtung der Wärmeänderungen in der Benguela-Strömung 
soll daher auf den vorerwähnten Streifen beschränkt werden. Um den Temperatur- 
gang in den Jahren 1891 bis 1898 übersichtlich darzustellen, wurden in diesem 
Streifen eine Anzahl Punkte angenommen, für welche aus den Isothermenkarten 
die ihnen in jedem Monat zukommenden Temperaturen entnommen wurden. 
Diese Punkte sind näher bestimmt : durch die Schnittpunkte der Breitengrade 
39° S, 40° S und 41° S mit den Längengraden 3° bis 15° 0. Die Temperatur 
jedes dieser 39 Punkte wurde mit der entsprechenden Normaltemperatur ver- 
glichen und die jedesmalige Abweichung festgestellt; das Ergebnis dieser Gegen- 
überstellung ist die Tabelle XI. Sodann wurde für jeden Monat jedes Jahres das 
Verhältnis der Punkte mit positiver und der mit negativer Anomalie berechnet, 
und die erhaltenen Werte zu einer Kurve vereinigt. 
Schon früher wurde erwähnt, daß die Genauigkeit der einzelnen Temperatur- 
mittel infolge der schwankenden Zahl der zugrunde liegenden Beobachtungen 
eine verschiedene ist; es wurden, um dieses Moment etwas zu verringern, die 
für die einzelnen Monate geltenden Temperaturwerte in fortlaufende Dreimonats- 
mittel zusammengefaßt, d. h. zu jedem Monat wurde noch .der Wert des vorher- 
gehenden und des folgenden hinzugenommen, und dann das Mittel aus diesen 
drei Werten als für den Monat gültig erachtet. Die Kurve 1, Tafel 42 gibt uns 
Fortsetzung des Textes auf Seite 543, 
Ann. d. Hydr. usw. 1910. Heft X.
	        
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