Lütgens: ‚Der Plan einer österreichisch-italienischen Erforschung des Adriatischen Meeres. 535
Heft der Mitteilungen der Gesellschaft wieder. Die Teilnehmer des Kongresses
waren neben de Marchi.und Magrini auf italienischer Seite der Fischerei-
biologe Professor Vinciguerra aus Rom und Linienschiffkapitän‘ Giavotto
vom hydrographischen Institut in Genua, auf Österreichischer Seite. Professor
Brückner, der zum Präsident gewählt wurde, Götzinger, Cori, Fregatten-
kapitän v. Kesslitz vom hydrographischen Amt in Pola und Direktor Dr. Ma-
zelle vom Observatorium in Triest. Die Beschlüsse sind noch nicht bindend,
werden aber zweifellos die nötige Genehmigung der beiden Regierungen finden
und dann ausgeführt werden.
Den Hauptpunkt bildet die Annahme des Prinzips der Organisation und
der Forschungsmethoden der internationalen Erforschung der nordeuropäischen
Meere, Es wird eine italienisch-österreichische Adria-Kommission, die alljähr-
lich —- zuerst wohl im Herbst 1910 — zusammentritt, gebildet. Hier erfolgt
die Vereinbarung aller in Betracht kommenden Fragen, worauf jeder Staat den
ihm zugewiesenen Teil der Arbeit ausführt. Diese Arbeit ähnelt gleichfalls der
nordischen, da viermal im Jahr, im Februar, Mai, August und November die-
selben Terminfahrten zur Vornahme hydrographischer und biologischer Unter-
suchungen unternommen werden, Durch diese Terminfahrten werden im ganzen
acht Querschnitte durch das Adriatische Meer gelegt. Es sind dieses
I. Venedig—Rovigno II. Ravenna—Lussinpiccolo
II. Ancona—Punte Bianche IV. Ortona—Ragoznica
V. Viesti— Lagostini VI. Bari—Ragusa
VII. Brindisi—Tiefe 1645 m—Durazzo VII. Otranto—Kap Linguetta.
Von diesen Schnitten werden die ungraden von Italien, die graden von Öster-
reich gelegt. Schnitt VII führt nicht mit gradem Kurs zur Gegenküste, sondern
erst nordnordöstlich zur tiefsten Stelle der Adria und dann westwärts, Schnitt IV
geht durch eine über 200 m tiefe Querrinne, während VIII die Straße von Otranto
durchschneidet und so den Zusammenhang zwischen Adria und Mittelmeer
kontrolliert. Die Beobachtungen sollen auf den Schnitten in Abständen von
10 Sm erfolgen, jedoch hat jedes Schiff im Abstand von 10 Sm von der Küste
der andern Macht mit allen Forschungen aufzuhören, eine Vereinbarung, die
zeigt, daß das bekannte Mißtrauen in den italienisch-Österreichischen -Grenz-
gebieten auch bei gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeiten nicht zum Vorteil
der Sache sich bemerkbar macht. Auf den Stationen erfolgen regelmäßig Salz-
gehalts-,, Temperatur- und Gasgehaltsbestimmungen in verschiedenen Tiefen,
Möglichst oft ferner von verankertem Schiff Strommessungen nach Richtung
und Geschwindigkeit in den einzelnen Tiefen und schließlich an einer Stelle in
jedem Profil 24 stündige Beobachtungen aller Elemente. Mit diesen Beobachtungen
gehen Bodenuntersuchungen, biologische Forschungen und dauernde meteorologische
Beobachtungen Hand in Hand, so daß also jedesmal ein größerer Stab von Gelehrten
nötig ist. Die ozeanographischen Arbeiten wird für Österreich Professor Grund aus
Prag leiten, dem ferner Dr. Götzinger beigegeben wird, und es sind jedesmal für
eine Terminfahrt 14 Tage bis 3 Wochen berechnet, eine für das umfangreiche
Programm nur geringe Zeit. Als Schiff dient für Italien das Kriegsschiff
»Cielopes von rund 1000 Tonnen, während das Österreichische »Najade« etwas
kleiner ist. Beide sind also beträchtlich größer, als die in den nordischen Ge-
wässern verwendeten. ‘ Die Fahrten sollen zunächst für 1911 und 1912 aus-
geführt werden. Weiterreichende Beschlüsse konnten nicht gefaßt werden, da
die immerhin sehr beträchtliche Kostenfrage erst von Regierungsseite erledigt
werden muß. Einstweilen hat die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften dem
Adriaverein einen einmaligen Beitrag von 10000 Kronen gespendet und einen
weiteren Teil der Auslagen übernimmt der Adriaverein selbst. .
Auf der Konferenz ist ferner noch die Anregung zu Beobachtungen auf
Handelsschiffen und auf Landstationen gegeben. Es würde sich darum handeln,
daß österreichische und italienische Schiffe während der Reisen im Adriatischen
Meer regelmäßig Beobachtungen über die meteorologischen Elemente in der Art
wie sie die deutschen Schiffe für die Seewarte ausführen, anstellen. Bei dieser