534 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1910.
gleiche Windgeschwindigkeit voraussetzt. Dann werden die Luftbahnen in einem
fortschreitenden Wirbel überhaupt keine Spiralen mehr, sondern relativ zum
Wirbelzentrum ellipsenähnliche und relativ zur Erdoberfläche wieder zykloid-
ähnliche Kurven, die aber jetzt viel länger rechts von der Bahn laufen und sich
hier von dieser viel mehr entfernen, als links von der Bahn des Wirbelzentrums.
Ich möchte dringend empfehlen, daß auch von deutscher Seite diese
Studien aufgenommen werden und daß dabei meinem obigen Vorschlag gemäß
verfahren wird, bis weitere Untersuchungen Besseres an dessen Stelle setzen lassen.
W. Köppen.
Der Plan einer österreichisch-italienischen Erforschung
des Adriatischen Meeres.
Während schon seit Jahren intensiv an der wissenschaftlichen Erforschung
der europäischen Nordmeere gearbeitet wird, so daß sie jetzt vor allem auch
Dank der internationalen Meeresforschung zu den bestbekannten Meeresräumen
zählen, läßt sich ähnliches für die europäischen Südmeere nicht behaupten,
Manches ist freilich geschehen, aber doch nur vereinzelt, und die Inangriffnahme
der systematischen Untersuchung des Mittelmeeres datiert eigentlich erst seit der
Fahrt des »Thor« im Winter 1908/09. Auch in dem Adriatischen Meere finden
sich bisher nur Ansätze für eine dauernde Beobachtung, die nach neuerer An-
schauung allein imstande ist, völlige Klarheit über die vielen ozeanographischen
und biologischen Fragen zu schaffen, so daß die Kenntnisse seiner physikalischen
Verhältnisse noch recht lückenhaft sind, Sie fußen im wesentlichen auf den
Beobachtungen einiger meteorologischer Stationen, die auch an der Küste vom
Boote aus ozeanographische Beobachtungen ausführten, sowie auf die Unter-
suchungen von Luksch und Wolf in den Jahren 1875 bis 1880, die sich auf
das offene Meer erstreckten und damit die Grundlage unserer jetzigen Kenntnis
des Adriatischen Meeres lieferten.
Erst im Jahre 1903 wurde in Wien der Verein zur Förderung der natur-
wissenschaftlichen Erforschung der Adria gegründet und nun begann aus kleinen
Anfängen heraus eine Arbeit, die jetzt im Begriff ist sich zu einem großen Werk
zu entwickeln. Es wurde zunächst mit einer kleinen Motorbarkasse unter
ozeanographischer Leitung von Dr. Alfred Merz, jetzt Abteilungsvorstand am
Institut für Meereskunde in Berlin, und der biologischen des Direktors der
zoologischen Station in Triest, Prof. Dr. Cori, nur der Golf von Triest unter-
sucht. Im Jahre 1906 wurden dann, nunmehr durch Dr. Götzinger, die Ge-
wässer westlich von Istrien in die Fahrten einbezogen und seit 1908, dem Jahre
der Erbauung eines größeren gedeckten Benzinmotorschiffes »Adria«, eingehender,
weil unabhängiger von Wind und Wetter, erforscht.
Jetzt begann sich auch Italien für die Erforschung des Adriatischen Meeres
zu interessieren. Es entstand in Venedig das Königliche Magistrato alle Acque,
deren Forschungen sich zunächst auf die Lagunen erstreckte, und die Societä
italiana per il progresso delle Scienze setzte ein Cornitato talassografico ein,
das die Untersuchung der italienischen Meere zur Aufgabe erhielt und dem von
der italienischen Regierung 1909 Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt wurden,
Als Ozeanographen wirkten auf ihnen die Professoren der Universität Padua,
Dr. Luigi de Marchi und Giovanni Piero Magrini.
. Aus dieser Aufnahme der ozeanographischen Forschungen von seiten
Österreichs wie auch Italiens entstand nun die Notwendigkeit, sich über die Unter-
suchung des Adriatischen Meeres zu einigen und zu diesem Zweck fand nach
einigen Vorarbeiten Pfingsten 1910 in Venedig eine Österreich-italienische ozeano-
graphische Konferenz statt, deren Beschlüsse für die weitere Arbeit von grund-
legender Bedeutung sind. Über diese Konferenz sowie über die bisherige wissen-
schaftliche Erforschung der Adria sprach ausführlich in der Fachsitzung der
Geographischen Gesellschaft in Wien am 20. Juni d. Js. Professor Brückner
und diese Zeilen geben den wesentlichen Inhalt des Vortrages nach dem letzten