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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Ann. d. Hydr. usw., XXXVIIL Jahrg. (1910), Heft X. 
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A 
Ergebnis der Untersuchung über Ablenkung der Magnetkompasse 
durch Nebel. 
Zusammengestellt im Reichs-Marine- Amt, 
Neuere Veröffentlichungen zeigen, daß über die Frage, ob der Nebel die 
Kompasse ablenken kann, noch immer keine Beruhigung‘ eingetreten ist. So 
schreibt in der naturwissenschaftlichen Zeitschrift »Kosmos« vom April 1910, 
S. 129, Herr Dr. ing. E. Foerster: »Eine Nebelbank vermag Spannungszustände 
zu enthalten, die — wie man neuerdings erkannt hat — vorübergehende Ab- 
lenkungen der Nadel bis zu einem Zehntel der ganzen Kreisperipherie und mehr 
bewirken können.« 
Demgegenüber ist folgendes zu bemerken, wie es bereits in dem Aufsatz von 
Prof. Maurer im Märzheift der »Marine-Rundschau« näher ausgeführt worden ist: 
1. Von einem Nachweis, daß etwa bei Nebel beobachtete Kompaßablenkungen 
durch elektrische Spannungszustände in der Nebelbank hervorgerufen seien, kann 
keine Rede sein, da diese Spannungszustände niemals gleichzeitig mit den Kompaß- 
ablenkungen gemessen worden sind, . 
2, Die elektrischen Ströme, die die Nebelladung durch den Schiffskörper 
zum Meere leiten, sind nach unseren Erfahrungen über die Luftelektrizität als 
so ungeheuer schwach anzunehmen, daß ihr Nachweis nur mit feinsten Meß- 
instrumenten gelingen kann, während sie einen Kompaß nicht erkennbar ab- 
lenken können, 
3. Die Spannungszustände im Nebel sind von denjenigen bei sichtiger Luft 
der Größenordnung nach nicht verschieden, so daß, wenn hierdurch veranlaßte 
Kompaßablenkungen bei Nebel auftreten sollten, sie ganz ebenso bei sichtiger Luft 
vorkommen und längst aufgefallen und erkannt sein müßten, 
4. Auf eisernen Schiffen mit elektrischem Betrieb liegen genug bekannte 
Ursachen vor, die den Kompaß ablenken können, vor allen Dingen auf den 
elektrischen Betrieb an Bord zurückzuführende und darunter. auch solche, die 
beim Aufkommen von Nebel in Wirkung gesetzt werden können. Bei etwaiger 
Beobachtung von Kompaßablenkungen im Nebel ist deshalb alle Aufmerksamkeit 
darauf zu richten, daß die im Schiffsbetrieb liegenden Störungsursachen aus- 
geschaltet oder genau bestimmt werden. Ferner ist festzustellen, ob der Kompaß 
bei sichtigem Wetter zuverlässiger war als im Nebel. Endlich wäre mitzuteilen, 
ob das Leitungsnetz des Schiffes einpolig oder doppelpolig verlegt ist, ob sich 
elektrische Maschinen und Leitungen in der Umgebung der Kompasse befinden 
und ob festgestellt ist, daß deren Ein- und Ausschalten auch im Nebel die 
Kompasse nicht beeinflußt. 
Angesichts der Beunruhigung durch die Annahme, der Nebel lenke: die 
Kompasse ab, sind auf den Schiffen der Hochseeflotte nach Möglichkeit Beob- 
achtungen über diese Frage gesammelt worden. ; ; 
Aus diesen Beobachtungen hat sich ein Einfluß des Nebels auf die Kompasse 
nicht auffinden lassen. Zwar zeigen sich mitunter Unterschiede in der Deviation 
bei Nebel und sichtigem Wetter; sie sind aber durchweg klein und nicht größer 
als die Unterschiede, die derselbe Kompaß sonst aufweist. Besonders’ zeigen 
zeitlich weiter auseinanderliegende Beobachtungen größere Differenzen, einerlei 
ob sie bei gleichen atmosphärischen Verhältnissen oder einmal bei Nebel, das 
andere Mal bei sichtiger Luft gemacht sind. Daraus erhellt einerseits die Not- 
wendigkeit andauernder Deviationskontrolle, anderseits aber die.Tatsache, daß 
man bei Nebel im allgemeinen keine größere Unsicherheit in der 
Kompaßdeviation zu erwarten hat als sonst. Einwandfreie Beobachtungen 
eines Nebeleinflusses auf die Deviation können aus demselben Grunde nur dann 
gemacht werden, wenn auf demselben Kurs unmittelbar hintereinander bei Nebel 
und bei sichtiger Luft die Deviation bestimmt werden kann. Dies ist am besten 
möglich, wenn das Schiff im Dock oder am Kai liegt. Auszüge aus dem Beob- 
achtungsmaterial von 25 Schiffen mögen das Vorstehende erweisen, Die Schiffe 
sind mit den Ziffern I bis XXV bezeichnet, 
Ann. d. Hyvdr. usw... 1910. Heft X.
	        
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