Maurer, H.: Kompensation der Krängungsdeviation mit der Vertikalkraftwage bei Kompaßrosen usw. 41
Ergebnis für die Praxis. ;
Im ganzen ergibt sich die Methode I mit der Vertikalkraftwage als
brauchbar, Man hat nach ihr mit einer schwachen Horizontalnadel an Land die
Schwingungsdauer t, an Bord am völlig kompensierten Kompaßplatz auf miß-
weisend Ost- und Westkurs die Schwingungsdauern t, und t’w zu beobachten
(beide Kurse sind nötig, weil man sich auf die völlige Kompensation von C
nicht verlassen darf). Hat sich mit der Vertikalkraftwage an Land der Hebel-
arm 1] ergeben, so setze man den Krängungsmagneten auf Ost- und West-Kurs
so, daß die Nadel wagerecht steht, wenn das Gewichtchen auf dem Hebelarm
l = (75 + 76) steht
9 to? t/'w2, *
Will man den kleinen Fehler berücksichtigen, der durch die Nadelinduktion
der Horizontalnadel entsteht, deren Moment in Millionen Gaußscher Einheiten = M
sei, so wähle man statt ’ den Hebelarm =] (1— m DM), wo D für die ver-
wendete D-Kugel-Kombination für 41=1 aus den Tabellen im Lehrbuch der
Navigation Band 1, S. 443 oder 445 entnommen und im ersteren Falle m = zo
im zweiten m = no angenommen wird,
Am Kompaßkessel selbst angebrachte, zur ®-Kompensation mitbenutzte
Weicheisenkörper, die also an der Krängung nicht teilnehmen, dürfen bei den
Schwingungsbeobachtungen nicht am Kompaßplatz bleiben, da sie auf die
Krängungsdeviation ganz ohne Einfluß sind.
Theorie der Methode II im Fall vorhandener Nadelinduktion.
Um die Methode II anwenden zu können, müssen die Formeln angegeben
werden, nach denen sich (1 + e,), wie es den vorausgehenden Darlegungen gemäß
für eine Nadel sehr schwachen Momentes am kompensierten Kompaßort gilt, aus
den für den unkompensierten Ort gültigen Werten 4 und © berechnet. Die
Formel 1 + e, = 4 (1 EZ Y trifft nicht zu, weil die ©-Kompensation nur mit Hilfe
der Nadelinduktion erreicht ist, für eine schwachmagnetische Rose aber durchaus
noch nicht %, = N = 0 geworden ist, wie es in der Ableitung der Formel
1
1+e8, = (1 +3) angenommen wird. Würde man nach dieser Formel 1 + e;
und damit l’ = 12 (1 + 3) berechnen, so fände man e, und l’ zu groß. Man
würde also, da auf Nordbreite das Gewichtchen auf den Südarm der Vertikalkraft-
wage kommt, diesen zu sehr belasten, mithin einen Krängungsmagneten mit
Nordpol oben zu weit ab, einen mit Südpol oben zu nahe an die Rose setzen.
Ehe die für einen Kompaß mit Nadelinduktion gültige Theorie entwickelt
war, war von den Kaiserlichen Werften nach der nur für induktionsfreie Rosen
durchgeführten Theorie nach der Formel = 12 (1 + 7) gerechnet worden, Die
Kontrolle durch praktische Krängungen ergab aber, daß die Krängungsdeviation
dann nur sehr unvollkommen kompensiert war, und es mußte bei praktischer
Krängung kompensiert werden, wenn die Krängungsdeviation wirklich ver-
schwinden sollte. Um Erfahrungsmaterial.zu sammeln, wurden auf einer Reihe
von Schiffen die Krängungsmagnete so festgesetzt, daß sie im Mittel bei gekrängtem
Schiff auf Nord- und Südkurs den Krängungsfehler beseitigten, und es wurde
dann bei dieser Lage der Krängungsmagnete auf ebenem Kiel auf Ost- oder
Westkurs das Gewichtehen der Vertikalkraftwage auf einen solchen Hebelarm
x gesetzt, daß der Balken wagerecht stand. In der Tat fiel dann im Durchschnitt
das aus. praktischer Krängung gefundene. Verhältnis ie kleiner aus als das nach
der Formel berechnete Verhältnis ® = Ä/4 (1 + zZ) '
Um den in unserer Formel ’ =] (1 + e,) gültigen Wert (1 + e,) aus D
und 2 am unkompensierten Ort berechnen zu können, müssen wir den Betrag Dr,
den eine bestimmte D-Kugel-Kombination bei der ursprünglich vorhandenen Richt-