Vöß, P. D.: Segelschiffsreise von Newcastle N. S. W. über Westport (Neuseeland) usw. 497
eine ziemlich große Brücke mit einem kleinen Gleise, auf dem die Wagen dicht
Jängsseit des Schiffes kommen. Hier löschten wir den Rest der Ladung und
nahmen 350 t Kopra ein, dabei hatten wir immer schöne, reine Passatluft.
Frisches Gemüse kann. man in Jaluit nicht bekommen, wohl aber sonstige
Waren, nur ist alles sehr teuer. Am 21, Januar morgens traten wir die Reise
nach Butaritari an und segelten unter Anweisung des Lotsen aus der SW-Durch-
fahrt. Die Durchsegelung ging bei dem schönen ONO-Wind leicht von statten,
Jalnit— Butaritari.
Um Butaritari auch gut anholen zu können, legten wir das Schiff während
der Nacht und bis zum nächsten Mittag auf St-B.-Halsen. Am 22. mittags wurde
von 6.2° N-Br., 170.4° O-Lg. an endgültig südostwärts gesteuert und am 24,
sichteten wir die Insel Butaritari, an deren Westseite wir entlang steuerten,
Gegen 4b N befanden wir uns dicht vor der Einfahrt.
Da kein Lotse herauskam, als wir das erste Mal vor der Einfahrt waren,
segelten wir für die Nacht wieder nordwärts und hielten uns so, daß wir uns am
nächsten Morgen wieder vor der Einfahrt befanden, Erst gegen 2% N kam der
Lotse an Bord. Der Wind wehte uns aber aus der Einfahrt entgegen und wir
mußten kreuzen, doch gelang es uns noch vor Dunkelwerden, innerhalb der
Lagune einen Ankerplatz auf etwa 27 Faden Wasser zu finden, Beim Kreuzen
zwischen den Untiefen befehligte der Lotse das Schiff von der Marsrahe aus,
und wir kamen häufig über Stellen hinweg, wo wir jeden Stein am Grunde er-
kennen konnten, Obgleich ich die Durchsichtigkeit des Wassers schon kannte,
kam mir diese Erscheinung doch unheimlich vor, deshalb ließ ich auf einer
solchen Stelle das. Lot werfen und fand 10 Faden, Alle Untiefen zeichnen sich
in diesen Gewässern sehr gut ab, sie erscheinen um so hellgrüner, je flacher sie
sind. Fällt die grüne Farbe aber etwas .in gelbliche, dann kann man nicht über
eine solche Stelle hinweg. Diese flachen Stellen zeichnen sich um so besser aus,
je höher man seinen Standpunkt nimmt und vor allem, wenn man die Sonne im
Rücken hat. Am nächsten Morgen gingen wir mit Einsetzen der Tide wieder
unter Segel. Es war schwer, unsern Anker wiederzubekommen, da er hinter
einem Felsen hakte, doch gelang es uns durch Manövrieren mit den Segeln, ihn
frei zu bekommen, und wir kreuzten darauf unter Anweisung des Lotsen dem
Ankerplatz zu, auf den wir gegen 2!» N gelangten. Die Lagune liegt voll von
Untiefen, die für ein Schiff, das schlecht manövriert, gefährlich sind, und ich
glaube, manches Schiff würde gar nicht in dieser Lagune kreuzen können. Ein solches
müßte dann draußen bei Flint Point ankern und auf guten Wind warten oder darauf,
daß mal ein Dampfer kommt, der es einschleppt. Der Ankergrund war auf unserm
Ladeplatz gut; wir hatten häufig schwere Böen, bei denen aber unser Schiff
nicht trieb, Man liegt hier ziemlich weit vom Lande; die Ladung wird in
größeren Segelbooten längsseit gebracht. Infolgedessen, namentlich da oft Regen-
weiter einsetzte, wurde unser Aufenthalt hier ziemlich lang. Um 400 t Kopra
einzunehmen brauchten wir 15 Ladetage. Man kann hier weder frisches Gemüse,
noch frisches Fleisch erhalten, wohl aber Büchsenfleisch und -gemüse, doch nicht
genug für eine Ausrüstung zu einer Reise. )
Nachdem wir 750 t geladen hatten, wie vereinbart war, mußten wir noch
5 Tage wegen regnerischen Wetters still liegen.
Butaritari — Valparaiso.
Am 22, Februar 1908 besserte sich das Wetter, und wir traten unsere Reise
nach Valparaiso an. Es herrschte mäßige ostnordöstliche Brise, so daß ich nicht
erst nördlich zu segeln brauchte, um in der östlichen Strömung noch etwas Länge
zu gewinnen. Der Wind war und blieb raum genug, so viel Ost anzuholen, daß
keine Gefahr mehr bestand, nicht frei von den Salomon-Inseln zu kommen. Wir
segelten in ununterbrochener Fahrt zwischen Fidji und Neu-Caledonien hindurch
und befanden uns am 19. Tage unserer Reise, am 12. März 1908, in 31° S-Br. und
179° O-Lg. Hier trat dadurch eine Verzögerung ein, daß wir mit dem südöst-
lichen Winde auf B-B.-Halsen nicht von Neu-Seeland frei segeln konnten. Am