494 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1910.
mit seinem weißen Leuchtturm ist eine gute Ansegelungsmarke, Weht aber ein
harter Sturm aus W oder noch schlimmer aus NW, so muß man Seeraum be-
halten und besseres Wetter abwarten. Am besten ist es, sich so einzurichten, daß
man sich zwei Stunden vor Hochwasser in der Nähe der Einfahrt befindet; es
wird dann der Lotse mit dem starken Schlepper, der dem Schiffe auch seine
Schlepptrosse gibt, herauskommen. Da häufig Regen über dem Lande hängt und
die Molen an der Einfahrt niedrig sind, sind sie aus größerer Entfernung schlecht
auszumachen, Es steht aber ein Signalmast darauf, an dem der Stand der Tide
durch Bälle angezeigt wird. Ein Schiff in Ballast kann bei jeder Tide, auch bei
Niptiden, in den Hafen einlaufen, Mit 18 Fuß Tiefgang würde man aber eine
Springtide abwarten müssen. Um bei Niptide mit 18 Fuß Tiefgang einlaufen zu
können, müßte sehr ruhiges Wetter sein. Nach meinen Beobachtungen kann aber
ein Segelschiff bei Niptiden mit 16 Fuß und bei Springtiden mit 18 Fuß wohl
stets einlaufen; ein Dampfer mit !/, bis 1 Fuß mehr. Um eine Springtide abzu-
warten, kann man hinter den Steeples ankern; der Grund soll dort gut sein,
doch für ein Segelschiff sah mir der Platz nicht verlockend aus, für Dampfer
ist es ja anders.
Im Hafen liegt man an einem aus Holz gebauten Bollwerk sehr gut, nur
erfordert der große Unterschied im Wasserstande, gut auf die an Land fest-
gemachten Trossen zu achten. Wenn es in den Bergen stark regnet, tritt im
Fluß eine Strömung auf, die mit über 8 Kn Geschwindigkeit in die See strömt.
Man muß dann das Schiff besonders gut festmachen. Löschen und Laden ge-
schieht mit Kränen. Proviant und sonstige-Ausrüstung ist wohl ebenso billig
wie in Newcastle, Seekarten sind in Westport zu haben. Wie hoch sich die
Unkosten belaufen, vermag ich nicht anzugeben, da unser Schiff von der Westport-
Coal-Company frei klariert wurde.
Am 11. September hatten wir unsere Ladung, 1132 t Kohlen, im Schiff;
damit ging »Vidette« im frischen Wasser vorn 17’ 9” und hinten 18’ tief, und
obgleich Springtide war, mußten wir doch einige Tage warten, da ein harter Sturm
aus NW herrschte, wodurch selbst die Dampfer verhindert wurden, einzulaufen.
Westport — Yap.
Am 14. September hatte sich das Wetter gebessert, und wir traten die Reise
nach Yap an. Da ich mit den Windverhältnissen in dieser Fahrt nicht bekannt
war, auch von niemandem darüber etwas erfahren konnte, so entwarf ich aus
den mir zur Verfügung stehenden Büchern den folgenden Weg: Zwischen Fidji
und den Hebriden durchzusteuern, den Äquator in etwa 164° O-Lg. zu schneiden
und von hier danach zu trachten, mit nördlichem Kurse den NO-Passat zu er-
reichen, Dieser Weg war wohl um 10° länger als der andere, den ich in Betracht
zog, nämlich: westlich von Neu-Caledonien die sogenannte innere Route zu nehmen
und dann mit dem SW-Monsun zwischen den Karolinen-Inseln hindurchzusteuern.
Diesen Plan verwarf ich aber aus den folgenden Gründen: Erstens hätte ich den
SO-Passat zu achterlich gehabt, wodurch besonders bei der »Vidette« die Fahrt
zu sehr vermindert worden wäre, zweitens war die Jahreszeit so weit vorgerückt,
daß ich Monsunwechsel vermutete und bei den Bismarck-Inseln nichts als Wind-
stillen und Gewitterböen zu finden befürchtete, Nachträglich tut es mir aber
doch leid, daß ich diesen zuletzt bezeichneten Weg nicht gewählt habe, denn
schlechter und langwieriger, als wir es auf dem äußeren Wege antrafen, hätte
es auf dem inneren auch nicht werden können,
„ Zuerst ging unsere Reise ganz flott vonstatten, so daß wir am 22, Tage
den Aquator in 164.5° O-Lg. überschritten. Von hier an aber spottet die Gelegenheit
jeder Beschreibung. Mallungen und Windstillen mit schweren Regenböen standen
auf der Tagesordnung, dazu war eine drückende, schwüle Hitze, die reine Wasch-
küchenluft., Nicht weniger als 12 Tage waren erforderlich, um von der Linie
nach 9° N-Br. in 162° O-Lg. zu gelangen. Ob in dieser Jahreszeit hier immer
solche Windverhältnisse herrschen, mag dahingestellt sein, denn aus dem
Segelhandbuch ersah ich, daß zwischen den Ost-Karolinen der Wind meistens