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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1910. 
auf Kosten der warmen stattfindet, denn in den Monaten, in denen sich die Tem- 
peratur zu einem Maximum hin bewegen sollte, wird der Anstieg aufgehalten; 
es kommt schließlich sogar eine Verschiebung der Jahreszeiten zustande: das 
Maximum der Temperatur geht im Verlaufe der Strömung vom Februar auf den 
März, ja auf den April über, während das Minimum sich stabiler hält. Es tritt 
dieses meistens im September auf, kann aber im nördlichen Teil auch noch auf 
den August fallen. Diese Stabilität hängt damit zusammen, daß das winterliche 
Minimum nicht so frei beweglich ist wie das sommerliche Maximum; da wir es 
mit einer nach Norden fließenden relativ kalten Strömung zu tun haben, so er- 
reichen die Wassermassen des Südens im Sommer nicht einen so hohen Tem- 
peraturgrad, als daß sie besonders intensiv auf die nördlicher gelegenen relativ 
warmen Gegenden einwirken könnten, besonders werden sie nicht die Kraft 
haben, auf das winterliche Minimum irgendwelchen Einfluß auszuüben. Der Ein- 
tritt dieser Größe ist vielmehr in besonderem Maße von der Windbewegung 
auf dem Ozean abhängig. Das Maximum des Südostpassates wird im Juli bis 
Oktober erreicht; es findet in diesen Monaten ein schnelleres Fließen der kalten 
Wassermassen statt, also auch ein größerer Einfluß auf die Temperatur. 
5. Der jährliche Temperaturgang in der Südäquatorialtrift, 
Wie wir gesehen haben, treffen die beiden nördlichen Schiffslinien, die 
sich mit ihrer Erstreckung nach Nordwesten immer mehr aus dem Bereich der 
Benguela-Strömung herausbegeben, beim Austritt aus dem betrachteten Meeresteil 
wieder auf eine relativ kalte Gegend; es erleidet die Temperaturzunahme nach 
Norden, die sich bis dahin vergrößert hatte, eine beträchtliche Erniedrigung, ja 
in einigen Fällen ist eine tatsächliche Temperaturabnahme nach Norden zu 
konstatieren (vgl. Tabelle V und VI). 
Von den beiden nördlichen Schiffslinien steht die deutsche Seglerlinie am 
meisten unter dem Einfluß dieser Strömung; letztere berührt die englische Linie 
wahrscheinlich nur an ihrem äußersten Ende, um sich dann fächerförmig nach 
Westen zu verbreitern, den deutschen Seglerweg dabei in größerem Maße beein- 
flussend; wir sehen deshalb den temperaturerniedrigenden Einfluß auf letzterer 
Linie am deutlichsten, In den Monaten September-März nimmt die Temperatur 
nach Norden hin freilich zu. Man könnte also einwenden, daß hier von einer 
kalten Strömung nicht die Rede ist; wirft man aber einen Blick auf die Tempe- 
vaturzunahme nach Norden in den betreffenden Monaten, so wird sofort die Wirkung 
der kalten Wassermassen klar, und gerade in einer Erniedrigung der Temperatur- 
zunahme hat man ja das untrüglichste Zeichen einer vorhandenen kalten 
Strömung. . 
Die tatsächlichen Temperaturverhältnisse der Südäquatorial-Strömung ent- 
sprechen nicht einer Temperaturperiode, wie man sie unter dem alleinigen 
Einfluß des wechselnden Sonnenstandes erwarten mußte, Das Maximum des 
Oktober und das Minimum des Februar ist unterdrückt; allein seinen Platz be- 
halten hat das Maximum des April, während das Minimum des August schwankt. 
Diese Verrückung und teilweise Unterdrückung der Temperaturextreme 
ist die Folge davon, daß der jährliche Temperaturgang nicht mehr von 
der Sonne geregelt wird, sondern hauptsächlich durch die Windbewe- 
gung, Die Südäquatorial-Strömung steht unter dem unmittelbaren Einfluß des 
Südostpassates, dessen Stärke einer deutlichen jährlichen Schwankung unter- 
worfen ist, mit einem Maximum im September und einem Minimum im Mai. 
Es wird eine Beschleunigung der Luftbewegung auch eine Beschleunigung der 
Strömung zur Folge haben, dieser aber entspricht eine vermehrte Zufuhr kalter 
Wassermassen nach Norden, die temperaturerniedrigend wirken. 
In der folgenden Tabelle sind Windbewegung und Temperaturgang neben- 
einander gestellt; man bemerkt deutlich, daß einem Maximum der Wind- 
geschwindigkeit ein Minimum der Temperatur und einem Minimum der Wind- 
geschwindigkeit ein Maximum der Temperatur entspricht oder nahe liegt.
	        
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