Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 483
und sehr erheblich zu fallen und zeitweilig sogar in eine Temperaturabnahme
nach Norden überzugehen. Dieses verschiedene Verhalten der einzelnen Teile
der Schiffswege kann nur durch den verschiedenen Einfluß der Benguela-Strömung
erklärt werden. Während bis 12° O neben der kalten Strömung auch kaltes
Auftriebwasser vor der Küste die geringe Temperaturzunahme veranlaßt haben
kann, müssen wir von 12° O an dieselbe ganz dem Einfluß der. Strömung zu-
schreiben, da hier keine anderen Ursachen in Frage kommen können. Innerhalb
der Längengrade 5° und 15° O stehen die Schiffsrouten wohl am intensivsten
unter der Wirkung der kalten Wassermassen, Von da an‘ westwärts entfernen
sie sich immer mehr aus ihrem Bereich; die normale Temperaturzunahme, wie
sie allein durch die stärkere Erwärmung der niederen Breiten gegeben ist, kann
sich ungestörter entwickeln, Bei 10° W auf dem deutschen Seglerweg, bei 2° W
auf dem englischen Dampferweg erreicht die Temperaturzunahme ihr Maximum,
dann plötzlich sinkt sie wieder; zeitweilig kann sogar eine Temperaturabnahme
nach Norden konstatiert werden. Es müssen die Schiffslinien, die sich schon
fast ganz aus dem Bereich der kalten Wassermassen entfernt hatten, an diesen
Punkten wieder auf eine kalte Strömung gestoßen sein; und diese kann nur die
südlich vom Äquator nach Westen umgebogene Benguela-Strömung sein, die sich
mit der Südäquatorialtrift vereinigt hat und die Schiffslinien gerade bei ihrem
Ausgang aus dem untersuchten Meeresteil trifft.
Die Begrenzung unserer Strömung innerhalb des der Untersuchung zu-
grunde liegenden Gebietes ist also noch einmal kurz folgende: In 40° bis 45° 8
zweigt sich die Benguela-Strömung von der Westwindtrift ab und drängt sich in
einem ziemlich engen Streifen zwischen 5° und 15° O nach Norden, breitet sich
dann fächerförmig aus in annähernd 30° 8, behält aber ihre größte Intensität
immer noch zwischen 5° und 15° O0. Südlich vom Äquator, zwischen 5° S und 0°
biegt sie um und wendet sich nach Westen; sie wird dann zur Südäquatorial-
trift und fügt sich so als Glied in den Stromring des Südatlantischen Ozeans ein.
Auf dem südlichen Schiffsweg ist es ein Streifen zwischen 5° und 15° O,
auf den beiden nördlichen Routen sind es die zwischen 12° O und 5° O0 gelegenen
Strecken, die den Einfluß der Strömung am deutlichsten zeigen müssen, und die
wir als maßgebend für den südlichen und nördlichen Teil der Strömung be-
trachten können.
[. Teil.
Periodische Temperaturschwankungen,
1. Jahresperiodische Temperaturschwankungen,
Unter der Wirkung der Sonne bewegt sich die Temperatur der Meeresober-
fläche im Laufe eines Jahres außerhalb der Tropen von einem Maximum zu einem
Minimum, um dann wieder bis zu einem Maximum zuzunehmen. Diese periodische
Bewegung zeigt jedoch eine Verspätung gegen den jeweiligen Stand der Sonne,
die durchschnittlich 1 bis 2 Monate beträgt. ;
Auf der südlichen Halbkugel ist für die höheren Breiten und die Gegend
um den Wendekreis der Dezember derjenige Monat, der die meiste, und der
Juni derjenige, der die geringste Wärmemenge von der Sonne im Laufe des
Jahres empfängt, am Äquator ergeben sich, entsprechend den zwei Maxima und
Minima des Sonnenstandes, ebenso zwei Monate mit größter und zwei Monate
mit geringster Sonnenintensität. Folgte die Temperatur der Meeresoberfläche
allein der wechselnden Intensität der Sonnenstrahlen, und würde ihre Wirkung
durch keine anderen Faktoren beeinträchtigt oder verändert, so müßten im
ganzen südlichen Atlantischen Ozean bis über den Wendekreis hinaus der Februar
der wärmste, der August der kälteste Monat sein; dagegen müßten sich am
Äquator zwei Maxima in den beiden Monaten nach den ÄAquinoktien, zwei Minima
nach den Sonnenwenden ergeben. Im folgenden soll an der Hand der Normal-
werte der jährliche Temperaturgang im Südatlantischen Ozean in dieser Be-
ziehung untersucht werden,