Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 477
Winde, auf die kleinere Dampfer auch Rücksicht nehmen müssen, zu den Selten-
heiten gehören. . Mit ganz anderen Verhältnissen haben die Schiffe auf dem süd-
lichen Seglerweg zu rechnen, der teils in das Gebiet der Mallungen zwischen den
Passaten. und Westwinden, teils in letztere selbst fällt. Die Segelhandbücher
schreiben den nach dem Osten fahrenden Schiffen vor, ihren Kurs .so lange
südlich zu nehmen, bis sie die »braven« Westwinde erreichen und dann erst
nach Osten zu fahren. Nun ist aber die nördliche Grenze der Westwinde steten
Änderungen unterworfen, denen natürlich auch die jeweilige Lage der Schiffs-
route folgen muß; auf diese Weise schwankt die Grenze der Westwinde und
demgemäß auch der eingehaltene Schiffsweg zwischen dem 30, und 40. Grad
südlicher Breite,
3. Zusammenfassung des Materials,
Als Material zur Darstellung der Wärmeverhältnisse, die während der
Jahre 1891 bis 1898 die drei Schiffswege beherrschten, kamen die von Schiffen
der deutschen und englischen Handelsmarine in dieser Zeit gesammelten Beob-
achtungen der Temperatur der Meeresoberfläche in Betracht. Zur übersichtlichen
Darstellung des gewonnenen Beobachtungsmaterials war eine Zusammenfassung
nach Zeit und Raum geboten.
Die Einzelbeobachtungen wurden monatweise geordnet; teilweise be-
schränkt sich die Darstellung auf die Terminmonate: Februar, Mai, August, No-
vember, in einigen Fällen wurden aber auch alle Monate herangezogen. Die
Verteilung der an der Beobachtung beteiligten Schiffe auf die Monate und Routen
ist natürlich Schwankungen unterworfen, so daß in dem einen Monat eine Häufung
von Beobachtungen eintritt, in dem andern hingegen ein Fehlen von Beob-
achtungen zu bemerken ist. Der Grund hierfür ist einesteils in der Frequenz
der Schiffsrouten, anderseits aber auch in den wechselnden Windverhältnissen
zu suchen, indem die Schiffsrouten in Monaten mit günstiger Windrichtung zu-
ungunsten der übrigen bevorzugt erscheinen.
Räumlich wurden die Einzelbeobachtungen zu Eingradfeldern zusammen-
gefaßt, aus ihnen das Mittel genommen und dieses als für die Mitte des Eingrad-
feldes geltend erachtet, Wegen der vorhin erwähnten Ungleichmäßigkeit der
Verteilung der beobachtenden Schiffe auf die einzelnen Monate erwies sich die
jedesmalige Anzahl der für ein Eingradfeld in Betracht kommenden Einzelbeob-
achtungen als sehr schwankend. Man kann im allgemeinen bei der doch ver-
hältnismäßig rohen Art und Weise der Gewinnung von Wassertemperaturen
keineswegs aus Beobachtungen, die nur von einem Schiff vorliegen. und die
gerade eine Abweichung‘ von den normalen Verhältnissen zeigen, mit Sicherheit
auf einen tatsächlich anormal verlaufenden Gang der Temperatur schließen, viel-
mehr müssen die Beobachtungen von mindestens zwei bis drei Schiffen vorhanden
sein, um einen genügend belegten und einigermaßen verläßlichen mittleren Wert
zu ergeben.
Die oben erörterte Verschiedenheit der beiden nördlichen und des südlichen
Seeweges trägt auch hier dazu bei, den Grad der Sicherheit der einzelnen Ein-
gradfeldermittel auf der nördlichen und der südlichen. Route in verschiedener
Weise zu gestalten. Auf den beiden nördlichen Schiffslinien genügen die Beob-
achtungen von zwei Schiffen zur ziemlich sicheren Feststellung der in einem Monat
herrschenden Temperaturverhältnisse, und zwar aus folgenden Gründen: einmal,
weil sich die Beobachtungsreihen aller Schiffe immer auf ein und derselben Linie
zusammendrängen, dann auch, weil der Südostpassat auf diesen Breiten mit einer
Stärke von drei bis vier. Beaufortgraden weht, mithin bei dem Durchschneiden
eines Eingradfeldes von jedem Schiff drei bis vier Einzelbeobachtungen gemacht
werden können; wir erhalten dann bei zwei beobachtenden Schiffen für jedes
Eingradfeld sieben bis acht Einzelbeobachtungen, die im Mittel schon einen ziemlich
verläßlichen Wert darstellen. Doch tritt, genau genommen, auf dem englischen
Dampferweg das zweite‘ Moment etwas zurück, da bei Dampfern die Fahr-
geschwindigkeit eine größere ist als bei Segelschiffen, so daß hier durchschnittlich
nur 1 bis 2 Beobachtungen für ein Eingradfeld gemacht werden können.