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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1910.
durch den Äquator, im Süden durch den 45, Grad südlicher Breite, im Westen
und Osten durch den 20. Grad westlicher und östlicher Länge.)
In betreff des Zeitraumes, auf den sich die Untersuchung erstrecken sollte,
mußte vor allen Dingen darauf geachtet werden, daß er nicht zu klein genommen
wurde, damit die Aufeinanderfolge verschiedener, längere Zeitabschnitte um-
fassender Witterungsverhältnisse klar zum Ausdruck kam, dann aber auch darauf,
daß etwaige besondere Erscheinungen berücksichtigt und in ihrem Verhalten
zum allgemeinen Temperaturverlauf untersucht werden konnten, insbesondere das
Auftreten von Eistriften im Südatlantischen Ozean, die in die Westwindtrift ge-
langten und demgemäß ihren Einfluß auch bis in die Benguela-Strömung wirken
lassen konnten, Die Entscheidung fiel auf die Jahre 1891 bis 1898, weil inner-
halb dieses Zeitraumes wohl die größten Eistriften stattfanden, die in den letzten
50 Jahren den südlichen Atlantischen Ozean heimsuchten.
2, Das Beobachtungsmaterial,
Im Gegensatz zum festen Lande, wo die Beobachtungsstationen mehr oder
minder regelmäßig über die ganze zu betrachtende Fläche verteilt sind, muß
sich auf den Ozeanen die Untersuchung auf Schnitte beschränken, die gegeben
sind durch die jene Meere durchkreuzenden Schiffslinien;”) für die dazwischen-
liegenden Flächen muß dann interpoliert werden, Für den östlichen Teil des
Südatlantischen Ozeans kommen drei Schiffsrouten in Betracht.)
a) Der Weg der von Europa nach dem Osten fahrenden deutschen
Segelschiffe; es ist dieser Schiffsweg näher bestimmt durch die Verbindungs-
linie der Punkte: 30° 58S, 20° W und 35° 8, 20° O im Norden, durch die der Punkte:
40°5S, 20° W und 45°8S, 20°0O im Süden.
b) Der Weg der vom Osten und von Kapstadt nach Europa segelnden
deutschen Schiffe, bezeichnet durch die Verbindungslinie der Punkte: Süd-
spitze Afrikas-— St. Helena — Ascension,
c) Der Weg der von England nach Kapstadt und zurück fahrenden
englischen Dampfer, näher bestimmt durch folgende Schnittpunkte:
OT Sr A 95129 140 | 6? 18° 10° 112? 14° 16° 18° JO-Lg.
S-Br. | 0° 2° 4.79 7.4° 10.47 18.5° 16.1*, 18.2° 19.9° 22,8% 25.29 26.7° 30.3° 31.9? 34.4°[S-Br.
Von vornherein muß auf einen grundlegenden Unterschied hingewiesen
werden, der zwischen der südlichen (W—0O gerichteten) Route einerseits und den
beiden nördlichen (SO—NW gerichteten) Routen anderseits besteht, und der so-
wohl eine verschiedene Art der Behandlung der Schiffslinien bei der Zusammen-
Fassung der Beobachtungen, als auch eine verschiedene Darstellung der Temperatur-
verhältnisse selbst bedingt. Während die beiden nördlichen Schiffswege sich auf
einer fast immer gleichbleibenden Linie halten, ihre Abweichung vom mittleren
Schiffsweg nach beiden Seiten nur sehr gering ist, verteilt sich der südliche Weg
auf eine verhältnismäßig große Meeresfläche; er schwankt innerhalb eines Raumes
von zehn Breitengraden, In letzter Linie ist dieses ungleiche Verhalten der
Schiffsrouten auf die Verschiedenartigkeit der Windverhältnisse in den Meeres-
gegenden zurückzuführen, die jene Schiffslinien durchkreuzen. Auf der Linie
Afrika—8St. Helena— Ascension weht der Südostpassat fast das ganze Jahr hin-
durch mit einer verhältnismäßig wenig wechselnden Stärke von 3 bis 4 Beaufort-
graden. Dieselben Windverhältnisse herrschen auf dem englischen Dampferweg;
hier kommt noch hinzu, daß diese Schiffe infolge der Dampfkraft im allgemeinen
überhaupt nicht an die Winde gebunden sind, und daß in jenen Breiten stürmische
) Siche Figur 1, S. 481,
?} Siehe Meinardus: Über die Methoden der Verarbeitung meteorologischer Beobachtungen
zur See, »Zeitschrift der Gesellsch. f, Erdkunde zu Berlin«, 1894, Bd. XXIX.
3) Siehe Figur 1, 8. 481. Der Einfachheit halber sollen die Schiffswege durch folgende Ab-
kürzungen bezeichnet werden: Europa—OÖsten: EU; Osten—KEuropa: OE:; England—Kupstadt: EK.