Die Eisverhältnisse des Winters 1909/10 in den außerdeutschen Gewässern’ der‘ Ostsee usw. 473
Als am 4. Dezember eine tiefe Depression mit stürmischen Winden nach
Skandinavien zog, setzte im ganzen OÖstseegebiet Tauwetter ein; die gesamte
finnische und schwedische Küste des Nordbottens bekam mehrere Grad Wärme.
Die milde Witterung blieb bei eyklonaler Wetterlage bis zum 11. Dezember
bestehen,
Am 12, aber stellte sich wieder Frost im nördlichen Östseegebiet ein, als
ein Hochdruckgebiet über Nordosteuropa erschien. Aber der Frost war nicht
sehr intensiv und verschwand schon am 15, ganz, als das genannte Hochdruck-
gebiet sich südwärts verlagerte und Depressionen über Nordeuropa hinzogen.
Diese Erwärmung hielt bis zum 19. an, wo mit östlichen Winden im Nord-
botten wieder Frost eintrat, der nun bis Ende des Monats anhielt.
Am 1. Januar erschien eine umfangreiche Depression, die am 2, den ganzen
Norden bedeckte und überall Tauwetter herbeiführte, Die milde Witterung hielt
mit ganz geringfügigen Unterbrechungen bis zum 11. Januar an,
Am 12. erhielt der Nordbotten Frost von mäßiger Stärke, der mit kurzen
Unterbrechungen bis zum 11. Februar bestehen blieb und auch für kürzere
Zeit im westlichen Teil des Ostseegebiets: erschien.
Darauf führten Depressionen wieder mildes Wetter ein, das bis zum
25. Februar anhielt. Bis zum 4, März hielt sich nur im nördlichsten Teile des
Nordbottens etwas Frost, der erst am 5, als ein Hochdruckgebiet über dem
Ostseegebiet erschien, zunahm. Er hielt aber nur bis zur Annäherung der
nächsten ozeanischen Depression an, die am 10. von neuem Tauwetter brachte.
Am 13. führten nordöstliche Winde im nördlichen Teil des Nordbottens
leichten Frost herbei, der dort bis zum 14, April bestehen blieb. Am 17, ver-
schwand der Frost: die Fünferad-Isotherme zog sich durch Nordskandinavien.
NH. Die Eisverhältnisse in den dänischen Gewässern.
Wie in den vorigen Jahren, so fanden auch in diesem Jahre wieder die
Eisverhältnisse in den dänischen Gewässern seitens des dänischen Meteorologischen
Instituts eine Bearbeitung, die unter dem Titel: Isforholdene i de danske Far-
vande i Vinteren 1909 bis 1910 vorliegt und der hier die folgenden Angaben
entnommen sind:
Die Temperaturverhältnisse während des letzten Winters werden von den
Stationen Fanö, Skagen, Randers, Samsö, Bogö, Kopenhagen und Hammenshus
mitgeteilt. Es ergab sich, daß nur der November »zu kalt« war; in allen übrigen
Wintermonaten lagen die Mitteltemperaturen über der normalen, so daß der
Winter 1909/10 im großen und ganzen als »zu warm« bezeichnet werden muß,
Was die einzelnen Frostperioden betrifft, so stellte sich die erste am 13. November
ein und reichte bis zum 25. desselben Monats. Teilweise fielen dabei größere
Schneemassen nieder, Die mittlere Temperatur dieser Periode betrug — 1.2°
und war 41/,° unter der Normalen, . Die tiefste während dieser Zeit auf den
Leuchtschiffen ermittelte Temperatur betrug — 83.7° (Lappegrund-Feuerschiff).
Die Mitteltemperatur des ganzen Monats zu Kopenhagen betrug 2.9° und lag
1.5° unter der normalen. Ungewöhnlich häufig waren die nördlichen Winde,
Im Dezember, wo die mittlere Temperatur in Kopenhagen 1.5° über der Nor-
male lag, stellten sich mehrere kurze Frostperioden ein, nämlich am 9,
ferner vom 15. bis 16, vom 19. bis 22. und vom 30. bis 31. Als tiefste
Temperatur wurde — 28° (auf Laesö-Trindel-Feuerschiff) festgestellt. Die vor-
herrschende Windrichtung während des: Dezember war die südliche bis südwest-
liche; Im Januar lag die Mitteltemperatur noch höher; sie hatte von der Normale
eine positive Abweichung.-von 1.8° (Kopenhagen). Die einzige Frostperiode dieses
Monats reichte vom 21. bis 28. und ‚die tiefste (wieder auf dem Feuerschiff
Laesö-Trindel gemessene) Temperatur betrug —6.9°%° Die südwestlichen und
westlichen Winde waren die vorherrschenden. Im Februar stellten sich mehrere
Frostperioden ein; die erste reichte vom 2. bis 4, die zweite vom 8, bis 11. und
die dritte vom 13. bis 15. Die mittlere Monatstemperatur zu Kopenhagen (2.1°)
lag um 2.2° über der Normale, und die tiefste Monatstemperatur (auf Lappe-
Ann. €. Hydr. usw. 1910. Heft IX.