Die Eisverhältnisse des Winters 1909/10 in den außerdeutschen Gewässern der Ostsee usw. 467
Die Eisverhältnisse des Winters 1909/10 in den außerdeutschen
Gewässern der Ostsee sowie an der holländischen Küste.
I. Die Eisverhältnisse in den russischen und schwedischen Gewässern.
Die im folgenden gegebene Übersicht über die Eisverhältnisse während
des letzten Winters schließt sich den Veröffentlichungen über den gleichen Gegen-
stand in den vorangegangenen Jahren in dieser Zeitschrift an, wobei wesentliche
Änderungen in der Behandlung des Stoffes nicht vorgenommen wurden, um so
eine mühelose Vergleichung mit den Ergebnissen in den früheren Wintern zu
ermöglichen. Die von den einzelnen Instituten übersandten tabellarischen Zu-
sammenstellungen wurden wieder ganz oder auszugsweise beigefügt, um so einen
schnellen Überblick über die Eis- und Schiffahrtsverhältnisse in den betreffenden
Gewässern zu geben. Bei deren Besprechung wurden auch Zeitungsmeldungen
herangezogen, um ein anschaulicheres Bild zu gewinnen. Ü
A. Schluß der Schiffahrt.
1. Nordbotten. Bei der Beschreibung der Eisverhältnisse an der deutschen
Küste während des letzten Winters (s. diese. Zeitschrift, Heft VII, S. 329) wurde
gezeigt, wie außerordentlich günstig sich die Eisbesetzung wegen des sehr milden
Winters gestaltete. Dies läßt sich auch von den übrigen Gewässern sagen. Im
Nordbotten gingen die Häfen zwar nahezu ebenso früh zu wie im vorigen Winter;
aber mit dem Aufhören der ersten kurzen Frostperiode löste sich vielfach das
Eis und verschwand teilweise, so daß verhältnismäßig lange Zeit in den Winter
hinein die Schiffahrt möglich blieb. Was zunächst die Eisverhältnisse auf der
schwedischen Seite des nördlichen Nordbottens betrifft, so wurden bald nach
Einsetzen des Frostes die Häfen von Salmis, Räneä (im hohen Norden) und der
etwas südlicheren von Skelleftea in den Tagen vom 23. bis 4. November für die
Schiffahrt geschlossen. Luleä, Piteäa, Ratan, Umeä und Holmsund meldeten das
Zufrieren des Hafens zwischen dem 9. und 14. November, Die Eisverhältnisse
besserten sich jedoch, so daß wenigstens der Dampferverkehr teilweise wieder
aufgenommen werden konnte, Ein Eisbericht vom 19, November besagt, daß die
See außerhalb Seskarön (bei Salmis) eisfrei und daß in Salmis selbst sowie im
Suntarifjord die Schiffahrt mit Hilfe von Eisbrechern möglich sei. Aus Umeä
kam am 18. November die Nachricht, daß die Schiffahrt geschlossen sei, während
in den weiter südlich gelegenen Häfen von Hernösand und Sundsvall die
Dampferfahrt bis Ende Dezember möglich blieb; am 29. verließ der Dampfer
»Valkyrien« als letzter Hernösand und der Dampfer »Artemis« am gleichen Tage
Sundsvall, womit an beiden Orten die Schiffahrt geschlossen wurde.
Ganz ähnlich lagen die Verhältnisse auf der finnischen Seite des Nord-
bottens: Während im Winter 1908/09 beispielsweise in Wasa die Schiffahrt am
7. November geschlossen wurde, blieb sie in diesem Jahre bis zum 24. möglich,
und noch am 10. Dezember kam die Nachricht, daß nun keine Dampfer
mehr erwartet würden und der Eisbrecher »Murtaja« deshalb nach dem süd-
licheren Hafen Raumö aufbrechen werde, wo man noch etwa 14 Tage länger
mit der Möglichkeit rechne, den Hafen offen zu halten. Der im hohen Norden
gelegene Hafen Kemi ging am 12. November zu (im vorigen Winter schon am 5.).
Im südlichen Teile des Nordbottens stellten sich die Eisverhältnisse noch
weit günstiger. Nach dem amtlichen Bericht lief in den schon erwähnten Hafen
von Raumö noch am 1, Januar ein Schiff ein und in Mäntyluoto am 29. Dezember
(dem gleichen Tage, an welchem die Schiffahrt in den gegenüberliegenden Häfen
Hernösand und Sundsvall an der schwedischen Küste geschlossen wurde). Im
schwedischen Hafen Gefle lief noch am 5. Januar ein Schiff aus, nämlich der
Dampfer »Drott«; das letzte Schiff lief am 8. ein, womit die Schiffahrt ge-
schlossen wurde.