156 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1910,
Stat.
Windrichtung, Zahl der Beobachtungen (je 3 am Tage)
Mittl. Wind-
stärke (Beaufort)
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Bei einem besonders im Westen zu tiefen mittleren Barometerstand war
das Wetter im Monat Juni an der deutschen Küste im Durchschnitt ziemlich
warm und regenreich, Die registrierten Windgeschwindigkeiten weichen im Mittel
nicht erheblich von den langjährigen Mittelwerten ab, und stürmiseche Winde
stellten sich sehr selten ein; sie traten nur an vereinzelten Stellen des Küsten-
gebietes, in etwas größerer Verbreitung nur am 29,, auf, wo sie aus westlichen
bis nordwestlichen Richtungen wehten, Im übrigen gehörten die Winde des
Monats vorherrschend dem Nordost- und dem Südwestquadranten an. Gewitter
stellten sich sehr häufig ein; auch heitere Tage waren zahlreich, namentlich in
den beiden ersten Dekaden, Nebel trat nur sehr selten und an vereinzelten
Stellen auf,
Bis zum 5. des Monats befand sich das deutsche Küstengebiet im Bereich
von barometrischen Depressionen, so daß an diesen Tagen vorwiegend trübes
und regnerisches Wetter herrschte, Täglich, namentlich aber am 4. und 5,
traten Gewitter auf, Am 5. erschien ein Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa,
das schon am 6, für die deutsche Küste Bedeutung gewann; es breitete sich zu-
nächst ostwärts aus und wanderte am 8. Juni unter Ausbreitung nach Süden mit
seinem Kern ostwärts; am 10. lag sein Maximum über Nordrußland, wo es sich
bis zum 14, in nahezu gleicher Höhe und Lage erhielt und für die Witterung
an der deutschen Küste bestimmend blieb. Die Winde wehten vorwiegend aus
östlichen Richtungen, und namentlich im Osten herrschte andauernd heiteres
und trockenes Wetter; im Westen dagegen, wo flache Depressionen lagen, traten
vielfach Trübung, Gewitter und stellenweise Niederschläge ein. Die Temperaturen
stiegen überall ziemlich hoch an,
Am 15, trat eine Anderung in der Wetterlage ein; das russische Hoch-
druckgebiet nahm an Höhe ab und entwich ostwärts, wogegen vom Westen her
ein neues Hochdruckgebiet heranrückte. Dieses beherrschte die Witterung des
deutschen Küstengebietes bis zum 21. An diesem Tage zerfiel cs in zwei Teile;
es bedeckte den größten Teil Europas, ein Kern lag über dem Norwegischen
Meere, ein zweiter über dem zentralen Kontinent. Naturgemäß sanken die
Temperaturen sofort tiefer, als die Winde bei der Annäherung des neuen Hoch-
druckgebietes am 15. von den östlichen zu nördlichen Richtungen übergingen,
Das Wetter blieb bis zum 21., wo das Hochdruckgebiet abzog, ruhig, vielfach
heiter und trocken. Am 19. und 20. wehten die Winde mit Stärke 7 und 8 im
äußersten Osten, als eine kleine Teildepression über diese Gegend hinzog.
Eine durchgreifendere Anderung erfuhr die Witterung an der deutschen
Küste am 22, wo das Hochdruckgebiet durch eine von den Britischen Inseln
heranschreitende Depression ostwärts gedrängt wurde. Hiermit wurde eine bis
zum Schluß des Monats andauernde Regenperiode mit verhältnismäßig tiefen
Temperaturen eingeleitet. Über Südwesteuropa blieb ein Hochdruckgebiet be-
stehen, so daß sich die typische ozeanische Wetterlage entwickelte. Von größerem
Interesse ist nur noch der 29, wo sich die Depression etwas vertiefte und die
Winde stellenweise stark auffrischten, so daß sie die Stärke 7 und 8 erreichten.
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