Kleinere :Mitteilungen,
449
Kleinere Mitteilungen.
1. Ein Nach- und Schlußwort zur Diskussion über die Theorie der
Entstehung der Tiden. Der neuerdings!) wiederholten Kritik v. Schapers bin
ich insofern dankbar, als ich ihr .eine neue Einsicht verdanke. . v. Schäper hat
recht darin, daß auch bei einer geradlinig-beschleunigten Bewegung Tiden von
der Art unserer Tiden entstehen. Darum sind auch die Störungsformeln für die
elliptische Bahn®) unrichtig; es müßte ja nach dem vorhergehenden Satze noch
eine der. Tangentiabeschleunigung entgegengesetzt gleiche Beschleunigung an dem
ruhenden System angebracht werden, und .das ergibt gerade die Newtonschen
Werte, Ich war durch den zu engen Begriff der Zentrifugalkraft, wie ihn die
Mechanik bisher aufstellte,” irregeführt worden. Von einer Zentrifugalkraft
kann man bei jeder beliebigen beschleunigten Bewegung sprechen; die Tiden-
störungskräfte haben in sämtlichen Fällen dieselbe Form; Daß man aber überhaupt
von einer Zentrifugalkraft bei dem relativen Problem reden darf (nicht reden
muß), daß man also mit der Gravitation allein nicht‘ auskommt, zeigt. die
eigene Ableitung v. Schapers sehr deutlich; denn er hat unbedingt noch eine
Geschwindigkeit nötig (mehr sollten. auch meine »Zerlegungen«?) nicht besagen;
ich wollte nicht, wie v. Schaper. meint, einen Vektor in Komponenten zerlegen,
was übrigens auch möglich gewesen wäre, wenn man beachtet, daß eine Be-
schleunigung in der Zeiteinheit eine Geschwindigkeit ist). Da nun der Begriff
der Zentrifugalkraft mathematisch-dynamisch genau definiert ist‘) — nur muß
er in der angedeuteten Weise erweitert werden —, so darf man ihn praktisch
gebrauchen. v. Schapers Methode der Relativbeschleunigung als Differenz der
Absolutbeschleunigungen ist weiter. nichts als eine Methode, die, wie die Kirch-
hoffsche, aber bequemer als sie, erst zum Begriff der Zentrifugalkraft hinführt;
denn seine endgültige Störungsformel®) läßt sich genau so interpretieren wie die
Kirchhoffsche Formel, und das Wort »Kraft« bedeutet, wie immer in der
Dynamik, nur ein Mittel zur Vereinfachung der Ausdrucksweise, Ich denke, wir
tun also doch dasselbe, wenn es auch jeder von uns anders ausdrückt.
N Aloys Müller.
2. Uber eine eigenartige Ansammlung der Segelqualle, Velella spirans
Forsk, die den Seeleuten unter dem Namen »Bei dem winder« bekannt ist, be-
richtet Kapt. A. Hoppe vom D. »Kiel« ungefähr folgendes:
»Auf der Reise von England nach Australien trafen wir am 19. März 1909
auf 10° N-Br. und 16.5 W-Lg. bei leichtem, nördlichem Winde in einem 600 bis
1000 m breiten Streifen stillen Wassers eine Unmenge „Bei dem winder‘“. die
nicht vereinzelt, sondern zu Massen vereinigt trieben. Stets waren 10 bis 20
dieser Organismen eng zusammengeschmiegt. In einem Umkreise von 50 m
sahen. wir vielleicht 20 bis 30 solcher Stellen auf dem Wasser,. während im
übrigen. Teile des Streifens, so weit man: sehen konnte, die Tiere in großer
Anzahl, aber‘ vereinzelt schwammen; außerhalb dieses Gürtels von ruhigem
Wasser wurden keine Quallen bemerkt.« Wdg,
Neuere Veröffentlichungen.-
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben. i
Meereskunde, Sammlung volkstümlicher Vorträge zum Verständnis der nationalen
Bedeutung von Meer und -Seewesen. Jährlich 12 Hefte, 4. Jahrg. Heft 2—7,
Berlin 1910. E, S. Mittler & Sohn. Heft / 0.50,
Dr. Paul Dinse, Der Seeraub,
Dr. Fr. Schulze, Lübeck. ;
Prof, Dr. A, Eulenburg, Die Heilkräfte des Meeres,
Dr, K. Wenke, Gefiederte Bewohner des Meeres I,
R. Wittmer, Kriegschiffsbesatzungen, .
Dr. Walther Vogel, Eine Wanderung durch altniederländische Seestädte,
1 »Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S, 283f. 2) Ebenda 8. 275ff. 3) Ebenda S, 280f, *) Vgl. Kirch.
hoff, Vorles, über Mechanik, 4. Aufl. 1597, S. S6ff; 5.»Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S; 281.