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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Kleinere :Mitteilungen, 
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Kleinere Mitteilungen. 
1. Ein Nach- und Schlußwort zur Diskussion über die Theorie der 
Entstehung der Tiden. Der neuerdings!) wiederholten Kritik v. Schapers bin 
ich insofern dankbar, als ich ihr .eine neue Einsicht verdanke. . v. Schäper hat 
recht darin, daß auch bei einer geradlinig-beschleunigten Bewegung Tiden von 
der Art unserer Tiden entstehen. Darum sind auch die Störungsformeln für die 
elliptische Bahn®) unrichtig; es müßte ja nach dem vorhergehenden Satze noch 
eine der. Tangentiabeschleunigung entgegengesetzt gleiche Beschleunigung an dem 
ruhenden System angebracht werden, und .das ergibt gerade die Newtonschen 
Werte, Ich war durch den zu engen Begriff der Zentrifugalkraft, wie ihn die 
Mechanik bisher aufstellte,” irregeführt worden. Von einer Zentrifugalkraft 
kann man bei jeder beliebigen beschleunigten Bewegung sprechen; die Tiden- 
störungskräfte haben in sämtlichen Fällen dieselbe Form; Daß man aber überhaupt 
von einer Zentrifugalkraft bei dem relativen Problem reden darf (nicht reden 
muß), daß man also mit der Gravitation allein nicht‘ auskommt, zeigt. die 
eigene Ableitung v. Schapers sehr deutlich; denn er hat unbedingt noch eine 
Geschwindigkeit nötig (mehr sollten. auch meine »Zerlegungen«?) nicht besagen; 
ich wollte nicht, wie v. Schaper. meint, einen Vektor in Komponenten zerlegen, 
was übrigens auch möglich gewesen wäre, wenn man beachtet, daß eine Be- 
schleunigung in der Zeiteinheit eine Geschwindigkeit ist). Da nun der Begriff 
der Zentrifugalkraft mathematisch-dynamisch genau definiert ist‘) — nur muß 
er in der angedeuteten Weise erweitert werden —, so darf man ihn praktisch 
gebrauchen. v. Schapers Methode der Relativbeschleunigung als Differenz der 
Absolutbeschleunigungen ist weiter. nichts als eine Methode, die, wie die Kirch- 
hoffsche, aber bequemer als sie, erst zum Begriff der Zentrifugalkraft hinführt; 
denn seine endgültige Störungsformel®) läßt sich genau so interpretieren wie die 
Kirchhoffsche Formel, und das Wort »Kraft« bedeutet, wie immer in der 
Dynamik, nur ein Mittel zur Vereinfachung der Ausdrucksweise, Ich denke, wir 
tun also doch dasselbe, wenn es auch jeder von uns anders ausdrückt. 
N Aloys Müller. 
2. Uber eine eigenartige Ansammlung der Segelqualle, Velella spirans 
Forsk, die den Seeleuten unter dem Namen »Bei dem winder« bekannt ist, be- 
richtet Kapt. A. Hoppe vom D. »Kiel« ungefähr folgendes: 
»Auf der Reise von England nach Australien trafen wir am 19. März 1909 
auf 10° N-Br. und 16.5 W-Lg. bei leichtem, nördlichem Winde in einem 600 bis 
1000 m breiten Streifen stillen Wassers eine Unmenge „Bei dem winder‘“. die 
nicht vereinzelt, sondern zu Massen vereinigt trieben. Stets waren 10 bis 20 
dieser Organismen eng zusammengeschmiegt. In einem Umkreise von 50 m 
sahen. wir vielleicht 20 bis 30 solcher Stellen auf dem Wasser,. während im 
übrigen. Teile des Streifens, so weit man: sehen konnte, die Tiere in großer 
Anzahl, aber‘ vereinzelt schwammen; außerhalb dieses Gürtels von ruhigem 
Wasser wurden keine Quallen bemerkt.« Wdg, 
Neuere Veröffentlichungen.- 
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben. i 
Meereskunde, Sammlung volkstümlicher Vorträge zum Verständnis der nationalen 
Bedeutung von Meer und -Seewesen. Jährlich 12 Hefte, 4. Jahrg. Heft 2—7, 
Berlin 1910. E, S. Mittler & Sohn. Heft / 0.50, 
Dr. Paul Dinse, Der Seeraub, 
Dr. Fr. Schulze, Lübeck. ; 
Prof, Dr. A, Eulenburg, Die Heilkräfte des Meeres, 
Dr, K. Wenke, Gefiederte Bewohner des Meeres I, 
R. Wittmer, Kriegschiffsbesatzungen, . 
Dr. Walther Vogel, Eine Wanderung durch altniederländische Seestädte, 
1 »Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S, 283f. 2) Ebenda 8. 275ff. 3) Ebenda S, 280f, *) Vgl. Kirch. 
hoff, Vorles, über Mechanik, 4. Aufl. 1597, S. S6ff; 5.»Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S; 281.
	        
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