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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

142 Annalen der”Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1910. 
Nachmittage; gegen Sonnenuntergang wird sie flauer und ändert ihre Richtung 
mehr nach dem Lande zu. Bei fallendem Barometer aber kann es vorkommen, 
daß der Wind am Morgen anstatt nach Süden zu drehen nach Norden herumgeht 
und aus dieser Richtung als sehr heißer und trockener Wind 1 bis 3 Tage lang 
weht. Läßt dann die Stärke dieses Windes wieder nach bis zur Flaute, so setzt 
gewöhnlich mäßiger Sturm aus W bis SW ein, der aber selten länger als 
24 Stunden anhält. Nach einer solchen Unterbrechung folgt dann wieder eine 
Reihe guter Tage mit südöstlichen Winden. Es ist auch schon beobachtet worden, 
daß dieser sommerliche südöstliche Wind zu einem starken, etwa 48 Stunden an- 
haltenden von rotem Dunst begleitenden Sturm ausgeartet ist, der dann sehr 
unregelmäßige Kreuzsee hervorruft, da die beständige südwestliche Dünung sich 
bei dem südöstlichen Winde nicht legt. Der Barometerstand ist hierbei stetig, 
wenn auch etwas niedriger, als der durchschnittliche Stand zu dieser Jahreszeit, 
und der Wind weht, solange es stürmt, beständig aus Südosten und ändert seine 
Richtung nicht nach Land und See zu, wie er bei gutem Wetter zu tun pflegt. 
Diese Stürme sind aber selten, und es vergehen oft mehrere Jahre, ehe ein 
solcher Sturm wieder auftritt. Ende April hören die südöstlichen Winde im all- 
gemeinen auf zu wehen, wenn es auch manchmal vorkommt, daß sie in Zwischen- 
räumen noch während des ganzen Monats Mai auftreten; in dieser Zeit findet 
man auch gelegentlich frische Nordostwinde, die aber nicht, wie die weiter oben 
angeführten von Winden aus westlicher Richtung abgelöst werden. Von Mitte 
Mai bis Ende Oktober herrschen westliche Winde vor. Werden diese stürmisch, 
so erzeugen sie schnell hohen Seegang und wehen eben so hart nahe an der 
Küste, wie weiter nach See zu. Das Herannahen eines solchen Sturmes wird aber 
frühzeitig genug durch das Barometer angezeigt, so daß Schiffen noch Zeit ge- 
nug bleibt, sich von der Nähe der Küste zu entfernen. Fällt nämlich in dieser 
Jahreszeit das Barometer, nachdem es schon einen Stand unter 760 mm erreicht 
hat, bei frischem und böigem nördlichen Wind sehr schnell und ziehen sich im 
Nordwesten schwere Wolken zusammen, in denen es blitzt, so kann man sicher 
damit rechnen, daß ein westlicher Sturm im Anzuge ist. Der nördliche Wind 
flaut dann gewöhnlich ab, während die Wolkenbank im Nordwesten schnell hoch- 
kommt, St, Elmsfeuer zeigt sich häufig während dieser Flaute an den Rahenocken 
und in den Mastspitzen, und der Wind dreht dann in einer heftigen Böe mit 
Regen und Blitz nach Nordwesten. Fängt das Barometer an zu steigen, so dreht 
der Wind bald nach Westen und Südwesten und das Wetter klart ab, sobald der 
Wind bis gut südlich von SW herumgegangen ist. Bleibt jedoch der niedrige 
Barometerstand bestehen, oder fällt das Barometer noch, nachdem der Sturm 
eingesetzt hat, so kann man gewärtig sein, daß der Wind für eine Woche oder 
bis zu 10 Tagen hart aus NW bis SW weht; im allgemeinen dauern jedoch diese 
Stürme nur 3 bis 4 Tage, Ein sicheres Zeichen, daß die Depression vorüber ist, 
ist außer einem Barometerstand von über 760 mm das vollständige Verschwinden 
der Wolken am westlichen Horizont. Es wird dann, nachdem ein solcher Sturm 
vorbei ist, auf kurze Zeit schönes Wetter, bis der Wind wieder nach Norden 
dreht und neues Unwetter ankündigt. Im Oktober, November und Dezember 
findet man mitunter stetiges Wetter bei überwiegenden südöstlichen Winden, 
doch treten im Oktober westliche Stürme häufig ebenso stark auf, wie in irgend 
einem der Wintermonate. Auch im November und Dezember und sogar, wenn 
auch sehr selten, in den ersten Monaten des Jahres kann man gelegentlich einen 
Sturm aus dieser Richtung bekommen, 
Das Klima von Südaustralien ist trocken und im Sommer sehr heiß. In 
Adelaide findet man im Dezember, Januar und Februar manchmal für mehrere 
Tage 43° bis 47° C. Wärme im Schatten, und es beträgt die mittlere Temperatur 
in diesen Monaten 22.0°, 23.4° und 23.4° C. Diese große Hitze wird aber bedeutend 
gemildert durch die außergewöhnliche Trockenheit der Luft in den Sommer- 
monaten. Im übrigen ist das Klima angenehm, Der Winter ist milde und regnerisch, 
seine mittlere Temperatur beträgt im Juni 12°, im Juli 10.8°%, im August 12.1° C. 
Frost tritt nur im Juni und Juli am frühen Morgen auf, Schnee fällt gelegent- 
lich auf mehr als 600 m hohem Lande, Die Häufigkeit der Regenfälle ist sehr
	        
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