Wedemeyer, A.: Die Azimutgleichen und das Pothenotsche Problem auf der Kugel. 437
(>Ann. d. Hydr. usw.« 1883, S. 225, wo auch die 5. Auflage des Rümkerschen
Handbuches zitiert wird), daß Th, Clausen (aus München) in Crelles »Journal
der reinen und angewandten Mathematik«, Bd. 7, Berlin 1831, S. 105, für das
Pothenotsche Problem eine Schlußgleichung 3. Grades gefunden habe. Statt dessen
müßte es heißen, daß Clausen eine Schlußgleichung 4. Grades, die durch eine
kubische Resolvente aufgelöst wird, gefunden hat. Er schreibt die Gleichung in
der Form:
0 = A-+Csin?25-42Deos2$+2Fsin2£,
worin A,C,D, F Funktionen von Hilfswinkeln ‚sind, Der sehr kurzen Ableitung
liegt das Formelsystem (1), S. 434, zugrunde, Wie ersichtlich, ist das Clausensche 5
identisch mit > der Gleichung (8a). Clausen empfiehlt die Methode für Beob-
achter, die nur mit einem Azimut-Theodoliten versehen sind. Ferner entwickelt
Clausen 1. ce. eine Methode, um aus der Azimutdifferenz zweier Sterne bei be-
kannter Polhöhe die Zeit zu finden. Die Auflösung führt ebenfalls zu einer
Gleichung 4. Grades der obigen Form. Die Aufgabe: Aus der Azimutdifferenz
zweier Sterne bei bekannter Zeit die Polhöhe zu bestimmen, scheint noch nicht
bearbeitet zu sein.
Berechnung der Monddistanzen ohne Jahrbuchdistanz aus der Praxis.
Von Kapt. H, Lemke.
In letzter Zeit ist viel für und wider die Monddistanzen geschrieben worden.
‚The Nautical Almanac« sowie die »Connaissance des temps« bringen sie über-
haupt nicht mehr; unser »Nautisches Jahrbuch« seit 1907 nur in verringerter
Anzahl und es dauert wohl nicht lange, dann sind die Monddistanzen auch bei
uns aus dem Jahrbuch verschwunden. Die jüngere Generation der Nautiker weiß
dann später nichts mehr von den Monddistanzen,
Auf normal verlaufenden Reisen braucht man heute auch keine Mond-
distanzen zu berechnen, denn die Güte der heutigen Chronometer übertrifft die
Genauigkeit der Monddistanzen bei weitem,
Stellen sich jedoch einmal auf einer langen Reise, was nicht zu den Selten-
heiten gehört, außergewöhnliche Ereignisse ein — die Chronometer werden zer-
stört oder bleiben stehen —, dann bleibt nur als einzige Methode zur Bestimmung
der Länge oder des Chronometerstandes die Methode der Monddistanzen.
Aus diesem Grunde sollte daher auch von maßgebender Seite gesorgt
werden, daß die Monddistanzen ohne Jahrbuchdistanzen auf den Navigations-
schulen gelehrt werden! '
In dem nachfolgenden will ich mir erlauben, eine Methode vorzuschlagen,
die ich selbst in der Praxis erprobt habe und die mir gute Resultate lieferte.
Berücksichtigt man, daß auf dem Sextanten nur Winkel bis zu 10 Sekunden
genau abgelesen werden können, wirklich geübte Beobachter eine Genauigkeit
von 40 bis 50 Sekunden in der Greenwichzeit erreichen, so kann man, ohne einen
großen Fehler zu begehen, die wahre Distanz mit fünfstelligen Logarithmen be-
rechnen. Auch kann man, da bei diesem Verfahren die Zwischenzeit stets kleiner
als 30 Minuten ist, die Berichtigung für zweite Differenz vernachlässigen, denn
der Unterschied der Proportional-Logarithmen erreicht bei drei Stunden in den
seltensten Fällen einen Wert, der das Resultat auch nur nennenswert beeinflußt.
Gang der Rechnung.
Der Gang der Rechnung ist folgender: Nachdem man die gemessene
Distanz in die wahre Mittelpunktdistanz umgerechnet hat, entnehme man dem
Jahrbuch für zwei aufeinanderfolgende volle Stunden M. G. Zt., innerhalb
welcher. die gemessene Distanz liegt, die Position des Mondes um die des anderen