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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1910. 
Der Abstand der Meridiane 2 + 1° und 2 beträgt auf 66° Breite 24.4 Sm 
— 45.1 km. Ein Fehler von !/,° im Azimut wird in der aus Deklination und 
Azimut des Gestirns zu berechnenden Länge einen Fehler von 19’ — 14 km 
hervorrufen, Für t = 110.7° wurde gefunden zT = 0.20872, also zz = 4.9093. 
Ein Fehler von !/,° im Azimut ruft in der aus Deklination, Azimut und Länge 
zu berechnenden Breite einen Fehler von 1.23° hervor. Zur Breitenbestimmung bei 
bekannter Länge ist daher eine Azimutbeobachtung unter solchen Umständen 
nicht verwendbar. Umgekehrt folgt, daß zur Kompaßkontrolle die Breite nur 
roh bekannt zu sein braucht. Je näher der Beobachtungsort dem Pole liegt, 
desto weniger Einfluß übt ein Fehler in der Breite auf das zu berechnende Zeit- 
azimut aus. Aber um so genauer muß man den Stundenwinkel kennen, denn 
ein Fehler im Stundenwinkel geht fast mit seinem vollen Betrage in das zu be- 
rechnende Azimut ein. Dies lehrt auch ein Bliek auf Tafel 37 und auf Tafel 38. 
Noch deutlicher ersieht man dies aus den Arctic azimut tables, Washington 1882. 
Auf hohen Breiten kennt man die Länge des Beobachtungsortes nur sehr un- 
genau, mithin sind auch Bestimmungen der magnetischen Mißweisung sehr un- 
zuverlässig.!) 
Die Azimutgleichen 90° > A >> 90° — 6 berühren einen Breitenparallel, Aus 
bekannter Breite und Azimut kann man in diesem Falle die Länge nicht genau 
ermitteln. 
Für einen gegebenen Höhenparallel findet man den Abstand zweier 
benachbarter Azimutgleichen aus der Differentialformel: 
__ cos gpcosh __ cos gptangt 
cos hd ct A= A 8 dA. 
Der Abstand cos h 8 q ist gleich dem Fehler im Bestimmungsorte (Schiffs- 
orte, Ballonorte), der aus einer Azimutbeobachtung bei fehlerloser Höhe des 
Gestirns abgeleitet ist. Aus der Differentialformel folgt, daß in der Nähe des 
Sechsuhrkreises ein kleiner Fehler im beobachteten Azimut einen großen Fehler 
im Bestimmungsorte hervorrufen wird; daher ist eine Ortsbestimmung aus Höhe 
und Azimut in der Nähe des Sechsuhrkreises mit großen Fehlern behaftet und 
nicht brauchbar, was man auch unmittelbar aus Tafel 37 und 38 ersieht. (Vgl. 
auch 1 B.) Wie ersichtlich, nehmen die Fehler mit zunehmender Höhe des 
Gestirns ab. Um ein Beispiel anzuführen, sollen die Seite 431 gefundenen Werte 
benutzt werden. Für # = + 66°, d = + 28°, t = 110.69° wurde gefunden 
h = 12.98°; mithin wird cos h öq = 1.22 9A. Wäre daher das beobachtete Azimut 
um !/,° = 15’ fehlerhaft, so würde der Fehler im Schiffsorte, der ös heißen möge, 
ds= 1.22.15 = 18,3 = 33.8 km. 
Für unsere Gegenden sind zur Ortsbestimmung aus Sonnen-Azimutmessungen 
nur Azimute größer als 90° verwendbar, Im allgemeinen darf man schließen, 
daß kleine Gestirnshöhen und polnahe Sterne vermieden werden müssen. 
Anmerkung. Nachdem ich die Untersuchungen unter No, 5 durchgeführt hatte, ersah ich aus 
der Azimuttafel von Weyer, daß ähnliche Untersuchungen von Delambre, Biot und Moebius bereits 
angestellt waren. Delambre und Biot kommen zu fehlerhaften Ergebnissen, da sie die höheren 
Differentialquotienten vernachlässigen.?) Auch moderne nautische Lehrbücher ziehen aus den Differential- 
formeln unrichtige Folgerungen. Es schien mir daher nicht unzweckmäßig, hierauf näher einzugehen 
und mindestens die Resultate mitzuteilen. Moebius hat seine Untersuchungen an zwei Stellen veröffent- 
licht, erstens in einer besonderen Schrift unter dem Titel: De minima variatione azimuthi stellarum 
circulos parallelos uniformiter deseribentium commentatio, Leipzig 1816, zweitens in deutscher Sprache 
im 3. Bande der Zeitschrift für Astronomie usw., von Bohnenberger und Lindenau, Tübingen 1817, 
Heft 1, Seite 82—87.3) In der zweiten Schrift erwähnt Moebius, daß auch Soldner und Moivre 
dieselbe Frage behandelt haben, Moivre führt die Untersuchung mit Hilfe einer stereographischen 
Proiektion durch. Sawitsch führt im Abriß der praktischen Astronomie. 1. Band. Seite 389. 
1) Cook und Peary handelten daher korrekt, indem sie ihre Zeit nicht mit solchen Be- 
stimmungen vergeudeten. 
2) In ähnlicher Weise kommen Weyer und Dr. Schaper zu fehlerhaften Ergebnissen, indem 
sie die Gaußischen Differentialformeln für das Problem der Ortsbestimmung aus zwei Höhen und 
der Zwischenzeit auf alle Fälle ausdehnen, Siehe Ann, d. Hydr, usw. 1885 Seite 10 und 1905 Seite 570. 
3) Siehe auch ges. Werke, herausgegeben von Scheibner, Band 2, 1886.
	        
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