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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1910, 
Stärke 6.5, das andere Mal bei WSW, Stärke 7.5, d. h. schon unter Umständen, 
unter denen die »Herzogin Sophie Charlotte« vermutlich nur etwa 230 Sm zurück- 
gelegt haben würde, 
Erhellt also, daß die »Herzogin Cecilie« zweifellos das schnellere Schiff 
ist, so drängt sich von selbst die Frage auf, worin es begründet sei, daß beide 
Schiffe, die in bezug auf die Tüchtigkeit ihrer Führer, ihrer Offiziere und 
Bemannung sowie ihrer Ausrüstung als gleich anzusehen sind, die vorher bezeich- 
neten Reisen in fast gleich langer Zeit zurückgelegt haben. 
Nehmen wir, um dies zu untersuchen, gleich den Reiseabschnitt vor, mit 
dem wir uns soeben beschäftigt haben, die Strecke des Westwindgebietes 
zwischen Neuseeland und Kap Horn, so zeigt sich, daß auf dieser Strecke 
die »Herzogin Sophie Charlotte« über 200 Sm weniger zurückzulegen hatte als 
die »Herzogin Cecilie«, weil diese den Meridian von 177° W-Lg. in einer etwa 
4° nördlicheren Breite überschritt als die »Herzogin Sophie Charlotte«. Es ist 
dies ein Punkt, der, allgemein gesprochen, nicht immer genügende Berücksich- 
tigung findet, der aber sofort erhellt, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die 
Strecke von Neuseeland nach Kap Horn im großen ganzen in einer Loxodrome 
zurückgelegt wird, und daß sie sich um fast 100 Sm verkürzt für jeden Grad, 
um den die dabei eingehaltene Mittelbreite nach Süden verschoben wird. Einen 
allzu südlichen Weg verbieten allerdings die Eisverhältnisse, indessen muß man 
sich doch vergegenwärtigen, daß diese auf 55° S-Br. im Stillen Ozean keineswegs 
schlimmer sind als auf 45° S-Br. im Indischen Ozean. Zwar ist gleich östlich 
von Neuseeland eine Stelle, an der Eisberge gelegentlich weit nach Norden vor- 
treiben, allein es handelt sich, soweit die Berichte reichen, dort immer nur um 
einzelne Berge und einzelne Jahre, in denen sie vorkommen; und wenn es auch 
richtig ist, daß die Eisgefahr auf einem nördlicheren Wege geringer ist als auf 
einem südlicheren, so verschwindet sie auf dem nördlicheren gleichwohl nicht 
derart, daß nicht doch guter Ausguck gehalten werden müßte, und sie ist ander- 
seits auf einem südlicheren Wege nicht so groß, daß man nicht in 56° bis 57° 
S-Br., unter Umständen noch südlich davon, nach Osten segeln und den Weg 
soviel wie möglich abkürzen könnte. Von Mitte Mai bis Mitte September mag 
ein nördlicherer Weg angezeigt sein, weil man dann sicherer sein wird, an der 
Nordseite der ostwärts ziehenden Minima zu bleiben und beständigere Westwinde 
zu haben, indessen sollte man auch dann den größten Teil des Weges lieber 
südlich als nördlich von 50° S-Br. zurücklegen, . 
Unter den Reiseabschnitten, auf denen das kleinere und langsamere Schiff 
von den Umständen so begünstigt gewesen ist, daß es dem größeren sogar Zeit 
abgewinnen konnte, tritt am meisten die Strecke der Ausreise von der Linie 
nach 50° S-Br. im Atlantischen Ozean hervor. Die rein zufälligen Ursachen 
davon lagen vielleicht schon nördlich von der Linie, wo zwar beide Schiffe — 
in einem Zeitabstand von sechs Tagen — auf etwa 5° N-Br. und 16° W-Lg. ge- 
wendet haben, um die Linie auf B-B.-Halsen anzusegeln, von wo an aber die 
‚Herzogin Sophie Charlotte«, wie wohl auch sie bis zur Linie keine besonders 
günstigen Umstände traf, doch insofern gegen die »Herzogin Ceecilie« Vorteil er- 
langte, als sie einen Tag weniger bis zur Linie brauchte und diese fast 100 Sm 
östlicher überschritt. Als dann der Wind auffrischend auch noch gleich raumte, 
konnte sie voll weghalten und wie wir bereits gesehen haben, den Südostpassat 
beträchtlich schneller durchsegeln, als die »Herzogin Cecilie«, die schon auf der 
Linie 100 Sm weiter nach West gedrängt worden war und obenein im Süden 
der Linie so schralen Passat fand, daß sie durch voll weghalten nicht mehr Süd 
machen, also keinen Vorteil erlangen konnte. Auch an der Südgrenze des Passates 
war die »Herzogin Cecilie« vom Glück wenig begünstigt. Sie traf hier um- 
laufende, leichte, vorwiegend südliche bis südwestliche Winde und brauchte in- 
folgedessen von 20° bis 29° S-Br. sechs Tage, wogegen die »Herzogin Sophie 
Charlotte« bei östlichen, allmählich durch Nord holenden frischen Winden acht 
Tage vorher nur vier Tage zwischen diesen Breiten zugebracht hatte. Ganz 
besonders endlich wurde dieses Schiff aber zwischen 29° und 35° S-Br. begünstigt, 
indem es nach kurzem Aufenthalt durch Windstille an die Westseite eines jener
	        
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