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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

334 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1918. 
Watten von Wangeroog und Norderney an je einem Tage des Winters zu er- 
warten, auch an mehreren anderen Orten trifft dies öfters ein; und im vorigen 
strengen Winter konnten Dampfer bei Tönning an nicht weniger als 34 Tagen 
nicht verkehren, 
Ähnlich verhält es sich mit der Unterbrechung der Segelschiffahrt, die 
eigentlich im wesentlichen allein in Betracht kommt, da die Dampfschiffahrt nur 
in sehr strengen Wintern und dann auch nur an einzelnen besonders geschützten 
Stellen verhindert zu werden pflegt. Am häufigsten wurde die Segelschiffahrt 
bei Ellenbogen (Seegebiet und Listertief), nämlich an 7 Tagen, unterbrochen; 
sonst war dies nur noch bei Brunshausen an 5 Tagen und in Tönning, Bruns- 
büttelkoog, Brake (Wesergebiet) bei Norderney, Wangeroog und Belumerschanze 
an 1 bis 3 Tagen der Fall. Wie außerordentlich günstig die Eisverhältnisse des 
Jetzten Winters waren, zeigt ein Vergleich dieser Zahlen mit denen des vor- 
letzten Winters; damals wurde die Segelschiffahrt bei Brunshausen am 22,, bei 
Brake sogar an 27 Tagen geschlossen, während die angenäherten Normalwerte 
nach den erwähnten achtjährigen Beobachtungen für den ersteren Ort 5.4, für 
den letzteren 2.2 Tage mit geschlossener Segelschiffahrt ergaben. 
Weniger wichtig als die völlige Unterbrechung des Schiffsverkehrs ist ihre 
bloße Behinderung durch Eis; sie kann naturgemäß auch empfindlich störend 
wirken, wenn sie ungewöhnlich lange anhält. Dies war aber im letzten Winter 
nur in geringem Maße der Fall. Am stärksten tritt hierin Tönning hervor, wo 
an 22 Tagen Segler wegen der Eisbesetzung der Eider Schwierigkeiten hatten, 
Während im Winter 1911/12 an sämtlichen Beobachtungsstationen der Nordsee- 
küste Behinderungen der Segelschiffahrt an drei bis zu 35 Tagen vorkamen, 
blieben im letzten Winter mehr als die Hälfte völlig unbehindert. 
Die Eisverhältnisse an der Ostseeküste. 
Auch hier waren die Störungen der Schiffahrt durch die Eisbesetzung 
von verhältnismäßig nur geringem Grade. Was zunächst die Verhinderung der 
Dampferfahrt betrifft, so treten naturgemäß wieder besonders die Haffe relativ 
stark hervor. Aber die Zahl der Tage, an denen Dampfer nicht verkehren 
konnten, war geringer als im vorletzten Winter, wo das Frische Haff bis Königs- 
berg und bis Elbing an 75 bzw. 51 Tagen geschlossen war, während dies im 
letzten Winter nur an 58 bzw. 41 Tagen der Fall war. Auffällig erscheint jedoch 
die Tatsache, daß nach den achtjährigen Durchschnittszahlen das Frische Haff 
bis Königsberg normalerweise jährlich für Dampfer nur an 22 Tagen geschlossen 
sein sollte, wogegen dies im letzten Winter an 58 Tagen der Fall war. Es 
dürfte hier der Umstand stark ins Gewicht fallen, daß für die Schließung der 
Haffe das frühzeitige Auftreten ‘starken Frostes, wenn auch nur von kurzer 
Dauer, von größter Wichtigkeit ist; alsdann bedecken sich diese flachen Gewässer 
schnell mit einer starken Eisdecke, die auch dann naturgemäß fast unverändert 
bestehen bleibt, wenn der Frost bald darauf stark abnimmt. Im letzten Winter 
hatte — wie die Temperaturtafel erkennen läßt — Memel vom 12. bis 16. Januar 
ein Temperaturmittel von 4.2° unter Null, das sich bis zur Pentade vom 27, 
bis 31. Januar auf über 9° steigerte, Daraufhin ließ der Frost wesentlich nach, 
die Eisdecke blieb aber bestehen. So scheint hier von einschneidender Bedeutung 
für den Dampferverkehr weniger die durchschnittliche Wintertemperatur als 
vielmehr das frühzeitige Eintreten einer, wenn auch kurzen, intensiveren Frost- 
periode zu sein, Man wird damit rechnen müssen, daß die Schiffahrt auf den 
Haffen gänzlich lahm gelegt wird, wenn beispielsweise schon im November ein- 
mal mehrere Tage hindurch intensiver Frost eintritt, der die Haffe mit einer 
starken Eisdecke überzieht; alsdann ist kaum Aussicht auf eine baldige Wieder- 
eröffnung der Schiffahrt vorhanden, sofern nur der Frost den übrigen Winter 
hindurch mit einigen Grad unter Null bestehen bleibt; die durchschnittliche 
Temperatur dieser Frosttage kann dabei sogar verhältnismäßig sehr hoch sein. 
Das Stettiner Haff bis Stettin blieb im letzten Winter für Dampfer befahrbar, 
da hier an 34 Tagen Eisbrecher in Tätigkeit waren.
	        
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