Petersen, J.: Unperiodische Temperaturschwankungen im Golfstrom usw. 413
peraturen im Ostatlantischen Ozean hervor, eine anormale östliche Lage
dagegen zu niedrige Temperaturen, Ist die abweichende Anordnung der
Luftdruckverteilung besonders stark ausgebildet (April—Mai 1896 und 1897,
Taf. 36), so macht sich dies in den Temperaturen auf der ganzen Strecke
bemerkbar, sonst treten auf beiden Seiten des Ozeans entgegengesetzte
Temperaturen auf. (Fig, 7).
Als Maß für die Entfernung der isländischen Depression von ihrer nor-
malen Lage kann die Luftdruckdifferenz Irland—Kap Farewell gelten. Befindet
sich der Kern der Depression bei Kap Farewell, so wird die Luftdruckdifferenz
zwischen beiden Orten am größten sein; liegt das Minimum dagegen sehr östlich,
so ist sie gering. Die Kurven der Luftdruckdifferenzen Irland— Kap Farewell
und der Temperaturabweichungen in Stationen 1 bis 4 (Fig, 8) — deren jährliche
Mittel wiederum aus den Monaten vom September bis August gebildet sind —
bestätigen, daß obige für das Quartal Juni bis August geltende Sätze auch für
das ganze Jahr Gültigkeit haben, .
Figur 8 läßt erkennen, das eine Verstärkung des Gradienten zwischen Irland
und Kap Farewell in 90%, mit einer positiven Temperaturanomalie in Stationen
1 bis 4 zusammentrifft, Die Jahre 1890 und 1901 bilden die einzige Ausnahme
von dieser Regel.
H1,5°
Fig. 8.
Luftdruckdifferenz Irland—Kap Farewell (starke Linie) und Temperaturabweichung in Station 1 bis 4
(schwache Linie) (September— August).
mm at 92 93 at 95 07 ©@ on 19m 01 02
zz
35
08
— 9 mm
41°
+0.5°
4
_
—0.5'
m [1
— 1.5
—
3
MM
b) Üben die Abweichungen vom normalen Zustand der Wassertemperatur einen
merklichen Einfluß auf die Luftdruckverteilung aus?
Eine letzte Frage endlich, die in der Einleitung, an Petterssons Unter-
suchungen anschließend, angeschnitten wurde, ist die nach der Einwirkuug des
zu warmen oder zu kalten Wassers auf die Atmosphäre. Bereits im Jahre 1878
hatte Kapt. Hoffmeyer!) erkannt, »daß die barometrischen Depressionen vorzugs-
weise den Wasserwegen folgen und die auf dem Lande öfter ihren Weg nach
den Wasserflächen verlegen, als ob sie von ihnen angezogen würden«, Die
Arbeiten von Pettersson (a. a. O.) und Meinardus?) bringen hierfür den
exakten Nachweis und zeigen, daß ein kausaler Zusammenhang sich leicht für
das Verständnis darbietet. Barometrische Depressionen sind Gebiete aufsteigender
Luft; wo sie bei ihrem Fortschreiten in die Nähe warmen Wassers gelangen,
wird sich die Tendenz zu einer aufsteigenden Bewegung verstärken, da hier die
Luft nicht nur durch Erwärmung leichter wird, sondern auch durch Zuführung
von Wasserdampf, der selbst leichter ist als die Luft. Die Ausbildung der
zyklonalen Luftwirbel wird also über warmem Wasser aus zweifachem Grunde
2) Kapt. N. Hoffmeyer: »Die Verteilung des Luftdrucks über dem Nordatlantischen Ozean
während des Winters und der Einfluß auf das Klima von Europa«. (Österr. Meteor, Zeitschrift, 187 8
und 1879.) .
2) Dr. W. Meinardus: »Der Zusammenhang des Winterklimas in Mittel- und Nordwest-
europa mit dem Golfstrom.« (Zeitschrift der Gesellsch. für Erdkunde, Berlin 1898, S. 195.)