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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Petersen, J.: Unperiodische Temperaturschwankungen im Golfstrom usw. ‘411 
bis September anzusehen sind. Im Oktober tritt eine entscheidende Änderung 
in der Luftdruckverteilung ein. Die Ostseite des Nordatlantischen Ozeans wird 
von einem Gebiet niedrigen Luftdrucks eingenommen, und die Isobaren verlaufen 
von NW nach SO. (Okt. 1896, Taf. 36.) Aus diesem Grunde tritt im Oktober und 
November westlich 25° W-Lg. überall sehr kaltes Wasser auf, (Östlich befindet 
sich noch immer sehr warmes Wasser.) 
1903. Für das Jahr entnehme ich der angeführten Arbeit von Prof, 
Schott!) folgende, die Temperatur betreffenden Angaben: »Es ergibt sich zu- 
nächst, daß schon im Januar 1903 das Wasser mit Ausnahme des schmalen 
Streifens zwischen amerikanischer Küste und 65° W-Lg. durchweg über die ganze 
Breite des Ozeans hinüber bis Europa zu kalt war, um 1° bis 3° zu kalt in der 
westlichen, um 0.5° bis 1° zu kalt in der östlichen Hälfte, Darauf folgte, und 
zwar vom Februar bis Ende April hin, eine sehr regelmäßige Zunahme der 
Ausbreitung eines Temperaturüberschusses schrittweise von Westen -nach Osten, 
Dieser Periode des Vordringens der Wärme folgte dann vom Mai bis Juni (d. h. 
im Frühsommer, als die zweite Eistrift sehr mächtig war), ein ebenso  ent- 
schiedener Rückgang der positiven Temperaturanomalie auf der ganzen westlichen 
Hälfte der Wege, und diese nunmehr wieder. den Ozean in seiner gesamten Breiten- 
ausdehnung umfassende abnorme Abkühlung blieb in bewundernswerter Konstanz 
bis Ende September erhalten. Da die synoptischen Wetterkarten jetzt bis zum 
Mai 1903 erschienen sind, läßt sich überblicken, daß die abnorme Abkühlung im 
Sommer 19038 durch eine anormale Luftdruckverteilung bedingt ist. Der Kern 
der Depression liegt im März in 20° W-Lg. und 60° N-Br. mit 736 mm Luftdruck, 
Der. Verlauf der Isobaren läßt auf NW- oder WNW-Winde schließen. Auch im 
April und Mai herrschen W- bis NW-liche Winde. (April—Mai 1903, Taf, 36.) 
Wir sehen somit, daß die unperiodischen Schwankungen in der Meeres- 
temperatur durch dauernde Abweichungen von den normalen Windverhältnissen 
hervorgerufen werden, also damit durch dauernde Abweichungen von der 
normalen Luftdruckverteilung. Ferner bemerken wir, daß die Wirkung der 
Winde auf die Meerestemperatur erst nach 1 bis 2 Monaten in den Temperatur- 
mitteln zu erkennen ist, Am wichtigsten aber ist die Tatsache, daß für die un- 
periodischen Temperaturschwankungen die Richtungsänderung der Winde weit 
mehr verantwortlich zu machen ist, als die Änderung der Windstärke. In den 
Jahren mit ausgeprägten. Temperaturabweichungen ist eine durch veränderte 
Lagerung der Islandzyklone hervorgerufene Windrichtungsänderung immer zu 
erkennen. Es liegt also nahe, die Verlagerungen der Islanddepression als letzte 
Ursache der Schwankungen der Meerestemperatur anzusehen, 
Die Abhängigkeit der Meerestemperatur von der Lage des isländischen Minimums, 
Im ersten Teil dieser Untersuchung wurde gezeigt, daß im Osten des 
Nordatlantischen Ozeans in den Monaten Juni, Juli und August die Temperatur- 
schwankungen am größten sind, und daß vom April bis August das Vorzeichen 
der Temperaturabweichung nur selten wechselt, sondern sich durchschnittlich bis 
zum Ende August oder Anfang September erhält. Das Quartal Juni bis August 
stellt somit in thermischer Hinsicht ein zusammenhängendes Ganzes dar, dessen 
jeweiliger thermischer Zustand durch die Luftdruckverteilung in den vorher- 
gehenden Monaten bestimmt ist. Die Luftdruckverteilung in den Monaten April, 
Mai wird als maßgebend für die Temperaturverteilung im Quartal Juni bis 
August angesehen werden können, Eine Gegenüberstellung beider wird den 
Zusammenhang erkennen lassen. 
Die Luftdruckbilder vom April bis Mai der Jahre mit zu warmem Wasser 
im Osten unseres Bereiches, die der Jahre 1893 und 1896, zeigen unter sich 
eine große Ähnlichkeit, ebenso die der Jahre mit zu kaltem Wasser, 1889, 1897, 
1901 und 1903. Für das Jahr 1898 wurde — wie oben erwähnt — die Luft- 
Adruckverteilung vom Januar bis März als maßgebend für die späteren Wasser- 
1) Dr. G. Schott: »Die große Eistrift bei der Neufundlandbank und die Wärmeverhältnisse 
des Meerwassers im Jahre 1903«., »Ann. d. Hydr. usw.« 1904, S. 280.
	        
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