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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1910, 
wieder verschwindet, Erst vom Juni ab bis zum September ist eine äußerst 
charakteristische Temperaturerscheinung zu beobachten. (Fig. 7.) Im Westen 
ist nur zu kaltes, im Osten nur zu warmes Wasser. Die Trennungslinie beider 
Gebiete ist der 40. Längengrad W-Lg. v. Gr. Wie oben hervorgehoben ist, 
waren vom März bis Juni im Westen NW- bis N-Winde, im Osten SW- bis S- 
Winde vorherrschend. Demnach ist anzunehmen, daß — wie auch im Jahre 
1889 — die SW-Winde Ursache des warmen Wassers waren. Im Gegensatz zum 
Jahre 1889 sind jetzt aber die SW-Winde und das warme Wasser an der euro- 
päischen Seite des Ozeans statt an der amerikanischen aufgetreten. Im Oktober 
erscheint im Westen wieder sehr warmes Wasser als Wirkung der dort im Sep- 
tember plötzlich auftretenden SW-Winde. Im Dezember dagegen ist der Ozean 
auf der ganzen Strecke zu kalt, nur in der Mitte erhält sich noch ein kleiner 
Flecken zu warmen Wassers, Als Ursache dafür sind die andauernden Ostwinde 
im November anzusehen, die besonders in der Mitte des Monats in außerordent- 
licher Stärke auftreten. 
Ganz typischen Charakter tragen dann noch die Jahre 1896, 1897, 1898 
und 1903 in meteorologischer wie ozeanoloyischer Hinsicht. Die Jahre 1896 und 
1898 bringen sehr warmes Wetter an die europäische Seite des Ozeans, 1897 
und 1903 dagegen sehr kaltes. Die Temperaturen des Jahres 1903 sind einer 
Arbeit des Herrn Prof. Schott entnommen.) 
1896. Im Dezember 1895 sind im Westen des Nordatlantischen Ozeans 
starke NW-Winde angetroffen worden. Erst gegen 25° W-Lg. kommt der Wind 
aus Westen bis Südwesten, Die Folge davon sind während der Monate Januar- 
März zu niedrige Temperaturen bis nahe an die europäische Küste heran, dort- 
selbst sind zu hohe Temperaturen. Vom Januar ab verschiebt sich der Kern 
der isländischen Depression bedeutend nach Westen (nach Kap Farewell) und 
verbleibt hier bis Mai. (April—Mai 1896, Taf, 36.) Unter der Gewalt der SW- 
Winde wird viel warmes Wasser herbeigeführt, und die zu niedrigen Temperaturen 
im Westen verschwinden allmählich. Im Juni befindet sich auf der ganzen Strecke 
nur noch zu warmes Wasser, das bis in den September hinein sich erhält. Im Sep- 
tember sehen wir die Hauptdepression wieder an der norwegischen Küste lagern 
und die Isobaren von NW nach SO verlaufen wie im Jahre 1893, Es treten 
also NW-Winde auf, die im Oktober kaltes Wasser an die amerikanische und 
europäische Küste bringen. In der Mitte erhält sich noch das wärmere Wasser. 
Eine dauernde Depression in der Nordsee bewirkt im Oktober durch kräftige 
NNW-Winde eine weitere Abkühlung des Wassers in den östlichen Stationen bis 
in die Monate November und Dezember. 
1897. Vom Dezember 1896 bis Februar 1897 sind starke SW-Winde vor- 
herrschend, die aber auf die Temperaturverteilung nicht mit voller Stärke zur 
Einwirkung kommen, da vom März bis Mai für diese Jahreszeit außergewöhn- 
lich starke NW-Winde auftreten, die für die Temperaturverteilung entscheidend 
werden, Vom April bis Juni treten nur auf der Ostseite zu niedrige Temperaturen 
hervor, vom Juni bis Oktober dagegen mit kleinen Ausnahmen auf der ganzen 
Strecke. Erst im Oktober, November erscheinen zugleich mit einer Verlagerung 
des isländischen Minimums nach Kap Farewell im Osten wieder SW- bis S-Winde, 
die wärmeres Wasser an die Ostseite bringen. 
1898. Nachdem bis in den Dezember 1897 hinein nur ganz im Osten 
unseres Bereiches zu warmes, sonst auf der ganzen Strecke zu kaltes Wasser 
beobachtet wurde, beginnt im Januar das warme Wasser sich weiter nach Westen 
hin bemerkbar zu machen infolge der sehr kräftigen SW-Winde vom Dezember 
bis März. Im April ist östlich von 40° W-Lg. zu warmes Wasser, westlich davon 
noch zu kaltes. Im Mai ist schon die ganze Strecke zu warm, welcher Zustand 
bis zum September anhält. Die Winde lassen vom April ab an Stärke außer- 
gewöhnlich nach, so daß in diesem Jahre die außerordentlich kräftigen Winde 
des Januar, Februar. März als Ursache der zu hohen Meerestemperaturen im April 
3 Dr. G. Schott: »Die große Eistrift bei der Neufundlandbank und die Wärmeverhältnisse 
des Meerwassers im Jahre 1903«. (Ann. d. Hvdr. usw.« 1904). 8. 277.
	        
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