Petersen, J.: Unperiodische Temperaturschwankungen im Golfstrom usw. 409
zurückgezogen, auch die Anordnung der Isobaren ist normal, anormal dagegen die
Vertiefung (752 mm, gegen 757 mm normal). Stärkere Winde im Osten sind die
Folge. Für Juli sind nur schwache W-Winde aus der Wetterkarte zu konsta-
tieren, im August etwas stärkere, bis im September normale SW-Winde auftreten.
Dieselbe Lage der isländischen Depression wie im Mai zeigt sich im Oktober,
kräftige NW-Winde bedingend. (Lage 20° W-Lg., normal 30° W-Lg.) Im Novem-
ber folgt wieder eine Verschiebung nach Westen und Vertiefung der Depression,
die sich bis Ende Januar 1890 erhält. (736 mm, 748 mm ist normal.) Im Februar
lassen die Winde bedeutend an Stärke nach; im März und April sind normale W-
Winde vorherrschend. Vom November 1889 bis April 1890 waren die Isobaren über
der Davisstraße so geordnet, daß durch außerordentlich kräftige NW-Winde der
mit Eis beladene Labradorstrom eine Beschleunigung erfahren mußte. Das
Jahr 1890 gilt für den Labradorstrom als das eisreichste der letzten Jahrzehnte.
Betrachten wir nun die Temperaturverhältnisse während dieser Zeit. Im
März herrschen im Osten des Nordatlantischen Ozeans ziemlich hohe Temperaturen,
die aber schon im April im Verschwinden begriffen sind. Bis zum Monat Juli
bildet sich dann eine Temperaturverteilung heraus (Fig. 7), die durch die im
April und Mai herrschenden Winde einfach zu erklären ist. Der ganze Osten
ist zu kalt infolge der WNW-Winde (WSW-Winde sind normal), welche kaltes
Wasser aus nördlichen Breiten herbeiführen, Der ganze Westen ist zu warm,
da SW-Winde (normal sind W-Winde) wärmeres Wasser bringen. Daß solch ein
typischer Zustand in der Temperaturverteilung erst nach einiger Zeit auf die
ihn veranlassenden Windverhältnisse folgt, ist nur natürlich, da der Wind erst
nach geraumer Zeit die in Bewegung befindlichen Wassermassen in ihrer Rich-
tung und Geschwindigkeit beeinflußt. Kine solche Verzögerung der Windwirkung
jehrt auch Prof. Meinardus, sowie Dr. Brennecke für die Einwirkung des
Windes auf den isländischen Eisstrom.!) Vom Juni bis September sind dann
ununterbrochen SW-Winde tätig, wieder wärmeres Wasser an die europäischen
Küsten zu bringen. Im Dezember ist dann der ganze Raum mit zu warmem
Wasser angefüllt. Im Januar, Februar 1890 macht sich wieder eine negative
Temperaturabweichung bemerkbar. Allein aus der Wirkung der NW-Winde im
Oktober ist das nicht zu erklären, doch vielleicht aus der starken Eisführung
des ' Labradorstroms, dessen kaltes Oberflächenwasser wohl durch die außer-
ordentlich kräftigen Winde des Dezembers, Januars schnell über den Nordatlan-
tischen Ozean verbreitet wurde.
1893. Im Februar ist eine Vertiefung des isländischen Minimums zu
konstatieren. Westlich von 30° W-Lg. herrschen NW- bis W-Winde, östlich da-
von SW-Winde. Im März verschiebt sich der Kern des Minimums nach der
Südspitze Grönlands, wodurch im Osten S- bis SW-Winde, im Westen W-Winde
verursacht werden. Über den Labradorstrom wehen die Winde in der Strom-
richtung. Während der Monate April und Mai bleibt diese anormale Lage und
die Anordnung der Isobaren bestehen, (April—Mai 1893, Taf. 36.) Im Juni ist
die Luftdruckverteilung derartig, daß im Westen Winde aus Nord, im Osten aus
Süd wehen. Eine entscheidende Änderung in der Luftdruckverteilung tritt dann
erst im September auf, wo eine selbständige isländische Depression fehlt, und da-
für südwestlich des Nordkaps an der norwegischsn Küste ein Minimum auftritt,
W-Winde im Osten und SW-Winde im Westen sind die Folge davon. Noch deut-
licher prägt sich die eben genannte Depression im Oktober aus, (Okt.—Nov., 1893,
Taf, 36.) Die Winde nehmen im Osten unseres Bereiches eine nordwestlichere
Richtung an. Im November bedingt ein barometrisches Gefälle von Osten nach
Westen vorherrschende. O- und SO-Winde.
Die Temperaturverteilung in diesem Zeitraum ist folgende: Im Februar
ist die ganze Strecke durchschnittlich zu warm; einige kalte Stellen finden sich
im Osten.‘ Im März tritt im Westen zu kaltes Wasser auf, das aber teilweise
1) Dr. W. Meinardus, Ȇber Schwankungen der Nordatlantischen Zirkulation und ihre
Folgen«, Ann, d. Hydr. usw. 1904, S, 353 und W. Brennecke »Beziehungen zwischen der Luft-
Jruckverteilung und den KEisverhältnissen des Ostgrönländischen Meeres«. Ann. d. Hydr. usw.
1904. S. 49, .
Anz. d. Hydr, usw. 1910. Heft VII.