Petersen, J.: Unperiodische Temperaturschwankungen im Golfstrom usw, 405
In der soeben erschienenen Monographie des Norwegischen Meeres!) berichten
Helland-Hansen und Nansen über bemerkenswerte Beziehungen zwischen der
Wasserwärme, der Lufttemperatur, den Ernteerträgen und der Ergiebigkeit des
Kabeljaufanges bei den Lofoten.?) — Die beiden Forscher haben in fünfjährigen
Kreuzfahrten im Norwegischen Meer, hauptsächlich im Mai seewärts des Sogne-
fjords und der Lofoten, sowohl die Oberflächen- wie die Tiefentemperaturen ge-
messen und kamen zu dem Schluß, daß die im Atlantischen Wasser enthaltene
Wärmemenge (berechnet als Produkt aus dem Areal des Tiefenschnitts und der
mittleren Temperatur dieses Schnittes, At) bestimmend wird für die Lufttemperatur
Norwegens im folgenden Winter. Dadurch scheint uns die Möglichkeit gegeben,
die mittlere Temperatur des folgenden Winters schon im Mai vorherzusagen,
Petterssons Versuch, die Oberflächentemperaturen des Atlantischen Wassers als
die primäre Ursache der Lufttemperaturen anzusehen, wird hier nicht mehr
aufrechterhalten. Die Oberflächentemperaturen des Wassers sind vielmehr von
meteorologischen Faktoren abhängig, zum größten Teil von der Lufttemperatur,
Ebenso werden die jährlichen Schwankungen in den Ernteerträgen durch meteoro-
logische Ursachen bedingt. Es zeigt sich in den fünf Jahren, in denen die Unter-
suchung vorgenommen wurde, eine fast vollkommene Übereinstimmung der
Schwankungen der Lufttemperaturen mit denen der Oberflächentemperaturen des
Atlantischen Wassers, ferner mit den Schwankungen der Erbsen-, Bohnen- und
Linsenernte und der Kartoffel- und Heuernte in Norwegen. — Direkt, ohne Mit-
wirkung von Mittelgliedern, wie es oben die meteorologischen Faktoren waren,
wirken die Veränderungen im Atlantischen Wasser auf die Größe und Anzahl
der Nahrungsfische ein. Die Menge der Leber und des Rogen von 1000 Kabeljauen
ist verhältnismäßig gering in den Jahren, in denen das Atlantische Wasser
wärmer als gewöhnlich ist und umgekehrt. Es ist aber kaum anzunehmen, daß
solch kleine Temperaturschwankungen, wie sie im Atlantischen Wasser beob-
achtet werden, direkt auf das Wachstum der Fische einwirken. Es werden die
Temperaturschwankungen wahrscheinlich Hand in Hand gehen mit Veränderungen
in den chemischen, physikalischen und biologischen Verhältnissen. Ganz besonders
werden die den Fischen als Nahrung dienenden Planktonarten großen Ver-
änderungen unterworfen sein. In folgendem soll untersucht werden, wie lange
die primäre Ursache solcher Veränderungen — nämlich eine Abweichung von
der Normaltemperatur des Atlantischen Wassers — im allgemeinen bestehen bleibt,
Aus den Kurven der Taf. 35 ist zu ersehen, daß Station 1 bis 4 während
der Monate Mai, Juni, Juli und August die Abweichungen in Größe und Vor-
zeichen annähernd gleich bleiben, doch zu einer genauen Kenntnis der Erhaltungs-
tendenz in jedem Monat verhilft diese Darstellung nicht. Einen zahlenmäßigen
Ausdruck für die Erhaltungstendenz des Vorzeichens der Temperaturabweichung
in jedem beliebigen Monat erhält man, wenn man die mittlere Länge der Fort-
dauer des Vorzeichens für jeden Monat in Monaten ausdrückt. Für die ver-
einigten Stationen 1, 2, 3 und 4 findet man dann ein Maximum der Erhaltungs-
dauer mit 4.3 Monaten im April, ein Minimum mit 1.7 Monaten im August und
September und ein sekundäres Maximum mit 3.5 Monaten im November (Fig. 3).
Fig. 3. Dauer der Erhaltung des Vorzeichens der Temperaturabweichung in Monaten.
5 Monate r—
Monat L_ — lim bh A Ss a — HE
Okt. Nav. Dez. Jan. Fehr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. Febr, Mär
Helland-Hansen and Nansen, »The Norwegian Sea, its physical oceanography etc.«
Report on Norweg., Fishery and Marine Investigations, Vol. II, 1909, No, 2. \
2) Vgl. den entsprechenden Teil des Referats von W. Brennecke »Ann, d. Hydr. usw.« 1910.
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