392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Jul 1910.
für den äußersten Osten, der 17. für die schleswig-holsteinsche Küste, vom 18.
bis 19. für die Ostseeküste und der 20. bis 26. für die ganze Küste. Gewitter
traten häufig auf, meist vom 7. bis 8. und vom 11. bis 16.
Bis zum 5. Mai war der Luftdruck über dem deutschen Küstengebiet
ziemlich gleichmäßig verteilt und die Wetterlage ruhig; Niederschläge fielen in
größeren Mengen nur im Osten; während an der ostpreußischen Küste vom 3.
bis 5. warmes Wetter herrschte, blieb das übrige Küstengebiet ziemlich kühl.
Am 6. kam die deutsche Küste unter den Einfluß einer Depression, die
über Nordwesteuropa erschienen war und an der Nordsee- und westlichen Ostsee-
küste stürmische südwestliche Winde hervorrief, Während sich das Tiefdruck-
gebiet am folgenden Tage weiter nach dem Kontinent ausbreitete, stellten sich
die steifen und stürmischen Winde auch im Osten ein, und die Temperaturen
sanken bei der Drehung der Winde nach West. Am 8. entfernte sich das Minimum
der Depression nach dem Norwegischen Meere, und die Winde flauten ab,
Am 9. gewann ein kleines Minimum, das von Italien über Österreich heran-
gezogen war, für den Osten der Ostseeküste Bedeutung; es rief dort steife und
stürmische umlaufende Winde hervor. Am folgenden Tage entfernte sich die
Depression nach Südnorwegen, und die Winde flauten ab,
Am 11. Mai stellte sich eine Depression über dem Westen des Kontinents ein;
abends lag ihr Minimum über Belgien. Es hatte stellenweise an der deutschen
Küste bis zur Oder steife und stürmische nordöstliche Winde zur Folge. Über
Nordeuropa hatte sich ein Hochdruckgebiet eingestellt, das nun für die Witterung
an der deutschen Küste maßgebend blieb bis zum 22. Mai, während tieferer
Druck über Westeuropa bestehen blieb. Die Winde wehten fast andauernd aus
östlichen Richtungen, und die Temperaturen stiegen am 12, plötzlich um 5 bis 10°
und blieben bis zum 16, meist beträchtlich über den Normalwerten. Verbreitete
Gewitter stellten sich ein, die besonders die Nordsee- und westliche Ostseeküste
heimsuchten.
Am 17. gingen die Winde mehr nach nordöstlichen Richtungen über, was
sofort ein beträchtliches Sinken der Temperaturen zur Folge hatte, da die Luft
über der Ostsee abgekühlt war. Die Witterung blieb vielfach unbeständig bis
zum 19.,, wo noch bei wechselnder Bewölkung vereinzelt an der Nordseeküste
Niederschläge eintraten.
Hierauf setzte eine vom 20, bis zum 26. reichende Periode trockenen, an-
haltend heiteren und ruhigen Wetters ein; das Nordeuropa bedeckende Hoch-
druckgebiet breitete sich etwas mehr südwärts aus; die Temperaturen blieben
jedoch bei den vorherrschend nordöstlichen Winden noch ziemlich niedrig. Diese
Wetterlage erfuhr am 23. eine Änderung, da das Hochdruckgebiet nach Südost-
europa abzog und ein neues Maximum von Nordwesteuropa herannahte. Dieses
letztere gewann nunmehr seinerseits Einfluß auf die Witterung der deutschen
Küste und bewirkte Fortdauer des ruhigen, trockenen und vielfach heiteren
Wetters bis zum 26.
Am 27, trat ein Wetterumschlag ein; eine Depression zog vom Nordmeer
her südostwärts und drängte das Hochädruckgebiet nach Westeuropa zurück. Ihr
folgten neue Tiefdruckgebiete, so daß das deutsche Küstengebiet bis zum Monats-
schluß zyklonales Wetter mit ozeanischen Winden und verbreiteten Nieder-
schlägen hatte. Bemerkenswert ist noch der 31, wo ein stärkeres Auffrischen
der Südwestwinde an der Nordseeküste stellenweise mit der Stärke 8 und 9
nach der Beaufortskala eintrat.
Druck und Verlag von E, 8. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
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