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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1910. 
tember, der allerdings auch unter gewöhnlichen Verhältnissen der günstigste 
Monat für die Schiffahrt in dieser Gegend ist. Der Weg nördlich um Nowaja 
Semlja herum in das Karische Meer war 1907, ebenfalls unter der Einwirkung 
der ungünstigen Windverhältnisse, die die Packeisgrenze bis an das Nordostende 
der Insel vorschoben, überhaupt nicht befahrbar. 
Der günstige Einfluß der südlichen und westlichen Winde zeigte sich deutlich 
am 1. und 2. August. Trotzdem diese Winde nur kurze Zeit und meist mit ganz 
geringer Stärke wehten, bewirkten sie doch, daß sich die bis dahin fest geschlossenen 
Eisfelder auseinanderzogen und die »Belgica« für einige Zeit befreiten. 
J. Herrmann. 
Es ist dankenswert, daß neben den Eis- und Windverhältnissen auch die 
übrigen meteorologischen Beobachtungen: Luftdruck, Luft- und Wassertemperatur, 
Feuchtigkeit, Bewölkung und Hydrometeore in extenso veröffentlicht worden 
sind, da gerade im Gebiet der Barents- und Kara-See die Zahl der bislang ver- 
öffentlichten Beobachtungen sehr gering ist, Selbst eine einzige Reise wie diejenige 
der »Belgica« gibt allerhand Aufschlüsse über die klimatischen Verhältnisse dieses 
Gebiets, 
Während der Fahrt im Treibeis der Kara-See entlang der Ost- und Süd- 
küste von Nowaja-Semlja vom 16. Juli bis 20. August wurde von 36 Tagen an 
28 Tagen während ein oder mehrerer Wachen (zuweilen den ganzen Tag) Nebel 
beobachtet. Wie kürzlich R. Mossman in einer Abhandlung über die klima- 
tischen Verhältnisse des ostgrönländischen Meeres (Scottish Geographical Magazine 
1909, Heft 6) dargelegt hat, ist der Nebel in den polaren Gebieten ein bislang 
zu wenig berücksichtigter klimatischer Faktor, in dem er die Sonnenstrahlung 
ausschaltet; in Gebieten mit großer Nebelhäufigkeit, wie an der Eiskante des 
ostgrönländischen Polarstromes, wird daher die Temperatur der Luft bedeutend 
herabgedrückt gegenüber benachbarten Regionen mit geringer Bewölkung, Die 
Beobachtungen an Bord der »Belgica« liefern hierzu gute Belege. Fast während 
der ganzen Fahrt in der Kara-See liegt Luft- und Wassertemperatur dicht bei 
Null Grad. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der 26. Juli (72° N-Br.), an dem 
bis 8 Uhr abends heiterer Himmel herrschte und die Windbewegung schwach 
war. Sofort hebt sich die Lufttemperatur auf 6.8° (8 Uhr vormittags) und 8.5° 
(mittags), während die relative Feuchtigkeit auf 28 %, um 8 Uhr vormittags und 
8%, (?) 4 Uhr nachmittags gesunken ist. Am nächsten Tag herrscht dichter 
Nebel, und die Lufttemperatur schwankt nur zwischen 0.6 und 1.1°. Die Wasser- 
temperatur ist an beiden Tagen annähernd dieselbe und schwankt zwischen 0.2 
und 2,2° €. 
Im Barents Meer an der Westküste von Nowaja Semlja, wo die »Belgica« 
am 21, August vom Eis frei kam, gestaltet sich die Witterung gänzlich anders. 
Bis zum 28, August wird nur selten Nebel beobachtet, die Lufttemperatur sinkt 
in diesen 7 Tagen nicht unter 5°C. und erreicht am 28. mittags bei NW von 
Stärke 1 und Bewölkung 3 den hohen Wert von 11.2%° An den folgenden Tagen 
während der Fahrt längs der Westküste der Nordinsel (73° bis 77° N-Br.) liegt 
die Temperatur auch meist dicht bei 5°, um dann plötzlich am 1. September in 
der Nähe des Treibeises auf 1° zu sinken; am 5. September nach dem Verlassen 
des Eisrandes hebt sich die Temperatur wieder auf 3° bis 5°. Zieht man die 
Wassertemperatur zum Vergleich heran, so ergibt sich ein enger Zusammenhang 
mit der Lufttemperatur, indem mit zwei Ausnahmen, in der Nähe der Matotschkin 
Schar und in der Nähe des Nordeises, sich gleichmäßig hohe Wassertemperaturen 
finden. Vom 21. bis 25. August beträgt die Temperatur der Meeresoberfläche 
über 6°, sinkt in der Nähe von Eis nahe der Matotschkin Schar, um in 75° N-Br. 
noch während des ganzen Tages über 7° zu liegen. Dieses ist für die Breite 
ein sehr hoher Wert; man wird demnach in eisfreien Jahren die mittlere Ober- 
flächentemperatur des Meeres an der Westküste von Nowaja Semlja für August 
auf 6°C. etwa ansetzen dürfen. Die Beobachtungen ergeben zusammengefaßt, 
daß auch bei verhältnismäßig kleinen Landgebieten im Nordpolargebiet sich der 
klimatische Unterschied zwischen West- und Ostküste scharf ausprägt.
	        
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