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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910. 
(mw. S0!/4.S), bis die Loluei-Huk querab ist, und halte dann auf die Mitte 
zwischen der Insel Rantang (Refuge) und der Insel Bougainville zu, Kurs 
rw. 171° (mw. Sz03/0). 
6. Flaschenpost der deutschen Bark »Seestern« rund um die Erde. 
Das Juliheft der »Ann. d. Hydr. usw.« 1907, S. 324, brachte unter dem Titel 
»Weite Reisen von Flaschenposten« eine Notiz, worin die Ergebnisse der außer- 
gewöhnlich großen Flaschentriften aus dem Gebiet der Westwinde südlich von 
40° S-Br. einer kurzen Betrachtung unterzogen wurden, 
Der Mitteilung war eine Tabelle mit neun der bemerkenswertesten Flaschen- 
triften aus der Sammlung der Deutschen Seewarte beigefügt, von denen fast alle 
eine Strecke von 8000 Sm und darüber zurückgelegt hatten. Den höchsten Betrag 
wies die vom Segler »Paul Isenberg« abgesandte Flaschenpost mit 10 700 Sm auf, 
der kleinste mit 7900 Sm rührte vom Segler »Marie« her, 
Als besonders wichtig wurde festgestellt, daß sämtliche Flaschen auf ihrem 
Wege eine fast rein Östliche Triftrichtung eingehalten hatten und daß die täg- 
liche Triftbewegung, von einer Ausnahme abgesehen, übereinstimmend sich auf 
8 bis 9 Sm berechnete. 
Ein seltener Fund, hinter dem alle bisher hier eingegangenen Flaschentriften 
zurückbleiben, soweit die Wegelängein Frage kommt, wurde der Deutschen Seewarte 
kürzlich aus Bunbury (Westaustralien) übersandt, Der Zetiel wurde am 7. August 1903 
auf 47° 45’ S-Br. und 114° 5’O0-Lg. von der deutschen Bark »Seestern«, Kapt Hauth, 
ausgesetzt und am 21, April 1910 am Strande in der Nähe von Bunbury auf 
33° 18’S-Br. und 115° 41’ O-Lg. gefunden. 
Unter Zugrundelegung der Stromverhältnisse jener Gegend kann es von 
vornherein als ausgeschlossen gelten, daß die Flasche auf dem kürzesten Wege, 
der nahezu Süd-—Nord verlaufen würde, den Fundort erreicht hat. Schon eher 
könnte man vielleicht eine Trift nach nordöstlicher Richtung annehmen, mit 
welcher die Flasche bis weit in die Australische Bucht hineingekommen wäre, 
um von dort mit der Küstenströmung, die vorwiegend westlich und vom Kap 
Leeuwin ab nördlich setzt, schließlich bis zum Fundort zu gelangen. Eine Trift 
nach NO oder ONO entspräche auch annähernd der Richtung, mit der die West- 
windtrift sich dem australischen Festlande infolge des Zustromes von Süden 
nähert. Dieser nordöstliche Strom setzt aber nicht bis in die Bucht hinein, 
sondern seine Annäherung findet in einer Kurve statt, die sich der australischen 
Küstenform mehr oder weniger anpaßt, Nördlich vom 40. Breitengrade ist jeden- 
falls nur noch wenig von seiner Wirkung zu spüren, Eine nordöstliche Trift 
der Flasche ist daher ebenfalls unwahrscheinlich, Gegen diese Annahme spricht 
auch ferner die südliche Lage des Schiffsortes vom 7. August 1903, an dem die 
Flasche ausgesetzt wurde, ; 
Als letzte Möglichkeit bleibt somit nur noch der Weg nach Osten 
durch den Stillen, Atlantischen und Indischen Ozean hindurch. Auf 
dem Wege um die Erde hätte also diese Flasche nahezu 15 000 Sm in 6'/, Jahren 
mit einer täglichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 6.1 Sm zurückgelegt, also 
den längsten Weg, der einem Treibkörper bisher nachgewiesen werden konnte. 
Der wirkliche Weg wird wegen des unregelmäßigen Verlaufes der Strömungen 
ein wesentlich größerer gewesen sein, damit auch die Durchschnittsgeschwindigkeit. 
Mit diesem Fund scheint erwiesen, was schon in dem früheren Aufsatz 
‚Weite Reisen von Flaschenposten« bezüglich der oben gegebenen neun Beispiele 
für möglich gehalten wurde, nämlich daß die in den höheren südlichen Breiten 
ausgesetzten Flaschenposten rund um die Erde treiben könnten, wenn sie nicht 
unterwegs durch Eis aufgehalten würden. 
Immerhin wird sich eine solche Tatsache nur äußerst selten feststellen 
lassen. Beim vorliegenden Fall ist es möglich, weil erstens es sich dabei um 
eine Gegend handelt, aus welcher eine genügend große Anzahl von Flaschen- 
posten zur Verfügung stehen, die alle eine ganz bestimmte, nämlich östliche, 
Richtung eingehalten haben, und weil zweitens die geographische Länge des Aus- 
setzungs- und Fundortes der Flasche des »Seestern« trotz der beträchtlichen 
Entfernung, die zwischen beiden liegt, nahezu übereinstimmt. Das letztere Moment
	        
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