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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910.
Bemerkungen für die Fahrt durch die Patagonischen Kanäle:
1. Allgemeines. Die vorhandenen Karten, die Segelanweisung im Piloten,
Band 2, 1903 und die französischen Vertonungen genügen vollkommen. Auch
bei unsichtigem Wetter ist die Orientierung ohne Schwierigkeit möglich. Das
Fahren geschieht, wie auch die Segelanweisung angibt, nach Augenmaß, da die
zahlreichen Berge, Huken usw. nur oberflächlich vermessen sind, und daher
keine zuverlässigen Peilungen geben.
Die Kompasse zeigen, besonders in der westlichen Hälfte der Magellan-
Straße eine bedeutende westliche Deviation (bei den guten Kompassen $. M. S.
‚Bremen« anscheinend bis zu 10°), die dann im Smith-Kanal allmählich wieder
abnimmt.
Eine Bestimmung der Deviation wird wegen des andauernd bedeckten
Himmels nur in den seltensten Fällen möglich sein. S.M. S. »Bremen« hat wäh-
rend der 10 Tage dauernden Durchfahrt die Sonne nicht gesehen. Der Kompaß
ist mit Berücksichtigung dieses wahrscheinlichen Fehlers dauernd zu beobachten,
um in unsichtigem Wetter bei Abzweigungen von Fjorden den richtigen Kanal
zu halten. Es wird jedoch kaum längere Zeit so unsichtig sein, daß die nächsten
Huken nicht gesehen werden können.
2. Chasm und Escamp Reach. Im Wide Channel empfiehlt sich der Weg
durch Chasm und Escampe Reach, da diese durch die Enge der Durchfahrt, die
teilweise nur 1 Kblg breit ist, und durch die steil abfallenden Gebirgsmassen
einen der schönsten Teile der Straße bilden.
3. Englisch‘ Narrows. Für ein Zweischraubenschiff bilden diese Engen
nicht die geringste Schwierigkeit. Man wähle zur Durchfahrt nach Norden die
Zeit um etwa 1 Stunde nach Hochwasser, und dampfe dann bei dem schwachen
Ebbstrom durch die Engen. Es ist zu bemerken, daß ein durch nördlichen
Wind verursachter nach Süden setzender Oberflächenstrom anscheinend noch
längere Zeit läuft.
4. Die Ankerplätze. a) Die Borja-Bucht. Der Pilote erwähnt für die
Einsteuerung einen Bergeinschnitt. Es ist jedoch nicht auszumachen, welcher
gemeint ist. Man halte daher in die Bucht mit etwa mw. NWzW-Kurs, und
ankere mit Backbordanker, sobald die beiden kleinen äußeren Huken der Bucht
an Backbord in Linie sind, mit Steuerbordanker entsprechend später. b) Puerto
Bueno und Eden Harbour sind die besten Ankerplätze in der ganzen Straße.
Der letztere liegt ganz geschützt gegen die vorherrschenden Winde,
5. Die Witterungsverhältnisse entsprachen den Angaben der Segelhand-
bücher für diese Jahreszeit, Starke nordwestliche Winde, Böen und andauernder
Regen bildeten die Revel.
5. Segelanweisung für die Südostküste von Bougainville von Kiöta bis
Kap Friendship. Nach Vermessung S. M. S. »Planet«, Komdt. Kaptlt. Nippe, vom
Januar bis März 1909.
Die ganze Küste Bougainvilles von Ki@ta bis zum Kap Friendship ist
bergig und dicht bewaldet. Hinter den Küstenbergen liegt ein bis zu 2100 m
ansteigendes Hochgebirge, das Kronprinzengebirge, dessen Gipfel für das An-
steuern von Bougainville gute Peilobjekte darbieten. Kleinere Ebenen liegen nur
bei Toborei und nördlich von Aropa. Eine größere Ebene dehnt sich von
Kewneihuk nach dem Süden der Insel aus.
Die Küste ist nur schwach bevölkert. Die Eingeborenen sind vollständig
friedlich,
An der ganzen Küste ist großer Fischreichtum. Auch Haie sind nicht
selten. In den größeren Flüssen sollen Krokodile vorkommen.
Während die Außenriffe und freiliegenden flachen Stellen im allgemeinen
an Brandung kenntlich sind, muß vor den geschützt liegenden flachen Stellen,
vor allem vor der Untiefe östlich von der Mission bei Ki@ta, gewarnt werden,
da diese auch bei günstigen Verhältnissen nie zu sehen ist.
Schwärme fliegender Fische verleiten häufig zu der Annahme, daß Bran-
dung vorhanden wäre.