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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

371° 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910. 
Die Reihenfolge der Extremphasen der Gezeiten innerhalb eines Tages ist 
durchweg mit geringen Ausnahmen folgende: 1. Höchstes Hochwasser, 2, niedrigstes 
Niedrigwasser, 3. niedrigstes Hochwasser, 4. höchstes Niedrigwasser, 
Der Springtidenhub ist in beiden Jahreshälften ziemlich derselbe, im 
Mittel 1.16 m. Dagegen ist der Mittelwasserstand bei nördlicher Deklination der 
Sonne bedeutend niedriger, als bei südlicher Deklination. Das mittlere Spring- 
niedrigwasser (Kartenniveau) schneidet den Pegel in Kiöta in + 0.11 m. Der 
Tidenhub beim ersten und letzten Mondviertel beträgt stets weniger als 1, m. 
Übersicht über die Gezeitenverhältnisse im Bismarck-Archipel 
Die diesjährigen systematischen Registrierpegel-Beobachtungen in Kita und die 
sich nur über einen kurzen Zeitraum erstreckenden Pegelbeobachtungen in Peter- 
hafen (Witu-Inseln) ergeben im Verein mit den teilweise spärlichen, an Bord 
S. M. S. »Planet« vorhandenen Gezeitenangaben von Finschhafen (N. &G.C.) und 
Neu-Hannover (Kommando S. M, S. »Planet« 1907) folgendes Bild der Gezeiten im 
Bismarck-Archipel., 
Im ganzen Archipel richten sich die Gezeiten nach dem Sonnenstande, und 
zwar ist in den Monaten, in denen die Sonne nördlich vom Äquator steht, das 
höchste Hochwasser stets einige Stunden nach Mitternacht, in den Monaten da- 
gegen, in denen sie südlich davon steht, einige Stunden nach Mittag. Im west- 
lichen Teile des Archipels — Neu-Guinea — tritt das Hochwasser immer ungefähr 
zur selben Tagesstunde ein. Je weiter nach Osten, um desto mehr verschieben 
sich die Verhältnisse in der Weise, daß an Stelle der Eintagstiden Halbtagstiden 
treten. Letztere werden jedoch nach dem ersten und letzten Mondviertel durch 
Eintagstiden unterbrochen. 
Bei den im westlichen Teile des Archipels gelegenen Orten mit reinen 
Eintagstiden tritt das Hochwasser fast immer zur selben Tagesstunde ein, vor- 
mittags bei nördlicher, nachmittags bei südlicher Deklination der Sonne. Da- 
gegen tritt in den östlichen Teilen das höchste Hochwasser je nach den Mond- 
phasen zwischen 2% und 6*h ein, vormittags bei nördlicher, nachmittags bei südlicher 
Deklination der Sonne, 
Man kann also nirgends im Archipel von Hafenzeit sprechen, sondern 
muß dafür die Tagesstunden angeben, an denen das Hochwasser eintritt. Im 
östlichen Teile des Archipels ist diese Angabe noch zu ergänzen durch 1. die 
Zeit des Hochwassers bei Voll- und Neumond, 2. die Zeit des Hochwassers beim 
ersten oder letzten Mondviertel, 3. die Angabe, wie lange nach dem ersten oder 
letzten Mondviertel Eintagstiden sind. 
3. Von Jaluit nach Gaspar Rico und zurück über Bikar und Mejit. 
Bericht S. M. S. »Condor«, Komdt. K-Kapt. Kranzbühler, vom 24. November 1909. 
Am 8, November 1906 um 6h 30mir V ging S. M. S. »Condor« von Jalhuit 
in See, um nach Gaspar Rico zu fahren, wo es am 11. November 2h N ankam, 
Bis zur Ostspitze von Jaluit machte sich sehr starker Südweststrom, nach 
Passieren dieser Spitze sehr starker Nordweststrom bemerkbar, der sich allmählich 
zum Weststrom ausbildete. Auffallend war es, daß dieser Strom während der 
Fahrt bis zur Höhe von Ailinglap zum starken Oststrom wurde, während vom 
9. November mittags an nur westlicher Strom beobachtet wurde. 
Am Mittag des 11. November, nachdem das Besteck eingetragen war, sollte 
der Kurs auf das Südende des Riffes von Gaspar Rico führen. Gegen 1 30min N 
wurde aber die Insel Sibylla des Gaspar Rico-Atolls 3 Strich an Backbord ge- 
sichtet. Das Schiff steuerte darauf mit westlichem Kurse auf diese Insel zu und 
mußte später mit südwestlichem Kurse am Riff entlang steuern, um nach der 
Westseite des Atolls zu gelangen. Hieraus ergab sich, daß die ganze Insel um 
etwa 20 Sm nach der Richtung SO!4S in der deutschen Admiralitätskarte Nr. 77 
(Tit. XI, Nr. 409) falsch liegt. Dasselbe Resultat ergab sich auch beim Verlassen 
der Insel nach den am Abend angestellten astronomischen Beobachtungen. 
In der Nacht vom 11. zum 12. November stand das Schiff mit kleiner 
Fahrt an der Westseite des Atolls ab und an. Es wurde während der Nacht 
etwa 15 Sm nach WzS durch Strom versetzt. Vom 12. morgens bis 13. mittags 
hielt sich das Schiff an der Westseite des Riffes auf, Während dieser Zeit
	        
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