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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

370 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910. 
rechnet ist, geht zunächst zur Marokkanischen Küste, von hier nach den Azoren, 
alsdann wahrscheinlich nach Neufundland und über Island zurück nach Norwegen. 
Nach einer kurzen, schon veröffentlichten Mitteilung ist es gelungen, das Schiff 
vor der Gibraltarstraße in 300 Faden Tiefe zu verankern und hier den aus- 
laufenden Tiefenstrom zu messen. Dieser hatte eine Geschwindigkeit von 5 Knoten 
(wahrscheinlich auf 24 Stunden gerechnet). Wasser von diesem Tiefenstrom 
wurde schon in der Biscaya See nachgewiesen, wie auch früher von »Planet« 
und »Thor«, Neben den allgemeinen ozeanographischen und biologischen Unter- 
suchungen ist ein Hauptziel der Expedition, zu versuchen, im freien Ozean exakte 
Strommessungen auszuführen. An der Fahrt nimmt neben Hjort und Sir John 
Murray als Ozeanograph Helland-Hansen sowie Gran als Biologe teil. 
Die 3. Norwegische Polarexpedition auf der »Fram«. “ 
Auch diese Expedition hat neben ihrer Hauptaufgabe, der Wiederholung 
der Nansenschen Trift durch das Nordpolarbecken, die Durchführung eines 
umfangreichen ozeanographischen Programms in den Vordergrund gestellt. Die 
Expedition, deren Zustandekommen eine Zeit lang aus Mangel an Mitteln zweifel- 
haft war, ist jetzt gesichert und wird in diesem Sommer die Fahrt um Kap Horn 
nach der nordamerikanischen Westküste antreten; im Frühjahr 1911 geht das 
Schiff von San Franzisko nach der Beringstraße, um sich weiter im Norden vom 
Packeis einschließen zu lassen. Im Eis eingeschlossen, hofft man in etwa 5jäh- 
riger Trift über den Pol in das europäische Nordmeer zu gelangen. Führer der 
Expedition ist der durch die Bezwingung der Nordwestpassage bekannte Norweger 
Amundsen, dem die Regierung das bewährte Polarschiff »Fram« zur Verfügung 
gestellt hat. Die Expedition will schon während der Ausreise ozeanographische 
und aerologische Beobachtungen ausführen, die später während der Trift durch 
das Polarbecken dauernd fortgeführt werden sollen. Die Verproviantierung des 
Schiffes ist auf 7 Jahre berechnet. 
Die Britische antarktische Expedition. 
Die »Terra Nova«, welche die Expedition von Lyttelton auf Neu Seeland 
nach dem Me Murdo Sund, der alten Operationsbasis der Engländer auf Victoria- 
Land, führen soll, hat schon Anfang Juni England verlassen und wird Mitte 
Oktober in Lyttelton erwartet. Wie die Zeitschrift »Nature« mitteilt, soll das 
Schiff nicht wie in früheren Jahren erst Ende Dezember die Fahrt nach dem 
Süden antreten, sondern schon Ende November Neu Seeland verlassen; man 
hofft das Packeis früher, als sonst versucht worden ist, durchfahren und die 
antarktische Küste Ende Dezember erreichen zu können. Im Me Murdo Sund 
wird der Haupteil der Expedition gelandet, die Überwinterungsstation angelegt 
und sogleich mit dem Vorschieben von Proviantdepots nach Süden begonnen, 
Das Schiff selbst soll Mitte Januar 1911 nach Osten gehen, um König Eduard-Land 
zu erforschen. Hier soll gleichfalls eine kleinere Landexpedition mit Proviant 
ausgesetzt werden, während die »Terra Nova« nach Anlaufen des Me. Murdo 
Sundes nach Norden zurückgeht, um, falls der Kohlenvorrat reicht, das Packeis 
bei den Balleny-Inseln zu untersuchen und hier nach Westen oder Süden vor- 
zudringen. Anfang April soll das Schiff dann wieder nach Neu Seeland zurück- 
kehren. Die Landexpedition vom Me. Murdo-Sund wird während des Winters 
die Vorbereitungen zu dem im Oktober geplanten Vorstoß nach dem Südpol 
treffen; im Oktober und November hofft der Führer, Kapitän Scott, die Eis- 
barriere und den Gletscher zu bewältigen und Anfang Dezember das von Shackleton 
in Richtung des Südpols gesichtete Hochplateau zu erreichen, Zweiter im Kom- 
mando ist Leutnant E. R. G. R. Evans, Chef des wissenschaftlichen Stabes 
Dr. E. A. Wilson. Br.
	        
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