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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Brennecke, W.: Ergebnisse d, norwegischen: Untersuchungen 1900/04 im Europäischen Nordmeer. 369 
peratur und geringeren. Salzgehalts (also leichteres Wasser) von 150 m Dicke 
das eigentliche Bodenwasser bedeckte, Die Verfasser bringen jetzt neues Ober- 
flächenmaterial aus dem fraglichen Gebiet (72° bis 75° N-Br., 2° O-Lg. bis 8° W-Lg.), 
welches im März bis Anfang Mai gesammelt ist und Temperaturen von: — 1.2° 
bis — 1.9° sowie Salzgehaltswerte von 34.7 bis 34.9 9/9 aufweist; dieses Wasser 
entspricht den Bedingungen zur Bildung des Bodenwassers. Erwähnt sei, daß 
Oberflächenwasser mit ähnlichen Eigenschaften auch zwischen Island und Jan 
Mayen gefunden worden ist, so daß hier wahrscheinlich sich gleichfalls‘ Boden- 
wasser bildet. Die zum Absinken des Bodenwassers notwendige Dichte ist, da 
sich die Dichte bei Temperaturen um :— 1° herum wenig ändert, in erster Linie 
abhängig vom Salzgehalt, so daß hierdurch die Gleichmäßigkeit desselben im 
Bodenwasser bedingt ist. Das Oberflächenwasser, welches absinkt, ist ursprüng- 
lich gebildet durch eine Mischung von abgekühltem, atlantischem Wasser mit 
Wasser der polaren Strömung, und zum Teil vermischt mit Schmelzwasser von Eis, 
welches in diesen Gebieten während des Sommers geschmolzen und auch in diesen 
Gebieten im vorhergehenden Winter entstanden ist. Das Bodenwasser mit niedrigen 
Temperaturen hat keinen‘ Auslaß zum Südatlantischen Ozean; ‚es wird sich nur 
langsam erwärmen und sodann in höherem Niveau abfließen. Da‘ auch nur 
kleine Mengen von Bodenwasser in jedem Winter neu gebildet werden können, . so 
ist die Zirkulation des Bodenwassers und seine Erneuerung ein sehr langsamer 
Vorgang. ; 
Von den Schiffs- Expeditionen des Jahres 1910. 
Die Dänische Tiefsee-Expedition auf dem »Thor«. 
Ende Mai hat der dänische Forschungsdampfer »Thor« Kopenhagen ver 
lassen, um ozeanologische und biologische Untersuchungen im Nordatlantischen 
Ozean und im Mittelländischen Meer auszuführen. Leiter ist Dr. Joh. Schmidt, 
den Nielsen als Ozeanograph, Ostenfeld und Paulsen als Biologen und Palitsch 
als Chemiker begleiten. Die Expedition, die zuerst bei Island und den Färöer 
auf den internationalen Stationen arbeiten wird, wird zum Teil von der Regie- 
rung, zum Teil vom Carlsberg Fond bestritten. Im Nordatlantischen: Ozean 
sollen eine Reihe von Stationen zwischen Island und Irland einerseits und zwischen 
Island und der Marokkanischen Küste andererseits ausgeführt werden, um Bei- 
träge zur Zirkulation des Atlantischen Ozeans zu sammeln. Sehr wenig gesichert 
ist unsere Kenntnis bislang vom romanischen Mittelmeer, wo der »Thor« schon 
im Winter 1908/09 gearbeitet hat. Das durch einen unterseeischen Rücken in 
der Straße von Gibraltar abgeschlossene Meeresbecken zerfällt in: zwei Einzel- 
becken, getrennt durch einen unterseeischen Höhenzug zwischen Tunis und Si:- 
zilien, deren jedes eine in sich geschlossene Zirkulation haben müssen, Neben 
Temperatur-, Salzgehalt- und Strömungsbestimmungen in den einzelnen Tiefen- 
schichten soll die chemische Zusammensetzung des Seewassers (Sauerstoff, Stick- 
stoff, Kohlensäure, Alkalinität u. a. m.) nach neuen im Carlsberg Laboratorium 
ausgearbeiteten Methoden untersucht werden; man hofft hierdurch Einblick in 
die Bedingungen der Unterschiede des organischen Lebens in den verschiedenen 
Tiefen zu erhalten. Hand in Hand mit den ozeanographischen gehen stets bio- 
logische Untersuchungen, die sich namentlich auf die Bestimmung der Be- 
ziehungen zwischen ‚der atlantischen und Mittelmeer - Fauna erstrecken sollen. 
(»Nature«, Nr. 2118.) ; 
Die Norwegische Tiefsee-Expedition auf dem »Michael Sars«. 
Ähnliche Forschungen wie die dänische verfolgt auch die schon im April 
aufgebrochene norwegische Expedition, deren Leiter Hjort ist. Zu diesen Unter- 
suchungen hat die norwegische Regierung den Fischereidampfer, »Michael Sars« 
zur Verfügung gestellt, indessen die Kosten von Sir John Murray aus Edinburgh 
bestritten werden. Die Fahrt des »Michael Sars«e die auf etwa drei Monate be-
	        
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