368 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910.
Abzweigung der ostisländischen Polarströmung durch den Widerstand, den der
Ostgrönlandstrom an dem unterseeischen Rücken und durch die entgegenkommende
Irmingerströmung findet, hierzu dürften noch die vorherrschenden Windverhältnisse
dieses Gebiets!) hinzutreten. Die Verfasser diskutieren sodann an zahlreichen
Schnitten den weiteren Verlauf der Strömung entlang der Nordseite des Island-
Färöer-Rücken und eventuelle jahreszeitliche und jährliche Anderungen in der
Ausdehnung derselben,
Den Schluß des Kapitels über die Polarströmungen bildet ein Abschnitt
über das Eis, indem die Verfasser unterscheiden zwischen Polareis, aus dem
Nordpolarbecken kommend, und arktischem Eis, das bei Spitzbergen, Grönland
usw. sich im Winter bildet, Es wird besonders darauf hingewiesen und belegt,
daß das Schmelzen des Eises nur durch die Sonnenwärme von oben erfolge und
nicht durch die Wärme der unterlagernden Warmwasserschicht, wie Pettersson
annimmt. Auch wird betont, daß das Polarwasser in der Hauptsache aus dem
Wasser der Sibirien und Nordamerika entwässernden Flüsse besteht in Mischung
mit atlantischem, in das Polarbecken eingeführten Wasser.
Kap. X. Das zyklonische System des südlichen und nördlichen Teils des
Europäischen Nordmeeres.
In diesem Kapitel geben die Verfasser eine Zusammenstellung der Ergeb-
nisse über die zyklonischen Bewegungen, zu denen sie bei Erörterung der
einzelnen Strömungen gelangt sind. Das Nordmeer weist, wie schon Mohn dar-
gelegt hat, ein primäres großes Zirkulationssystem auf, das durch den Atlanti-
schen Strom im Osten und den Ostgrönlandstrom im Westen des Nordmeeres
gebildet wird. Dieses große zyklonische System gliedert sich in verschiedene
kleinere, deren eines im Norwegischen Meer, eines in der Grönland-See und eines
in der Island-See (vgl. Kapitel III) liegt, Die Hauptursachen für diese kleineren
Zirkulationssysteme sind in der Morphologie des Nordmeeres gegeben, indem
unterseeische Erhebungen, die sich von den Festländern nach See zu erstrecken,
die Richtung der Strömungen beeinflussen. In Betracht kommen hierfür: Der
Helgeland-Rücken westwärts der Lofoten, der Spitzbergen-Grönland-Rücken, das
Jan Mayen - Plateau und der Rücken zwischen Grönland und Schottland mit
Island und den Färöer-Inseln. Innerhalb dieser Systeme kommen noch eine
Reihe kleinerer Wirbelbewegungen vor, die zum Teil sehr veränderlich sind,
Einen Einblick in diese Zirkulation in großen Zügen gewähren unsere Abbildungen
Fig. 2 und Fig. 7; eine exaktere Darstellung geben Fig. 106 und 107 des Werkes
selbst, Hingewiesen sei nur noch auf die Übereinstimmung, die die Verfasser
zwischen ihrem Zirkulationsschema des Norwegischen Meeres und der Verbreitung
verschiedener Kalaniden-Formen, wie sie Damas kartographisch festgelegt hat,
gefunden haben.
Kap. XI. Das Bodenwasser des Europäischen Nordmeeres.
Das Bodenwasser des Europäischen Nordmeeres.zeichnet sich durch seine
niedrige Temperatur 0° bis —1.3° und seinen gleichförmigen Salzgehalt 34.90 bis
34.94 9/0 aus; es bildet über zwei Drittel des Gesamtwasservolumens dieses
Meeres und die Grundlage, auf welcher die atlantischen und polaren Gewässer
dahinströmen. Westlich des Atlantischen Stromes, dessen Tiefe zwischen 600
und 1100 m schwankt, erhebt sich das Bodenwasser zu höheren Niveaus und
erreicht in dem Gebiet nördlich und nordöstlich von Jan Mayen die Oberfläche.
Wenn diese Oberfläche im Winter und Frühling sich abkühlt oder Eisbildung
stattfindet, sinkt das schwere erkaltete Oberflächenwasser, wie Nansen in einer
früheren Arbeit dargelegt hat, durch die Wasserschichten gleicher Dichte zu
Boden.)
Nansen standen seinerzeit nur die Beobachtungen von Amundsen zur
Verfügung, die in den Sommer fielen, wo eine Oberflächenschicht höherer Tem-
i) Vgl. Brennecke in »Ann, d. Hydr. usw.« 1904, S, 54.
2) Vel. Perlewitz in »Ann. d. Hydr. usw.« 1908, £. 147 ff.