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Annalen der Hyrdrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1910,
Die Nowaja Semlja-Expedition des Herzogs von Orleans im Sommer 1907.
Nach dem Tagebuch der »Belgica«, Kapt. De Gerlache,
Das Ziel der Expedition war die Erforschung der hydrographischen Ver-
hältnisse an der Küste von Nowaja Semlja und im Karischen Meere. Das Expeditions-
schiff »Belgica«, Kapt. De Gerlache, mit dem Herzog von Orleans an Bord,
lief am 8. Juli 1907 von Vardö aus und erreichte am 12. Juli, ohne in der
Barents-See Eis angetroffen zu haben, die Küste von Nowaja Semlja beim Kap
Britwin. Am 13. Juli wurde in die‘ Straße Matotschkin Schar eingelaufen, die
am 15. Juli passiert war; die einzigen Hindernisse in der Straße, zwei Gürtel
von Wintereis, konnten ohne große Schwierigkeit durchfahren werden. Vom Ost-
ende der Straße bot sich ein sehr ungünstiger Ausblick; so weit man sehen konnte,
war das Karische Meer bis an Nowaja Semlja heran mit Treibeis bedeckt. Trotz-
dem wurde beschlossen, den Weg in das Karische Meer fortzusetzen und in das
Eis einzudringen. Aber schon am 16, Juli saß die »Belgica« ungefähr in
72° 51’ N-Br. einige Seemeilen östlich vom Kap Schubert im Eise fest. Damit
begann die langwierige Trift längs der Ostküste der südlichen Insel nach Süden,
Am 16. August war die »Belgica« in 70° 37’ N-Br. vor der Osteinfahrt der
Karischen Straße. Sie hatte für die etwa 133 Sm lange Strecke 31 Tage ge-
braucht, war also wenig über 4 Sm täglich getrieben. Nun ging die Trift durch
die Karische Straße, wobei das Schiff mehrfach in Gefahr kam, durch das Eis
auf die Klippen oder Inseln an der Nordseite gedrängt zu werden. Am 20, August
war die Straße passiert und die »Belgiea« vom Eise befreit; die Fahrt konnte
endlich in eisfreiem Wasser längs der Westküste der südlichen Insel nach
Norden aufgenommen werden. Dabei geriet die »Belgica« in der Gribowaja-
Bucht, die erforscht werden sollte, auf eine unbekannte blinde Klippe, kam aber
bei Hochwasser, nachdem 50 t Kohlen geworfen worden waren, ohne großen
Schaden wieder ab und lief nach der Pomorskaja-Bucht an der Westeinfahrt von
Matotschkin Schar. Der Plan, nochmals einen Vorstoß in das Karische Meer zu
versuchen, mußte wegen Kohlenmangels aufgegeben werden. Am 29, August
wurde längs der Westküste der nördlichen Insel in eisfreiem Wasser nach
Norden weitergelaufen, bis am 1. September etwa 75 Sm nordnordöstlich vom
Nordostende von Nowaja Semlja die Packeisgrenze das weitere Vordringen un-
möglich machte, Darauf wurde der Rückweg nach der norwegischen Küste an-
getreten, die am 11. September erreicht wurde,
Während der ganzen Zeit wurden regelmäßige meteorologische und
hydrologische Beobachtungen ausgeführt, von denen der Tagebuchauszug
(Extraits du journal de bord, par A. de Gerlache, campagne arctique de 1907)
Zeugnis ablegt, Hier soll zunächst auf die von der Expedition angetroffenen
Eisverhältnisse, über die der Tagebuchauszug ausführliche Bemerkungen enthält,
wegen ihrer Bedeutung für die Schiffahrt in diesen Gewässern näher ein-
gegangen werden.
In der Barents-See waren die Eisverhältnisse während des ganzen Sommers
1907 im allgemeinen günstig. »Belgica« traf dort, wie bereits bemerkt, auf der
Ausreise überhaupt kein Eis an. Ebenso günstig waren die Eisverhältnisse in
Matotschkin Schar, wo sich sonst die feste Eisdecke gewöhnlich nicht vor Mitte
Juli öffnet; frei vom Wintereis wird diese Straße gewöhnlich erst Ende Juli
oder Anfang August, zuweilen noch später. Am 13. und 14. Juli waren in der
Straße nur noch zwei Gürtel von Wintereis vorhanden, die beide quer über die
ganze Straße reichten und in der Mitte hart, an beiden Seiten aber mürbe
waren. Der erste etwa 1200 m lange Gürtel lag etwas östlich vom Kap Morschow,
der zweite etwa 800 m lange, aber viel härtere Gürtel etwa in der Mitte der
Straße; dieser konnte in 7 Stunden durchbrochen werden. Am 26. August,
beim zweiten Aufenthalt der »Belgica« in der Westeinfahrt der Straße, waren
diese beiden festliegenden Eisgürtel offenbar schon verschwunden, denn Schollen
und Streifen von Treibeis kamen vom Osten her mit dem Gezeitenstrom bis
über das Kap Tscherny hinausgetrieben. Weiter ostwärts, jenseits des Kaps
Morschow, war die Straße mit dichtem Paekeis angefüllt, das offenbar aus dem