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Amnalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910.
Die jahreszeitlichen Änderungen der Atlantischen Strömung unter-
suchen die Verfasser nur an der Hand der für den Sognefjord-Schnitt vorliegenden
Beobachtungen des Jahres 1903, da in den anderen Jahren keine Beobachtungen
zu allen Jahreszeiten vorhanden sind. Die 35%. Isohaline nahe der norwegischen
Küste bildet die Grenze zwischen dem Atflantischen Strom und dem Küstenwasser;
sie zeigt deutliche jahreszeitliche Änderungen in ihrer Lage zur Küste, indem sie
im Frühling und Sommer weiter von Land ab liegt wie in den anderen Jahres-
zeiten. Dieses ist zurückzuführen auf die Zunahme der Menge und der Tempe-
ratur des Küstenwassers im Frühling und Sommer, Die Form der Isothermen
und Isohalinen des Vertikal-Schnitts zeigt deutliche Unterschiede zwischen Winter
und Sommer; im Februar verlaufen sie fast senkrecht, im August auf weiten
Strecken horizontal. Dieses erklärt sich durch die Vertikal-Konvektion im Winter,
die eintritt, wenn sich die Oberfläche so stark abkühlt, daß hier das Wasser
schwerer wird wie in den tieferen Schichten, so daß schließlich eine Schicht von
200 und mehr Meter Tiefe gleiche Temperatur, Dichte und gleichen Salzgehalt
aufweist. Die Verfasser berechnen wiederum die mittleren Temperaturen des
Atlantischen Wassers im Sognefjord-Schnitt für die verschiedenen Jahreszeiten
von 1903, wobei berücksichtigt werden muß, daß die Zahlen nicht die Schwan-
kungen der Temperatur für dasselbe Wasser, sondern nur für dasselbe Gebiet
zu verschiedenen Zeiten gelten. Aus der Tabelle gebe ich die nachfolgenden
Zahlen wieder:
Mittlere Temperatur des Wassers über 35°/9 unter der Oberfläche.
Februar Mai August November Mittel
7.86 7.23 7.66 8.13 7.72 C°
Dieselbe an der Oberfläche,
7,59 7.41 10.83 8,54 8.59 C°
Die Veränderlichkeit der Mitteltemperatur des Tiefenwassers des Atlan-
lantischen Stromes ist in den einzelnen Jahreszeiten geringer als 1°C und etwa
von derselben Größe wie die Veränderlichkeit im Monat Mai in verschiedenen
Jahren, z. B. 6.20 im Mai 1901 und 7.24 im Mai 1902. Die Veränderlichkeit der
Mitteltemperatur des Oberflächenwassers ist erheblich größer und beträgt an-
nähernd 4°, wenn wir annehmen, daß die Extreme nicht mit den Monaten Mai
und August zusammen fallen.
Kap. VIII. Das norwegische Küstenwasser.
Einen sehr dankenswerten Beitrag sowohl für die Kenntnis des Nordmeeres
wie auch für die allgemeine Meereskunde bieten die Verfasser in ihrer Diskussion
des norwegischen Küstenwassers und seiner Änderungen. Das Küstenwasser
wird gekennzeichnet durch seinen Salzgehalt; dieser ist (mit Ausnahme des
Skagerraks) westlich der norwegischen Küste in der Regel über 31° g an der
Oberfläche, die Grenze gegen das Atlantische Wasser bildet die 35%.) Isohaline.
In einzelnen Fällen ist es nicht leicht, die im allgemeinen scharf ausgeprägte
Grenze zwischen Küsten- und Atlantischem Wasser festzustellen, wenn z, B. Küsten-
wasser durch heftigen Wind weit nach See geführt ist, so daß Streifen von Wasser
über und unter 35%, abwechseln, oder wenn heftige Regengüsse den Salzgehalt
des Atlantischen Wassers in der obersten Schicht herabgesetzt haben.!) Der
Salzgehalt des Küstenwassers nimmt von Norden nach Süden von 28,3% in
58° 21’ N-Br. bis 34.8 9 in 70° N-Br. zu, wenn man eine Reihe von Werten, die
in annähernd gleichem Küstenabstand im Mai und Juni 1904 gewonnen sind,
vergleicht; gleichfalls nimmt der Salzgehalt nach der Tiefe hin zu, so daß in
100 m Tiefe fast der gleiche Salzgehalt längs der ganzen norwegischen Küste
vorhanden ist. Das Küstenwasser bewegt sich längs der norwegischen Küste
vom Skagerrak zur Barents-See; sein Salzgehalt nimmt durch Mischung mit
Atlantischem Wasser stetig zu, während der Salzgehalt des Atlantischen Stromes
‘') Siehe hierfür die Beispiele in »The Norwegian Sea« S, 235,