Brennecke, W.: Ergebnisse d. norwegischen Untersuchungen 1900/04 im Europäischen Nordmeer, 361
Helland-Hansen auf dem norwegischen Küstenschelf ausgeführt worden; sie
argaben noch in 250 m Tiefe ‘dicht über dem Becken die relativ großen. Ge-
schwindigkeiten von 10 Sm in 24 Stunden, Die Verfasser berechnen nach der
Bjerknesschen Theorie Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den einzelnen
Schichten eines Schnittes und kommen zu Resultaten, welche gut zu den beobach-
teten Werten stimmen, jedoch ergeben sich zwischen den einzelnen Stationen
(gewissermaßen in den verschiedenen Bändern) einer Strömung . beträchtliche
Unterschiede. in der Geschwindigkeit, die die verschiedenste Ursache, wie .die
Topographie des. Meeresbodens, atmosphärische Einflüsse usw. haben können.
Interessant, wenn auch noch sehr annäherungsweise, sind die Berechnungen über
die bewegten Wasser-Volumina, Durch die Färöer-Shetland-Rinne wurden im
August 1902 etwa 4 Millionen Kubikmeter pro Sekunde nordwärts geführt, nach
einer anderen Berechnung Mai-Juni 1904 4!/, Millionen; . durch einen Schnitt
seewärts von Stad an der norwegischen Küste 3.8 Millionen, durch den Lofoten-
Schnitt 2.3 Millionen Kubikmeter pro Sekunde. Rechnet man das Totalyolumen des
Europäischen Nordmeeres zu 4.12 Millionen Kubikkilometer und nimmt nach obigem
an, daß durch die Färöer-Shetland-Rinne imJahr 125000 ‘bis 160000 Kubikkilometer
zugeführt werden, so ergibt sich, daß der Atlantische Strom 30 Jahre gebrauchen
würde, um das Becken zu füllen, Auch hieraus ist zu schließen, daß die Strö-
mung in zahlreichen Windungen ihren Weg nordwärts nimmt, da die Gesamt-
menge Atlantischen Wassers im europäischen Nordmeer beträchtlich größer ist
wie die jährlich zugeführte.
B. Jährliche und jahreszeitliche Schwankungen,
Daß die Wärmeführung bzw. Intensität der einzelnen Zweige des Nord-
Atlantischen Stromsystems beträchtlichen Schwankungen unterliegt, die in be-
stimmten Beziehungen zu den Witterungsanomalien längerer Zeiträume der be-
nachbarten Festlandsgebiete stehen, haben uns die grundlegenden Arbeiten von
Pettersson und Meinardus gezeigt; gleichfalls weist der großen Schwankungen
unterliegende Eisandrang aus dem Nordpolbecken auf Anderungen .in der Zir-
kulation hin. Die Verfasser greifen das Problem von einer neuen Seite an.
Pettersson und Meinardus konnten zur Charakterisierung der Zirkulations-
schwankungen sich nur auf die Beobachtungen von der Oberfläche des Meeres
(Temperatur der Meeresoberfläche an Küstenstationen, Eisverbreitung) stützen,
zogen aber in den Kreis der Untersuchungen ein mehrere Jahrzehnte umfassendes
Material. Nansen und Helland-Hansen diskutieren in der Hauptsache die
Änderungen, die ein durch die Strömung gelegter Vertikalschnitt aufweist, sind
aber hierdurch einerseits auf den kurzen Zeitraum von fünf Jahren beschränkt,
anderseits steht ihnen ‚für jedes Jahr nur ein Augenblicksbild aus dem Monat
Mai zur Verfügung. Die Ergebnisse, zu denen die Verfasser gelangen, sind in
hohem Maße von Interesse, sind aber, wie sie auch selbst betonen, .keineswegs
gesichert.
_ Die Untersuchung ist in den Hauptzügen aufgebaut auf die Schwankungen
der mittleren Temperatur des Atlantischen Wassers unterhalb der Oberfläche in
einem Vertikalschnitt querab vom Sognefjord und querab von den Lofoten in
den Mai-Monaten der verschiedenen Jahre....Es ergibt sich bei einer Vergleichung
sowohl der mittleren Temperaturen der beiden Schnitte wie des Gesamtwärme-
inhalts derselben die Beziehung, daß die Abweichungen eines Jahres ‘beim
Sognefjord den Abweichungen des nächsten Jahres bei den Lofoten entsprechen
und diesen wieder ein Jahr später gleichsinnige Abweichungen im Barents-Meer
folgen. (Vgl. das Diagramm, Fig. 3, auf Seite 362.) Die Kurven wirken be-
stechend, aber die Schlußfolgerungen, die die Verfasser ziehen, scheinen in mehr-
facher Hinsicht zu weitgehend, Kurve IV des Diagramms gibt z. B. das Areal
eisfreien Wassers für die Barents-See im Mai an, ausgemessen nach den von dem
dänischen Institut veröffentlichten Karten; die Verfasser sind der Ansicht, daß
die Eisverteilung im Mai im Barents-Meer weniger von den meteorologischen
Verhältnissen wie von der im Wasser aufgespeicherten Wärmemenge abhängt.
Ann. d. Hydr. usw... 1910. Heft VII.