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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

360 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910. 
ist, so dürften außer Änderungen in der Geschwindigkeit der Oberflächenströmung 
auch Änderungen in der Mächtigkeit der Zufuhr dieses Tiefenwassers zur Er- 
klärung in Betracht zu ziehen sein, 
Kap. VII. Der Norwegische Atlantische Strom. 
A. Verlauf, Ausdehnung und Geschwindigkeit der Strömung. 
Unter dem Norwegischen Atlantischen Strom verstehen die Verfasser den 
durch die Färöer-Shetland-Rinne. und über den Färöer-Island-Rücken in das 
Nordmeer eintretenden Golfstromzweig, der sich längs der norwegischen Küste 
nach Norden bewegt. Da ein großer Teil der Wassermassen nicht geradlinig, 
sondern in mehrfacher Wirbelbewegung nach Norden geführt wird, so ist es 
schwer, aus einzelnen Schnitten senkrecht zur Haupt-Stromrichtung sichere Schlüsse 
über das Volumen und die Entwicklung der Strömung zu ziehen. Die Haupt- 
masse des norwegischen Atlantischen Stroms kommt durch die Färöer-Shetland- 
Rinne, von Süden nach Nordosten und Osten strömend entlang der Shetland- 
Bank; ein kleinerer Teil der Strömung geht in östlicher Richtung, nördlich der 
Färöer, um sich entweder später direkt der Hauptströmung im Osten an- 
zuschließen oder wie Helland-Hansen ausführt, erst von Norden in die Rinne 
nach Süden einzubiegen, und sich erst später mit der Hauptmasse des nordwärts 
strömenden Wassers zu vereinigen.!) 
Im europäischen Nordmeer hält sich die Hauptströmung längs des kon- 
tinentalen Steilabfalles; ein Teil derselben kurvt jedoch nach Westen und Süden 
und längs des Helgeland-Rückens ab, trifft hier mit dem ostisländischen Polar- 
strom zusammen und bildet so einen Stromwirbel im südlichen norwegischen 
Meer, dessen Zentrum zwischen 65 und 66° N-Br. und 0 bis 4°W-Lg. liegt. (Vgl. auch 
Fig.2.) Dieser Wirbel ist stetig vorhanden und nur in Einzelheiten Anderungen unter- 
worfen. Atlantisches Wasser (über 35 9/9) ist überall dort auf dem norwegischen 
Kontinental-Schelf vorhanden, wo dieser 200 bis 300 m Tiefe aufweist, ebenso in 
den tieferen Teilen der Fjorde, wenn sie nicht durch einen hohen Rücken ab- 
geschlossen sind. Das weniger salzhaltige Küstenwasser, das nach See zu ab- 
strömt, erzeugt einen Reaktionsstrom in der Tiefe, der salzhaltigeres Wasser 
unter dem Küstenwasser nach Osten führt. 
Vergleicht man die Tiefenlage der 35 %/9-Isohaline im südlichen und nörd- 
lichen Teil des norwegischen Meeres, so ergibt sich, daß Wasser über 35% 9 
jm Süden im Durchschnitt bis 400 m, im Norden (Lofoten-Schnitt) bis etwa 
700 bis 800 m Tiefe angetroffen wird. Hieraus ist zu schließen, daß auf dem 
Wege nach Norden das Atlantische Wasser sich mit dem darunter liegenden 
Wasser stetig mehr mischt, indem auch gleichzeitig die Größe des Salzgehalts 
sich verringert. Zurückzuführen ist die starke Mischung auf die zahlreich auf- 
tretenden Wirbelbewegungen. 
Die vom Golfstrom von Süden zugeführte Wassermasse verläßt das 
europäische Nordmeer auf folgenden Wegen: Ein Teil fließt mit dem Nordkap- 
strom in die Barents-See und gelangt zum großen Teil in das Nordpolarbecken, 
um mit dem Ostgrönländischen Polarstrom zurückzukehren; ein anderer Arm der 
Strömung geht gleichfalls nach Norden entlang der Westküste Spitzbergens in das 
Polarbecken, biegt aber teilweise nach Westen um und ist an der Bildung des Ost- 
grönland-Stromes beteiligt. Der Hauptabfluß aus dem europäischen Nordmeer findet 
zwischen Island und Grönland statt über den unterseeischen Rücken; der Abfluß 
auf dem Färöer-Island-Rücken ist nur sehr gering. Das das Nordmeer ver- 
Jlassende Wasser zeigt nur selten über 35% 9 Salzgehalt, da es zu stark mit an- 
derem Wasser durchmischt worden ist. Zu erwähnen ist noch, daß ein Teil des 
Atlantischen Wassers schon im Nordmeer sich westwärts zum Ostgrönländischen 
Polarstrom bewegt und mit diesem nach Süden strömt; auch wird ein Teil um- 
geformt zu Bodenwasser., 
Sehr wenig wissen wir bislang über die wirklichen Geschwindigkeiten in 
den einzelnen Tiefenschichten des Meeres. Direkte Messungen sind nur von 
i) Siehe S..134 bis 142 des Werkes.
	        
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