Brennecke; W.: Ergebnisse d, norwegischen Untersuchungen 1900/04 im Europäischen Nordmeer, 359
jedenfalls interessant; wenn die Vorgänge zum Teil auch nicht so: verlaufen, so
scheint doch aus dem Verlauf des Isothermen und Isohalinen hervorzugehen, daß
der Hauptteil der Strömung sich nicht geradlinig nach Norden bewegt, sondern
ein: kompliziertes System von wirbelförmigen Bewegungen darstellt. Die von
den Verfassern entworfenen Kärtchen für 100 und 300 m Tiefe sind zur Veran-
schaulichung hier wiedergegeben (s, Fig. 2).
Fig. 2.
Horizontale Verteilung des Salzgehalts und der Temperatur und mögliche Wirbelbewegungen
Mai—Juni 1904.
‚100 m
ZA
Salzgehalt von 35.0 bis 35.2%o
Salzgehalt über 35,2% on.
300m
Weniger als 100 m bzw. 300 m Tiefe.
An einigen Beispielen wird sodann noch gezeigt, wie schwierig es im euro-
päischen Nordmeer ist, ein Bild von der wahren Ausdehnung der: einzelnen
Wassermassen verschiedener Herkunft zu erhalten, wenn die Stationen nicht sehr
dicht beisammen liegen, da durch Ausfallen einiger Stationen sich das Bild oft
sehr beträchtlich ändert.
Im Anschluß an die von den Verfassern im Nordmeer beobachteten verti-
kalen Verschiebungen einer Zwischenschicht, die nach oben und. unten meist
scharf abgegrenzt ist, dürfte es interessant sein, darauf hinzuweisen, daß eine
ähnliche Erscheinung 1907 auch von S. M.S. »Planet« beobachtet worden ist.!)
S. M. S. »Planet« wiederholte eine von S. M.S. »Gazelle« 1875 gemachte Station
im Bismarck-Archipel in vier verschiedenen Monaten des Jahres 1907; in diesem
Gebiet ist eine Schicht hohen Salzgehalts und geringer Temperaturänderung
zwischen der stark angesüßten und sehr erwärmten Oberfläche und der weniger
salzhaltigen, kälteren Tiefe vorhanden. Die Zusammenstellung der Ergebnisse
der wiederholten Beobachtungen ergab für die Temperaturmessungen in derselben
Tiefenschicht Abweichungen untereinander bis 2,4° C, die bei der Bearbeitung von
dem Referenten als reell angesehen wurden, da sie in diesem Ausmaß (über 1.0°)
nur in der 100 bis 300 m-Schicht auftreten, indessen z, B. in den Tiefenschichten
600 bis 1000 m die Differenzen sämtlicher Beobachtungen nur 0.3° erreichten,
Erklärt wurden die Differenzen als die Folge von Unterschieden in der‘: Größe
des Auftriebs, verursacht durch wechselnde Intensität der Oberflächenströmungen.
Auch die Salzgehaltwerte zeigten Abweichungen zu den verschiedenen Beobach-
tungszeiten, die über den Beobachtungsfehler hinausgehen; sie sind. besonders
ausgeprägt an der unteren Begrenzung der salzhaltigen Zwischenschicht und be-
tragen für 300 und 400 m Tiefe 0.13 und 0.14% für 600 und 1000 m Tiefe
dagegen. nur 0.04 %/,9.. Da die Zwischenschicht hohen Salzgehalts als Tiefen-
strömung, die von Süden her durch den St. Georg-Kanal eindringt, aufzufassen
x
Vel. »Ann. d. Hydr. usw.« 1908, 8. 477 ff.