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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910, 
Das Europäische Nordmeer ist ein Bindeglied zwischen der Tiefsee des 
Nordatlantischen Ozeans und der des Nordpolarbeckens, gegen beide Gebiete 
aber durch unterseeische Rücken, soweit bekannt, abgeschlossen. Selbst in 
diesem, bislang am besten bekannten Gebiet des Ozeans sind die Ausdehnungen 
der einzelnen Mulden und Rücken noch nicht zur Genüge bekannt, und es würde 
hier namentlich für ein Expeditionsschiff, das seine Instrumente und Maschinen 
erproben will, eine dankbare Aufgabe durch Lotungen zu lösen sein. Das 
Europäische Nordmeer weist zwei große Tiefenmulden auf, die norwegische und 
die grönländische Mulde!), beide mit Tiefen etwas über 3500 m und getrennt 
voneinander durch Mohns Transversal-Rücken, der von Jan Mayen nach der 
Bären-Insel streicht. Westlich der Helgeland-Küste von Norwegen erstreckt sich 
in der Richtung nach Jan Mayen zu der Helgeland-Rücken, der vielleicht die 
norwegische Mulde in zwei Teile teilt, jedoch mangelt es zur Entscheidung an 
Lotungen, Die Verfasser betonen mit Recht die Notwendigkeit einer exakten 
Festlegung des Reliefs, da dieses von großem Einfluß auf die Zirkulation der 
Wassermassen ist. Bezüglich der Einzelheiten, der Satteltiefen der Trennungs- 
rücken, der Ausdehnung der Schelfflächen, sei auf das Original verwiesen (Vergl. 
auch die Lotungen der »Belgiea« nebst Karte in dem Referat von Schott)3. 
Kap. V. Allgemeine Beschreibung der Wassermassen des Nordmeeres. 
Wir treffen im Nordmeer Wasser von sehr verschiedenartiger Herkunft 
und Eigenschaften, je nachdem es von Süden aus dem Nordatlantischen Ozean, 
von Norden aus dem Polarbecken oder von den nordeuropäischen landum- 
schlossenen Randmeeren zugeführt ist oder auch durch Mischung sich neu ge- 
bildet hat. Diese Unterschiede in den Eigenschaften sind aber mit.einigen Aus- 
nahmen nur in der obersten 400 bis 500 m Schicht vorhanden, indessen das 
darunter liegende Wasser typische Sonderheiten aufweist und eine große Gleich- 
{örmigkeit zeigt. 
Das Atlantische Wasser, von Süden stammend, hat stets hohen Salz- 
gehalt; alles Wasser mit über 35°/.9 Salzgehalt, ohne Rücksicht auf die Temperatur, 
wird hierfür angesehen. Das Küstenwasser hat stets weniger Salzgehalt, da 
es durch Beimengung von Flußwasser angesüßt ist. Die Verfasser unterscheiden: 
1. Das Europäische Küstenwasser längs der norwegischen Küste, in der 
Hauptsache aus Nord- und Ostsee stammend und mit erheblichen jahreszeitlichen 
Temperaturschwankungen. 2. Das Asiatisch-Amerikanische Küstenwasser, 
gebildet von dem Wasser der hochnordischen Flüsse und gemischt mit Wasser 
hohen Salzgehalts, das in das Polarbecken eingeströmt ist. Dieses Wasser — im 
allgemeinen »Polares Wasser« genannt — bildet den ostgrönländischen Polar- 
strom. Ferner werden unterschieden die zentralen Wassermassen, welche 
sich hauptsächlich auf zwei Gebiete beschränken; einerseits auf das Norwegische 
Meer,®) wo dieses Wasser zwischen Atlantischem Wasser im Osten und dem ost- 
isländischen Polarstrom im Westen sich befindet, und auf das Gebiet zwischen 
Jan Mayen, Spitzbergen und Grönland, wieder an den Seiten von atlantischem 
und polarem Wasser begrenzt. Dies Zentralwasser ist durch Mischung der er- 
wähnten anderen Wassermassen entstanden, ist ziemlich stationär und dem Ein- 
fluß der meteorologischen Phänomen unterworfen; sein Salzgehalt ist unter 
35% und fast derselbe- wie in großen Gebieten des Küstenwassers. Schließlich 
das Bodenwasser. Dieses füllt die Tiefen des gesamten Nordmeeres und er- 
reicht nördlich von Jan Mayen die Oberfläche. Es wird hier zwischen Jan Mayen 
und Spitzbergen gebildet und hat einen konstanten Salzgehalt von etwas über 
34.90% 0 seine Temperatur liegt unter — 1°C, 
Ein besonderer Abschnitt ist der Regelmäßigkeit in der vertikalen Verteilung 
der Dichte gewidmet, die durch eine Gegenüberstellung desselben Vertikalschnittes, 
einmal nach den Beobachtungen der »Vöringen« und zum zweiten nach den neuen 
1) Die Verfasser gebrauchen statt Mulde stets den Ausdruck »Dcep«, der nach der internationalen 
Einigung nur für die tiefsten Stellen der Einsenkungen bestimmt ist. 
2?) »Ann. d. Hydr. usw.« 1910, S. 104. 
3) Die Bezeichnung ist hier als Unterabteilung des Nordmeeres gebraucht.
	        
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