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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Brennecke, W.: Ergebnisse d, norwegischen Untersuchungen 1900/04 im Europäischen Nordmeer. 355 
wurden, kommen, wie die norwegischen Untersuchungen zeigen, in praxi nicht 
vor. Selbst bei einigen der neueren internationalen Untersuchungen in den nord- 
europäischen Meeren genügt die Genauigkeit nicht. Für die heutige Erforschung 
der Tiefenschichten des Nordmeeres stellen die Verfasser den Satz auf, daß, wenn 
die Beobachtungen nicht den höchsten Grad der Genauigkeit aufweisen, sie 
nutzlos sind. Die Ergebnisse der für spätere Forschungen wertvollen Diskussionen 
über die Instrumente und Methoden sind in der Hauptsache die folgenden: Es 
wurde bei den Temperaturbestimmungen eine Genauigkeit von ++ 0.01° C. an- 
gestrebt und bei den letzten Kreuzfahrten auch erreicht mittels der verbesserten 
Kippthermometer ‚von Richter-Berlin; die Bestimmungen der Temperatur 
mittelg der Innenthermometer bei dem Pettersson-Nansen-Schöpfer sind in 
Tiefenschichten nicht so genau, da beim Aufholen des Schöpfers eine Abkühlung 
sowohl des Wassers wie auch der festen Teile infolge Druckverminderung ein- 
tritt. Die gebrauchten Wasserschöpfer waren die folgenden: Der Pettersson- 
Nansen- und der Ekman-Schöpfer, ein großer isolierender Schöpfer nach 
Nansen, sowie ein Schöpfer mit Hahnverschluß und Propellerauslösung für 
Lotungen; letzterer dürfte sich neben dem bisher meist gebrauchten Sigsbee- 
Schöpfer aüch für spätere große Expeditionen empfehlen, da dieser Schöpfer 
sich — wie auch die übrigen schon erprobten — gut bewährt hat. Die Be- 
stimmung des Chlorgehalts erfolgte durch Titration nach der Mohrschen 
Methode wie jetzt allgemein‘ üblich, die Berechnung des Salzgehalts und -der 
Dichte nach Knudsens Tabellen. Der mittlere Fehler betrug hierbei -+ 0.01% 00; 
während noch vor 10 Jahren eine Genauigkeit von 0.05%) das Außerste war. 
Für Wasserproben aus Tiefen von mehr als 1000 m war die Titrationsmethode 
noch nicht genau genug; das spezifische Gewicht solcher Proben wurde mittels 
des Nansenschen Eintauch-Aräometers oder mittels der Auftriebsmethode be- 
stimmt und eine Genauigkeit innerhalb einer Einheit der fünften Dezimale, z. T. 
bis zu einigen Einheiten der sechsten Dezimale erreicht, 
Kap. IV. Das Becken des Europäischen Nordmeeres. 
Unter dem Namen Europäisches Nordmeer (Norwegisches Meer der Verf.) 
wird das zwischen Grönland im Westen und Norwegen im Osten befindliche 
Meeresgebiet verstanden. Die südliche Grenze bildet Island mit seinen unter- 
seeischen Rückenzügen nach Grönland und Schottland und der Rand des Nord- 
see-Plateaus; nach Norden schließt sich an Norwegen der Schelf der Barents- 
See und Spitzbergen.‘ Zwischen Spitzbergen und Grönland bildet die nördlichste 
Grenze der noch problematische unterseeische Rücken. Als Unterabteilung 
nennen die Verfasser die Grönland-See, nördlich von 71° N-Br. zwischen Grön- 
land, Jan Mayen und Spitzbergen, und die Island-See zwischen Grönland, Jan 
Mayen und Island. Für das im Osten anschließende Meeresgebiet, das als Süd- 
norwegisches Meer bezeichnet wird, wird‘ in diesem Referat der Name »Nor- 
wegisches Meer« als dritte Unterabteilung des Nordmeeres gebraucht, wie auch 
schon die hier befindliche Einsenkung die Bezeichnung »Norwegische Mulde« trägt. 
Über die Größe der Oberfläche und der von den einzelnen Tiefen ein- 
genommenen Flächen gibt nachstehende Zusammenstellung Aufschluß‘): 
Areal der Oberfläche . . . . . . 2,58 Millionen qkm \ mn: Da 
Areal umschlossen von der 600 m Isobathe 1.79 Aiiteens WE Millionen gkm 
vom m « . 1.65 0.60 « « 
2000 mı « . 1.05 0.75 . 
23000 m. _ 030 
* 
Das hiernach berechnete Volumen des Nordmeers ist etwa 4.12 Millionen 
Kubikkilometer, die mittlere Tiefe etwa 1600.m. Fast ein Drittel der gesamten 
Fläche nehmen .die Schelftiefen (bis.600 m) ein, während zwei Drittel der größeren 
Tiefen zwischen 1000 und 3000 m Tiefe liegen. ; 
1 Über die. Abgrenzungslinien siehe »The Norwegian Sea ete.« S. 70. Anm.
	        
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