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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910.

Kap. I und II. Geschichte der Erforschung des Nordmeeres,
Bis zur Aussendung der »Vöringen«-Expedition im Jahre 1876 ist unsere
Kenntnis des Europäischen Nordmeeres namentlich in den Tiefen so gering, daß
man eine Forschungsperiode vor 1876 und eine Periode nach 1876 unterscheiden
kann; letztere findet eine weitere Trennung durch das Jahr 1900, da mit diesem
Jahr bedeutende Verbesserungen sowohl in instrumenteller wie auch methodischer
Hinsicht in der Meeresforschung begannen,-:so daß für die Verteilung von Salzgehalt
 und Dichte im Nordmeer fast nur die seit dem Jahr 1900 gewonnenen
Beobachtungen in Betracht kommen. Die Verfasser begnügen sich nicht damit,
alle in Betracht kommenden Expeditionen chronologisch aufzuführen, sondern
fügen in kurzen Sätzen hinzu, welcher Wert den einzelnen Beobachtungen beizulegen
 ist, und in welcher Hinsicht sie fördernd für die Kenntnis des Nordmeeres
 gewesen sind, Waren 1876 bei der »Vöringen«-Expedition die Tiefentemperaturen
 infolge der Auslösungsvorrichtung der Kippthermometer noch
nicht exakt, so sind diese bei späteren Expeditionen meist vertrauenerweckend,
dagegen sind selbst die Salzgehaltbeobachtungen Knudsens auf der »Ingolf«-Expedition
 (1896) im Vergleich mit modernen Beobachtungen nicht genau genug.
Die norwegischen systematischen Beobachtungen in den verschiedenen Teilen des
Nordmeeres und zu verschiedenen Jahreszeiten wurden erst nach Fertigstellung
eines eigenen Forschungsdampfers »Michael Sars« (1900) ermöglicht; die meisten
der ausgeführten Beobachtungen fallen in den Frühling und Sommer, da die
ungünstigen Witterungsverhältnisse in den Wintermonaten eine Gewinnung exakten
Beobachtungsmaterials meist verhinderten. Während noch im Jahr 1900 die
Meinung bestand, daß mit einer gewissen Anzahl von Stationen, die möglichst
gleichmäßig über das große Gebiet verteilt wurden, ein Einblick in die Verteilung
 der einzelnen hydrographischen Elemente und in ihre Schwankungen gewonnen
 werden könnte, zeigte es sich bald, daß die Erscheinungen viel verwickelter
waren, wie zuerst angenommen wurde, Es wurden daher in den nächsten Jahren
mehr Stationen und diese enger aneinanderliegend genommen, oft 20 Seemeilen
und weniger auseinanderliegend; hierdurch trat naturgemäß eine Verkleinerung
des untersuchten Gebiets ein. Oberflächenbeobachtungen wurden bei den Kreuztouren
 jede Stunde gemacht, auch von anderen Schiffen im westlichen und nördlichen
 Teil des Gebiets gesammelt. Von neueren Expeditionen, die für die
Untersuchungen in der Hauptsache in Betracht kommen, sind die Beobachtungen
von Amundsen, bearbeitet von Nansen‘), und die Beobachtungen von Koefoed
auf der Expedition des Herzogs von Orleans im Jahre 1905”) besonders zu
erwähnen.
Kap. III. Instrumente und Methoden.
Die Notwendigkeit, bei den Bestimmungen der Temperatur, des Salzgehalts
 und der hieraus resultierenden Dichte einen höheren Genauigkeitsgrad
wie bei den Untersuchungen vor 1900 zu erreichen, wird an mehreren Beispielen
erläutert. So ergibt sich aus Nansens Beobachtungen im Nordpolarbecken
(Fram-Expedition 1893/96) hier ein Salzgehalt des Bodenwassers von 35.10 9907
während der Salzgehalt am Boden des Europäischen Nordmeeres 34,92%, beträgt;
 die Differenz beträgt nur 0.16%) (0.00012 des spezifischen Gewichts).
Ist diese Differenz reell, so muß man annehmen, daß ein trennender Rücken
zwischen beiden Meeren vorhanden ist; sind die Beobachtungen Nansens um
0.16%.9 zu hoch, so müßte angenommen werden, daß sich auch das Bodenwasser
des nördlichen Eismeeres im Europäischen Nordmeer bildet (siehe Kap. XI).
Die Schlüsse ferner, die Mohn aus den gefundenen Salzgehaltsunterschieden auf
die Zirkulation der Tiefenschichten zog, lassen sich heute nicht mehr halten, da
die Grundlagen zu ungenau sind, Ebenso sind die »Challenger«-Bestimmungen
der Dichte nicht mehr genau genug; Differenzen wie sie von der »Challenger«
auf offenem Ozean bei dicht nebeneinanderliegenden Stationen beobachtet

‘) Northern Waters. Christiania 1906.
?) Duc d’Orleöans: Croisiere ocdanographique 1905, Brüssel 1909
            
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