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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Köppen, W.: Die Verschiebungen der Atmosphäre im Jahreslaufe usw. 358 
Durch diese Verschiebungen muß der Bodendruck bei abnehmender Dichte 
auf den tieferen Stufen abnehmen, auf den höheren zunehmen; bei zunehmender 
Dichte umgekehrt. . 
Die Luft, die auf den südlichen Meeren im Januar im Vergleich zum Juli 
fehlt, ist hiernach nur zum Teil nach den erkalteten Festländern der Nordhalb- 
kugel, zum andern Teil aber nach dem antarktischen Hochplateau abgeflossen. 
Es ist dasselbe Prinzip, welches Saigey schon 1842 und Hann seit 1879 
zur Erklärung der Eigentümlichkeiten der täglichen Barometerschwankung im 
Gebirge sowie auch der täglichen Berg- und Talwinde angewendet haben, Seine 
Rolle bei der Barometerschwankung ist unbestreitbar und wahrscheinlich bereits 
völlig, richtig verstanden. Ob aber diese Massenverschiebungen nicht viel zu 
langsam vor sich gehen, um als Wind fühlbar zu werden, ist eine andere Frage, 
W. Köppen. 
Die Ergebnisse der norwegischen Untersuchungen 1900 bis 1904 
im Europäischen Nordmeer, 
veröffentlicht von Björn Helland-Hansen und Fridtjof Nansen.“ 
Von Dr. W. Brennecke. 
Es ist ein umfang- und inhaltreiches Werk, in dem die beiden Forscher 
uns die Ergebnisse der norwegischen Beobachtungen im Europäischen Nordmeer‘*) 
im Zusammenhang mit den von anderen Expeditionen ausgeführten Beobachtungen 
übergeben. Waren auch einzelne der Hauptergebnisse schon durch die Ver- 
öffentlichungen von Hjort, -dem Leiter und Organisator der norwegischen 
Meeresuntersuchungen, und durch die Mitteilungen von Nansen und Helland- 
Hansen selbst bekannt geworden, so liegt in der neuen Publikation eine alles 
vorhandene Material, soweit es der kritischen Sonde standgehalten hat, zu- 
sammenfassende Darstellung vor, in der auch der Gang der Einzelunter- 
suchungen klargelegt und das Beobachtungsmaterial selbst in Schnitten und 
Tabellen dem Leser unterbreitet wird. Auch beschäftigt sich die Abhandlung 
keineswegs nur mit den durchschnittlichen hydrographischen Verhältnissen des 
Nordmeeres, sondern untersucht namentlich die jahreszeitlichen und jährlichen 
Änderungen der Temperatur und des Salzgehalts der einzelnen Strömungen, Trotz- 
dem aus diesem Meeresgebiet schon ein stattliches Beobachtungsmaterial vorliegt, so 
erweist es sich in vielen Fällen doch noch zu gering, um sichere Schlüsse über die 
Schwankungen und ihre Gesetzmäßigkeit ziehen zu können; viele der gewonnenen 
Ergebnisse, die unsere Anschauungen über die Bewegungen der Wassermassen 
im Nordmeer sehr verändern, tragen noch hypothetischen Charakter, werden 
aber sicher von großer Bedeutung und Fruchtbarkeit für die zukünftige Meeres- 
forschung sein. Obgleich die Verfasser durch die zahlreichen Schnitte und 
Diagramme, die in Tafeln und Textabbildungen dem Werk beigefügt Sind, 
möglichste Anschaulichkeit erstrebt haben, so ist das zur Diskussion stehende 
Beobachtungsmaterial so gewaltig (es werden z. B, auf einer Seite oft 10 bis 12 
verschiedene Schnitte angezogen), daß eine Durchdringung des Stoffes nicht 
leicht ist. Es wurde daher versucht, die Hauptuntersuchungen und deren Er- 
gebnisse in gedrängter Form zusammenzustellen; viele Einzeluntersuchungen 
mußten allerdings in Fortfall kommen, da der Umfang des Referates sonst zu 
sehr gewachsen wäre. 
1) The Norwegian Sea. Its physical oceanography based upon the Norwegian researches 
1900—1904, Report on Norwegian Fishery and Marine Investigations, Vol. II, No. 2. 1909. 
28 Tafeln, zahlr. Diagramme, 390 S. Bergen 1909. 
?) Ich ziehe es vor, die alte Bezeichnung »Europäisches Nordmeer« beizubehalten, da sie um- 
fassender ist wie die von den Verf, gewählte »Norwegisches Meer«.
	        
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