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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910.
Windes nach N bis NO flaute der Wind hier im Westen weiter ab, frischte aber
zwischen Weser und Elbe auf exponierten Stationen wieder für kurze Zeit bis
Stärke 8 auf, während stürmische nordöstliche Winde Stärke 8/9 nördlich der
Elbe einige Stunden anhielten. In den ersten Nachmittagstunden wurde die
ganze Nordseeküste sturmfrei, nachdem stürmische Winde hier im Westen etwa
12 Stunden bestanden hatten.
Trägt man die von den Anemographen registrierten mittleren stündlichen
Windgeschwindigkeiten in eine Karte ein, so bemerkt man, daß die Stürme an
der Ostsee erst am späten Abend des 14. vorüber waren, und das ostwärts
wandernde Sturmfeld tritt scharf hervor.
Sehr charakteristisch für das weitere Fortschreiten des Sturmes war das
meist mit starkem Auffrischen verbundene Umspringen des Windes nach nord-
östlicher Richtung, das wir oben für Ellenbogen beobachtet finden, und für
welches die folgenden weiteren Zeitangaben vorliegen: 81/,h V Wyk a. F, 9ı V
Pellworm, 101/,h Wittower Posthaus und Arkona, 10% V Brunshausen, 101/„h V
Darsserort, 11» V Hoheweg L., Stralsund und Saßnitz, 111/,% V Warnemünde,
114% V Thiessow, 11%,h V Greifswalder Oie, 0%b N Rügenwaldermünde, 1b N
Kolberg, 1%/,b N Rixhöft, 21/,h N Neufahrwasser (Nord), und 21/,b N Brüsterort.
Verfolgen wir diese Eintrittszeiten der Nordostwinde auf der Karte, so bemerken
wir, daß sie sich nicht allein nach Osten, sondern auch nach Süden hin verspäteten.
Die Linien gleichzeitigen Eintritts der Nordostwinde verliefen also SW bis NO
gerichtet und wanderten mit der Depression ostwärts, wobei sie späterhin eine
Drehung entgegen dem Uhrzeiger erfuhren. Auf den südlicheren Stellen, wie
Travemünde, Wismar, Vierow, Swinemünde, Ahlbeck und Groß-Ziegenort drehte
die Windfahne nicht nach dem NO-Quadranten, ebensowenig wie über dem ganzen
zurückliegenden Gebiet der Danziger Bucht von der Halbinsel Hela bis etwas
südlich von Pillau, Aus den Registrierungen der Anemographen ist das Vor-
dringen der Nordostwinde auf der Rückseite der fortschreitenden Depression
genau zu verfolgen. Einen besseren Einblick in die Drehung der Windfahne
längs der Küste gewähren aber die Beobachtungen auf den Sturmwarnungsstellen,
die während des Hängens von Sturmsignalen und stürmischer Witterung über-
haupt zur Zeit der vollen graden Stunden und teilweise noch zu anderen Zeiten
stattfinden. Auf der Karte von 8h V bemerken wir von Rügenwaldermünde ost-
wärts südöstliche bis südliche Winde; diese Winde drehten sich ebenso wie im
Westen der Ostsee, ostwärts bis Stolpmünde über Südwest und Westsüdwest,
dann schnell nach Nord und NNO, während die Winde in Leba Karwen, Rixhöft
und Ceynowa auf der Halbinsel Hela von Südost über Ost nach NNO bis NO
sprangen — ein Zeichen, daß der Ort niedrigsten Drucks südlich von diesen
Stationen vorbeizog. Der Süden der Danziger Bucht blieb südlich von der Bahn
des Minimums, da die Winde dort rechts drehten und dabei nicht weiter als
nach NW bis NNW umgingen. Auf allen Stationen des Frischen Haffs ein-
schließlich Wehrdamm und Fischhausen drehten die Winde rechts, so daß west-
liche Richtungen auftraten, während längs des ganzen Kurischen Haffs und der
Küste des Samlandes von Palmnicken ostwärts ein Rückdrehen von SO über O
nach NO und teilweise ein plötzliches Springen — in Brüsterort von S 4 auf
NO 8 beobachtet wurde; diese Gebiete blieben also auf der linken Seite des
Gebietes niedrigsten Drucks. Zeichnet man Karten für alle graden Stunden von
104 V bis 43 N, in die die Winde der Sturmwarnungsstellen nach Richtung und
Stärke eingetragen werden, so ist aus den Beobachtungen an der pommerschen
und ostpreußischen Küste zu folgern, daß das Gebiet niedrigsten Drucks sehr
schmal und langgestreckt gewesen sein muß, und möglicherweise eine Reihe
aufeinanderfolgender kleiner Minima enthielt; dieses Gebiet niedrigsten Drucks
muß zwischen Stolpmünde und Leba, über die Halbinsel Hela und das Sam-
land südlich von Palmnicken in östlicher Richtung fortgeschritten sein, umgeben
von einem System mit ihrer Längsachse südwestlich - nordöstlich gerichteter
Isobaren.
Bis 8» N am 13. drehten die Winde an der ganzen Ostsee nach N und NNW,
mit Ausnahme weniger exponierter Stellen, wo die nordöstlichen Winde um diese