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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910.
II. Das Rügener Fahrwasser,
Während in der Eissaison 1908/09 bis zu 86 Tagen die Dampfschiffahrt
geschlossen werden mußte, so daß jeder Verkehr stockte, war dies im letzten
Winter nur an 3 Tagen und auch nur im westlichen Fahrwasser von Rügen der
Fall. Auch blieb mit Ausnahme dieses Gebietes die Segelschiffahrt überall und
während des ganzen Winters möglich, so daß die Eisverhältnisse des Rügener
Fahrwassers als außerordentlich günstig gelten können,
IIJ. Die Haffe.
Das Frische Haff bis Königsberg steht mit 91 und bis Elbing mit 71 Tagen,
an denen Eis beobachtet wurde, an erster Stelle. Da Eisbrecher in diesem Jahre
nur sehr selten in Tätigkeit traten, so war die Zahl der Tage mit Schluß der
Dampfschiffahrt verhältnismäßig groß. Das Fahrwasser bis Königsberg war an
47, dasjenige bis Elbing an 13 Tagen ganz geschlossen,
Das Stettiner Haff, von dem im vorigen Winter an 112 Tagen das Vor-
kommen von Eis gemeldet wurde, hatte im letzten Winter nur 11 solcher Tage.
Die Dampferfahrten brauchten niemals eingestellt zu werden, und auch Segler
konnten mit Ausnahme von nur 7 Tagen den ganzen Winter hindurch fahren,
Sehr günstig waren wieder die Eisverhältnisse von Pillau, der Hafen hatte
nur leichtes, loses, die Schiffahrt nicht behinderndes Eis aufzuweisen und im
Pillauer Revier war die Segelschiffahrt an nur 6 Tagen behindert. Auch das
Kurische Haff war bei Memel relativ günstig gestellt, da hier die Segelschiffahrt
stets möglich blieb und nur an 18 Tagen erschwert war,
IV. Häfen und Flußmündungen.
Im strengeren Vorwinter war der Kieler Hafen von allen Häfen der
Ostseeküste der einzige, der eisfrei blieb. Alle übrigen hatten schwierige, zum
Teil sehr schwierige Eisverhältnisse. Im letzten Winter dagegen war an keinem
Tage einer der Häfen der Ostseeküste für Dampfer und Segelschiffe geschlossen.
Gänzlich eisfrei blieben Rixhöft, Stolpmünde, Arkona, Darsserort, Marienleuchte,
Westermarkelsdorf, Fehmarnsund, die Häfen von Kiel, Eckernförde, Flensburg
und Sonderburg. Verhältnismäßig am ungünstigsten zeigten sich die Eisver-
hältnisse im Hafen von Swinemünde, wo die Segelschiffahrt an 13 Tagen behindert
war, Im Fahrwasser von Warnemünde bis Rostock war die Segelschiffahrt an
7 Tagen, im Hafen von Kolberg nur an 4 Tagen erschwert. Der Hafen von Neu-
fahrwasser, der im Vorwinter 52 Tage mit Schluß der Segelschiffahrt zählte,
blieb im letzten für Segler dauernd fahrbar; nur an 2 Tagen trat für hölzerne
Schiffe eine Erschwerung der Fahrt ein.
Zusammenfassung.
Nach der im vorstehenden gegebenen Übersicht kann man zusammenfassend
sagen, daß, abgesehen von den Haffen, eine nennenswerte Behinderung der Schiff-
fahrt nicht stattgefunden hat, An 17 Eisbeobachtungsstellen wurde überhaupt
kein Eis gesichtet, und abgesehen von den Haffen meldete nur eine Station
(Wittower Posthaus), die über das Fahrwasser im Westen von Rügen berichtet,
Schluß der Segelschiffahrt, und zwar an 11 Tagen.
Die Deutsche Seewarte.