Die Eisverhältnisse an-den deutschen Küsten im Winter 1909/10: 831
eisfrei zu bezeichnen, da sonst an keiner Stelle auch nur leichtes loses Eis ge-
sichtet wurde, Von den Hafenplätzen blieb Brake ebenfalls gänzlich eisfrei, wo-
gegen die Hafeneinfahrt .von Nesserland an 6 Tagen für Segelschiffahrt schwierig
war und Bremerhaven wenigstens an 2 Tagen, Bremen und die Hafeneinfahrt von
Wilhelmshaven ‚an je einem Tage das Vorkommen von Eis meldeten,
IV. Die Ostfriesischen Inseln, ..
Betrachtet man das Temperaturdiagramm von Borkum, so: sieht man, daß
anhaltender Frost überhaupt nicht vorhanden war;. denn nur einmal gingen die
Temperaturen, zu fünftägigen Mitteln zusammengefaßt, unter 0 Grad herunter,
und zwar traf dies für die Tage vom 21. bis 25. Januar zu, deren Temperatur-
mittel —0.1 Grad betrug. Demgemäß sind auch die Eisverhältnisse. sehr günstig
gewesen. Auf den Watten von Norderney und im Hubertgat (Fahrwasser) von
Borkum. war an je 2 Tagen die Segelschiffahrt ‘behindert; -die Watten. von
Wangeroog zeigten nur an 1 Tage leichte Eisbesetzung,
Zusammenfassung, N
Nach den vorstehenden Ausführungen kann man zusammenfassend sagen,
daß im letzten Winter die deutsche Nordseeküste überhaupt keine nennenswerte
Behinderung der Schiffahrt durch Eis erfahren hat. Die Dampfschiffahrt blieb
allerorten völlig unbehindert und die Segelschiffahrt wurde. nur bei Tönning
(an 7 Tagen) und Brunshausen. (an 1 Tage). geschlossen. Bezüglich der bloßen
Erschwerung der Segelschiffahrt stehen Glückstadt und Nesserland mit je 6 Tagen
obenan, es folgen Tönning mit 5, Altona mit 4 und Borkum mit 2 Tagen. )
Ostseeküste.
Wenn hier auch die Eisverhältnisse im ganzen genommen schwieriger sind
als an der Nordseeküste — vor allem, sind .hierfür die tieferen. Temperaturen
und die größere Häufigkeit des Frostes maßgebend —, so müssen sie hier wie
dort hinsichtlich des letzten Winters als außerordentlich‘ günstig . bezeichnet
werden.‘ Von den 39 Beobachtungsstellen blieben 17 völlig eisfrei (im- strengen
Winter 1908/09 nur 1), und nur 3 Orten mußte die Dampfschiffahrt geschlossen
werden (im vorigen Winter ‚an 13). ;
Betrachtet man den Temperaturverlauf von Rügenwaldermünde und Memel
und vergleicht ihn mit denjenigen des vorigen Winters, so ergibt sich, daß der
Frost sehr schwach und nur von kurzer Dauer war... Beide Stationen hatten je
2 Frostperioden, die erstere gegen Mitte .Dezember und in der letzten Dekade
des Januar bis Anfang Februar, während im äußersten Osten schon Mitte No-
vember bis Anfang Dezember Frost herrschte; die zweite Periode reichte hier
wie in Rügenwaldermünde vom letzten Drittel des Januar bis Anfang Februar.
Von kleineren Frostzeiten ist hierbei abgesehen, .
I. Die schleswigsche Ostküste,
Wenn auch die schleswigsche Ostküste ebenso wie die Westküste im letzten
Winter sehr günstige Eisverhältnisse aufzuweisen hatte, so waren diese doch
relativ etwas ungünstiger als jene, Wie gewöhnlich, so ragen wieder das öst-
liche Eidergebiet und Schleimünde. hervor, wohl zweifellos hauptsächlich bedingt
durch die geographischen Verhältnisse, da diese Gegenden und Orte weniger frei
am Meere liegen. An beiden Stellen war jedoch im letzten Winter die Schiffahrt
nur an 17 Tagen behindert. Auch die Haderslebener Föhrde hatte verhältnis-
mäßig ungünstige Eisverhältnisse, da die Schiffahrt für Segler am 8 Tagen: be-
hindert war. Wie außerordentlich milde der Winter 1909/10 war, erhellt be-
sonders auch aus den Eisverhältnissen des Kaiser Wilhelm-Kanals, der im vorigen
Eisjahr an 36, im letzten Winter dagegen -nur: an 3 Tagen. eiseshalber für Segler
geschlossen werden mußte, An 17 Tagen war im Vorjahre die Verwendung von
Eisbrechern nötig, um die Fahrrinne offen zu halten, im letzten Winter brauchten
Eisbrecher überhaupt nicht in Tätigkeit zu treten,