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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

330 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1910. 
Die Abweichungen der Mitteltemperaturen der Wintermonate von den langjährigen Mittelwerten, 
Monate 
November 1909 
Dezember 1909 
Januar 1910 
Februar 1910 
März 1910 
Borkum 
Keitum | Rügenwalder- 
| münde Memel 
0.60 — 0.20 + 0.1° 2,20 
‚05 +06 113 42.0 
125 2 E11 132 136 
L19 | 723 | 732 137 
116 | 2125 2° 1321 28 
Auf der beigefügten Tafel 31 erkennt man die verschiedenen Frostperioden 
des letzten Winters, Die Kurven stellen den Gang der Temperaturen, vom 
November bis März 1909/10, ausgedrückt in Pentadenmitteln, von vier Normal- 
beobachtungsstationen der Deutschen Seewarte, nämlich Borkum, Keitum, Rügen- 
waldermünde und Memel dar, Die schraffierten Flächen zeigen die Zeit an, in 
der die Temperaturen sich unter dem Gefrierpunkt befanden, Schon ein flüchtiger 
Blick auf dieses Diagramm lehrt, wie außerordentlich milde der letzte Winter 
war (vgl. das analoge Diagramm vom Vorwinter, »Ann, d. Hydr. usw.« 1909, 
S. 296, Taf, 33) und wie kurz und wenig intensiv die Frostperioden waren. Ver- 
gleicht man den Verlauf der Eisbesetzung der deutschen Küsten mit dem Tempera- 
turverlauf, so springt der innige Zusammenhang beider Phänomene sofort in 
die Augen, 
Nordseeküste. 
J. Nordfriesische Inseln und schleswigsche Küste, 
Die Temperaturkurve von Keitum auf Sylt läßt erkennen, daß während 
des letzten Winters die fünftägigen Temperaturmittel nur einmal, nämlich vom 
21. bis 30. Januar, unter dem Gefrierpunkt lagen; außerdem stellt sich diese 
Frostperiode als sehr gelinde dar, da die Mitteltemperatur nicht tiefer als auf 
—1.8 Grad sank. Dementsprechend ergeben sich auch die Eisverhältnisse als 
sehr günstig. Die Dampfschiffahrt brauchte an keinem Tage geschlossen zu 
werden, und der einzige Ort, wo Schluß der Segelschiffahrt, und zwar an 7 Tagen, 
eintrat, war Tönning, das auch in den Vorjahren in ähnlicher Weise hervortrat. 
Dieser Ort liegt an der Eidermündung und geschützt an einer tief ins Land ein- 
schneidenden Meeresbucht, Insgesamt wurde hier an 14 Tagen Eis gesichtet. 
Ähnlich, wenn auch etwas günstiger liegt Husum, wo auch in diesem Eisjahre 
wieder die zweitungünstigsten Eisverhältnisse ermittelt wurden; aber nur an 
5 Tagen wurde hier überhaupt Eis gesichtet, an keinem Tage war die Schiffahrt 
behindert. Während das insular gelegene Amrum gänzlich eisfrei blieb, hatte 
Ellenbogen auf Sylt doch 5 Tage mit Eis zu verzeichnen, kommt demnach dem 
Orte Husum in diesem Jahre gleich. 
I. Das Elbegebiet. 
Während im Vorjahre um so ungünstigere Eisverhältnisse anzutreffen 
waren, je weiter man elbaufwärts vorging, zeigte sich in diesem Eisjahre kein 
so einfach erklärliches Bild. Am ungünstigsten war in diesem Jahre das Elbe- 
gebiet etwa auf halbem Wege zwischen Hamburg und Cuxhaven (bei Glückstadt) 
gestellt, wo an 6 Tagen die Segelschiffahrt behindert war, während dies zu Altona 
nur viermal und bei Brunshausen nur zweimal zutraf. Im übrigen zeigte sich 
auf der Elbe an allen übrigen Beobachtungsstellen nur an einigen wenigen Tagen 
leichtes, die Schiffahrt nicht behinderndes Eis. Dies war im viel strengeren 
Vorwinter ganz anders: Damals zählte Glückstadt insgesamt 60 Tage und Altona 
gar 76 Tage mit erschwerter Segelschiffahrt. Die Dampfschiffahrt wurde im 
letzten Winter an keiner Stelle gestört. 
Il. Das Weser-, Ems- und Jadegebiet. 
Diese Gegend pflegt schon an sich bezüglich der Eisverhältnisse günstiger 
gestellt zu sein als das östlichere Gebiet der deutschen Nordseeküste, Sieht man 
von den Häfen ab, so ist das ganze in der Überschrift abgegrenzte Gebiet als
	        
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